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Vierschanzentournee : Janne Ahonen schreibt Skisprung-Geschichte

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Eisklotz Ahonen taut auf: noch kann er die Gesamtsiege an einer Hand abzählen Bild: dpa

Ein turbulenter erster Durchgang wirbelte die Wertung bei der Vierschanzentournee durcheinander. Am Ende feierte Janne Ahonen als erster Skispringer seinen fünften Gesamttriumph. Eine Überraschung gelang indes dem Deutschen Michael Neumayer.

          Michael Neumayer ballte die Fäuste und schrie die Freude über den größten Erfolg seiner Laufbahn hinaus, Janne Ahonen kämpfte nach seinem Rekord-Triumph mit den Tränen. Mit dem dritten Gesamtrang bei der Vierschanzentournee hat Neumayer am Dreikönigstag seine Karriere vorläufig gekrönt und dem deutschen Team das beste Ergebnis seit fünf Jahren beschert.

          „Das ist ein Hammer und total kurios. Ich kann es kaum fassen“, jubelte der 28 Jahre alte Berchtesgadener nach dem sensationellen Podestplatz. „Solche Erfolge pushen“, sagte Bundestrainer Peter Rohwein, der sich zudem über den vierten Platz von Martin Schmitt im Finale freuen durfte.

          „Das ist ein Wahnsinnstag für mich, es ist unglaublich“

          Mit dem 34. Weltcuperfolg seiner Karriere flog Ahonen am Sonntag zum fünften Tourneesieg, mit dem er Jens Weißflog in der ewigen Bestenliste überflügelte und zum alleinigen Rekordhalter avancierte. „Da muss man gratulieren“, sagte Weißflog, im Scherz eine Träne aus dem Auge wischte. „Jens Weißflog war für mich ein Idol und ist es immer noch. Er soll nicht traurig sein“, meinte Ahonen.

          Aus dem Führenden wurde ein Sieger: Janne Ahonen

          „Er ist der Beste“, huldigte auch der Tageszehnte Neumayer dem 30 Jahre alten Finnen, der bereits 1999, 2003, 2005 und 2006 ganz oben auf dem Podest stand. Mit 1085,8 Punkten verwies er den Österreicher Thomas Morgenstern (1066,0) auf Rang zwei. Als Lohn erhielt Ahonen einen Geländewagen im Wert von 22.000 Euro sowie einen Hotel-Gutschein für 15.000 Euro. „Das ist ein Wahnsinnstag für mich, es ist unglaublich. Dieser Erfolg bedeutet sehr viel für mich“, sagte Ahonen.

          Bittere Tränen der Enttäuschung bei Schlierenzauer

          24 Stunden nach Ahonens siegreicher Flug-Gala beim dritten Springen am Samstag fiel das mit Spannung erwartete Finale im strömenden Dauerregen an der Paul-Außerleitner-Schanze buchstäblich ins Wasser. Leidtragende waren etliche Spitzenathleten, die bei regennasser Anlaufspur im Minutentakt ausschieden. Der drittplazierte Gregor Schlierenzauer weinte nach seinem Aus bittere Tränen der Enttäuschung, die auch Tom Hilde (Norwegen) und Simon Ammann (Schweiz) ins Gesicht geschrieben stand. „Es sollte nicht sein, das Leben geht weiter“, sagte Schlierenzauer.

          Neumayer trotzte dagegen den Launen der Natur und schaffte mit 119 Metern als 25. den Einzug in das Finale. „Bei diesen Bedingungen war das ein Top-Sprung. Ich hatte zunächst Angst, dass ich den zweiten Durchgang nicht erreiche. Es war nicht ganz fair, aber deshalb freue ich mich nicht weniger über den Erfolg“, berichtete der Berchtesgadener. Im Finale setzte er mit 131,5 Metern das i-Tüpfelchen auf eine glänzende Tournee und ließ auch Rohwein jubeln.

          Martin Schmitt: „Das gibt Auftrieb. Ich bin sehr zufrieden“

          Mit seinem Höhenflug sorgte Neumayer für das beste deutsche Ergebnis seit dem zweiten Platz von Sven Hannawald 2003 und rettete dem Bundestrainer den Job. Dank der Top-Platzierung des Spätstarters aus Berchtesgaden ist eine Entlassung des Chefcoaches im Deutschen Skiverband (DSV) kein Thema mehr (Siehe auch: Wintersport-Kommentar: Schnellschüsse und Fehleinschätzungen).

          „Manche Diskussionen sind ad absurdum geführt worden. Wir haben an unserem Kurs festgehalten und freuen uns über den Erfolg“, sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann. Zu dem trug auch Martin Schmitt bei. Der 29 Jahre alte Routinier feierte zum Abschluss mit Rang vier seine beste Saisonplatzierung und verbesserte sich im Gesamtklassement auf den achten Rang. „Das gibt Auftrieb. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Schmitt.

          „Die ganze Tournee war nervig und schwierig für mich“

          Für Michael Uhrmann endete die Tournee dagegen mit einem Debakel. Nachdem der Bayer in den ersten drei Springen zumindest den Wettbewerb erreicht hatte, scheiterte er beim Finale als 50. schon in der Qualifikation. „Schlimm, dass es so endet. Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe überhaupt nichts auf die Reihe bekommen. Das war meine schlechteste Tournee“, sagte der 29-Jährige.

          Er liebäugelt nun mit einer Weltcup-Pause, um sich für die Skiflug-WM in Form zu bringen. „Die ganze Tournee war nervig und schwierig für mich. So tief unten war ich noch nie. Ich muss an grundsätzlichen Dingen arbeiten. Mein Sprung funktioniert überhaupt nicht, vielleicht muss ich da etwas ändern. In dieser Form kann ich der Mannschaft bei der Skiflug-WM nicht helfen“, sagte Uhrmann.

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