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Vierschanzentournee : „Der Kessel hat gebebt“

  • -Aktualisiert am

Flug zum Sieg: Richard Freitag gewinnt in Innsbruck Bild: AFP

So ein Wahnsinn: Mit Richard Freitag steht in Innsbruck nach Ewigkeiten wieder ein Deutscher ganz oben auf dem Podest. Dass die Österreicher ihre goldene Serie der Gesamtsieger fortsetzen, ist ausgemacht. Ein musikalischer Rückblick auf das rauschende Fest am Bergisel.

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          Richard Freitag wünscht sich als Überschrift einfach nur „Yeah“. Als am Sonntag nach dem letzten Sprung der hochwertigen Konkurrenz in Innsbruck  feststeht, dass er die dritte Station der Vierschanzentournee an der  Bergisel-Schanze gewinnt, löst sich bei dem 23 Jahre alten Deutschen eine  „Gefühlsexplosion“. Nicht nur wegen seiner beiden annähernd perfekten Sprünge auf 133,5 und 132 Meter, die ihm mit 278,5 Punkten den Tagessieg einbringen, sondern vor allem, weil ihn die Atmosphäre an der Schanze inspirierte: „Jeder, der im Stadion war, weiß, was da für eine Stimmung ist.“

          Dauerbeschallung mit Gassenhauern wie „Sing Halleluja“, „Daddy Cool“ und  „Atemlos“ heizen das Publikum an. Nirgends sind die Zuschauer so nah dran, wie hier. Dank ihrer beengten Lage gilt die Bergisel-Schanze als Hexenkessel schlechthin. Der Auslauf ist so kurz, dass die Springer kurz nach der Landung schon wieder einen steilen Gegenhang hochrasen. An dessen Ende müssen sie die  Ski abrupt querstellen, damit sie überhaupt zum stoppen kommen.

          Mit Fahnen und Fanfaren

          „Mamma mia“. Legendär ist auch der Kamera-Blick über die Schulter der Springer, der  sie dank perspektivischer Täuschung im Anflug auf den Friedhof von Innsbruck  zeigt. „I will survive“. Das große Springen am Sonntag wird zelebriert wie ein Hochamt. Mit Fahnen und  Fanfaren. Mit Ansagen und Einordnung. Der Stadionsprecher bombadiert die Leute mit Zahlen über Weiten und Wind, Punkten und Noten. Und zeigt sich in Geberlaune: „Wir freuen uns, dass unsere Schweizer Nachbarn auch gute Springer haben“. Er beweist grobkörnigen Fachverstand: „Die Japaner sind alles Stilisten.“ Und Mut zur Metapher: „Richard Freitag, die heißeste Aktie Deutschlands.“

          Das Publikum zeigt fairen Sportsgeist und applaudiert bei jedem halbwegs gelungenen Sprung. Aber richtig ab geht es nur, wenn einer der Ihren springt. „Atemlos.“  Dann tobt der Kessel. „Das ist genau der Grund, warum ich Skispringer geworden bin“, sagt der Österreicher Stefan Kraft. Der 21-Jährige hat allen Grund, sein Leben als Leistungssportler derzeit zu genießen. Als Führender der Tournee angereist, springt er im ersten Durchgang mit 137 Metern Schanzenrekord. Im zweiten lässt er noch mal 127 Meter folgen, sammelt insgesamt 273,5 Punkte und wird Zweiter hinter Freitag. Altmeister Noriaki Kasia aus Japan und der Schweizer Simon Ammann teilen sich punktgleich  (263,7) den dritten Platz.

          Befreiter Jubel: Richard Freitag gewinnt am Sonntag und beendet eine deutsche Negativerserie

          Ein Deutscher gewinnt auf dem heiligen Berg der Österreicher? „Das ist Wahnsinn.“  Während des ganzen Wettbewerbs ertönt das komplette Repertoire immergrüner Party-Musik hoch und runter, die Spaß-Gesellschaft im Publikum dankt es mitwippend und mit frenetischem Fahnenschwenken, wenn immer es verlangt wird – oder ein Österreicher am Sprung ist: Dann verwandelt sich die Anlage in ein Meer aus rot-weiß-rot. Als Kraft seinen Schanzenrekord springt, scheint die Anlage wirklich zu eng zu sein. Das hätte die Stadionregie nicht besser planen können.

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