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Auftaktspringen der Tournee : Nahe dran am Überflieger

Unbändige Freude: Markus Eisenbichler startet in Oberstdorf mit viel Schwung und prächtiger Laune in die Vierschanzentournee. Bild: dpa

Markus Eisenbichler landet zum Auftakt der Vierschanzentournee hinter Ryoyu Kobayashi auf dem zweiten Platz. Doch nicht alle Deutschen können überzeugen und Bundestrainer Werner Schuster lässt seine Zukunft weiterhin offen.

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          Endlich der Lohn für so viel Trainingsfleiß. Endlich der Sprung auf das Podest für Markus Eisenbichler. Der 27 Jahre alte Skispringer war der Mann, der dem bisherigen Dominator dieses Winters beim Start der Vierschanzentournee so eng wie kein Zweiter herangerückt war. Am Ende von zwei Sprüngen, die den Siegsdorfer auf 133 und 129 Meter führten, trennten ihn lediglich 0,4 Punkte von Ryoyu Kobayashi, der auf eine Gesamtwertung von 282,3 Punkte kam und seiner großen Favoritenrolle gerecht wurde. „Super, dass er es durchgebracht hat“, sagte Bundestrainer Werner Schuster zum zweiten Platz von Eisenbichler. „Jetzt kommen Schanzen, von denen er im Schlaf springen kann.“ Schanzen in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen, wo die Tournee traditionell am Dreikönigstag zu Ende geht.

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          Rund um die ausverkaufte Schanze am Oberstdorfer Schattenberg, wo am Sonntag 25.500 fahnenschwenkende Zuschauer für eine prächtige Stimmung sorgten, gab es im Lager der Deutschen aber nicht nur Grund zur Freude. Für Andreas Wellinger nämlich ist die Tournee schon gelaufen. „Ich bin sauber neben die Kante getreten“ sagte der Olympiasieger nach seinem missglückten Sprung im ersten Durchgang, der ihn lediglich auf 114,5 Meter trug und als 39. ausscheiden ließ. „Gestern habe ich einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte ein frustrierter Wellinger. „Heute zwei zurück. Das macht keinen Spaß, aber es geht weiter.“ Auch Severin Freund fand sich im Klassement als 36. in einer Region wieder, die ihn schon nach dem ersten Wettkampftag sämtlicher zusätzlicher Tourneechancen beraubte. Und dies an dem Tag, an dem Eisenbichler endlich seine guten Leistungen durch den zweiten Platz belohnt sah. Wohlwollend von jemandem beäugt, der hoch oben, wenige Meter vom Schanzentisch entfernt, thronte und der maßgeblich für die Entwicklung des deutschen Skispringens verantwortlich ist: Bundestrainer Schuster.

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          Seit gut zehn Jahren schon leitet der Österreicher aus dem Kleinwalsertal die Geschicke des Skisprungs in Deutschland. Schuster hat Olympiasieger und Weltmeister geformt. Athleten wie Freund, Freitag und Wellinger sind mit und durch Schuster als Sportler und als Persönlichkeiten gewachsen. Ein Trainer, wie gemacht für eine Gruppe von Skispringern, in der Teamgeist, Harmonie und Zusammenhalt keine Floskeln sind. Schuster legt großen Wert auf Gemeinsinn und Gemeinschaft. „Wir haben fünf Springer, die Top-10-Potential haben“, sagt der 49-Jährige. „Ich bin stolz, das Team in Bewegung zu halten.“ Ein Mann, der alles in seiner bisherigen Amtszeit erreicht hat – fast alles. Was ihm fehlt, ist noch ein Sieg eines seiner Springer bei der Vierschanzentournee. Schuster weiß: „Ob es wirklich einen auf die Eins spült, ist auch ein bisschen Momentum-Sache.“ Schon in Engelberg, bei der Schweizer Generalprobe für das deutsch-österreichische Grenzerlebnis Vierschanzentournee, hatte Schuster über die Eigenarten des einwöchigen Skisprung-Spektakels gesprochen. „Es gibt eine gewisse Eigendynamik im Wettkampf, in der Kabine, wenn der Springer oben sitzt. Die Sportler lassen sich führen, mal mehr, mal weniger, aber was dann einer wirklich beim ersten Sprung in Oberstdorf macht, das kann ich nicht sagen.“

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