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Vierschanzentournee : Der Morgenstern leuchtet wieder

  • -Aktualisiert am

Athletisch, mutig, technisch hervorragend: Keiner fliegt derzeit wie Thomas Morgenstern Bild: AFP

Wie ein Komet war er am Skispringerhimmel erschienen - und dann wieder abgestürzt. Nun präsentiert Thomas Morgenstern sich wieder so stark, dass manche ihm bei der Vierschanzentournee sogar einen Auftritt à la Hannawald zutrauen.

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          „Was groß und menschlich macht, sind die Abstürze, die Tiefs.“ Baldur Preiml, der ehemalige österreichische Skisprung-Guru, Lehrer und Vorbild einer ganzen Generation von Trainern, hat sie erlebt, Sieger, die Verlierer wurden und wieder große Gewinner - wenn sie gelernt hatten, die Niederlagen anzunehmen, nicht als persönliches Versagen zu sehen, sondern als Chance.

          Einer hat diese Chance genutzt und ist jetzt ganz groß. Wie ein Komet war er am Skispringerhimmel erschienen, im Dezember 2002 - Thomas Morgenstern. Er war gerade 16, als er in der zweiten Liga seines Sports, dem Continentalcup, fünf Springen gewann. Die Verantwortlichen im österreichischen Team nominierten deshalb den C-Kader-Athleten für die Vierschanzentournee - und der Junge wurde auf Anhieb Zehnter der Gesamtwertung.

          Bei seinem fünften Weltcupspringen stand er zum ersten Mal auf dem obersten Podest. „Liberec war gemeinsam mit den Olympischen Spielen in Turin der emotionalste Moment in meinem Leben“, sagt Morgenstern heute, „es war der Beweis, dass sich die vielen Trainingseinheiten ausgezahlt haben.“

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          „Die vergangenen zwei Jahre waren nicht die leichtesten“

          Als Neunjähriger war er daheim in Villach in Kärnten zum ersten Mal über eine Schanze gehüpft - von da an war klar: „Das ist mein Leben, mein Hobby, mein Beruf.“ Er galt als Jahrhunderttalent, die olympische Einzel-Goldmedaille 2006 in Turin war der erste logische Höhepunkt. Die Skisprung-Welt stand Morgenstern offen, seine Landsleute lagen ihm zu Füßen. Aber er kam mit dem Rummel nicht zurecht, gesundheitliche Probleme im Sommer machten sich im folgenden Winter bemerkbar: Morgenstern fiel in ein erstes Loch.

          Dass anderen im Austria-Team, dass vor allem dem jungen Gregor Schlierenzauer plötzlich das Interesse gehörte, machte ihm schwer zu schaffen. Ein Jahr später begann er die Saison 2007/08 dann mit dem Rekord von sechs Siegen in Folge, am Ende hatte er den Gesamt-Weltcup gewonnen. Doch wieder folgte eine Talfahrt, aus der er sich 2010 mit seiner dritten Goldmedaille befreite. Zum zweiten Mal war es olympisches Gold mit dem Team, auch bei Weltmeisterschaften hat er von sechs Titeln nur einen allein gewonnen.

          „Die vergangenen zwei Jahre waren nicht die leichtesten für mich“, sagt Morgenstern. „Natürlich sprechen wir von einem sehr hohen Niveau, aber der letzte Schritt ganz nach vorne ist nie gekommen. Ich war immer ergebnisorientiert, aber das funktioniert auf Dauer nicht.“ Es sei viel Quälerei gewesen, „ich war immer ganz knapp vor dem ergebnisorientierten Ziel, ich hatte immer mehr erwartet. Es ging immer zwei Schritte zurück, ich musste mich immer wieder neu aufbauen. Das war ein schwerer, mühsamer Weg - es geht einfacher“.

          „Das Gefühl kannst du nicht herbeizaubern“

          Dann habe er gemerkt, dass nur ein kleiner Schritt nötig sei, um wieder die ganz großen Erfolge als Einzelkämpfer zu haben. „Ich hatte bei meinen größten Erfolgen und besten Sprüngen auch nicht ans Ergebnis gedacht, ich habe es genossen und gewusst, ich kann es und muss nichts erzwingen. Das Gefühl kannst du nicht herbeizaubern, aber du kannst probieren, dich an dieser Einstellung zu orientieren.“ Im Sommer zog er die Konsequenz, suchte sich einen neuen Mental-Berater, „ich stieß eine letzte Tür auf“.

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