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Vierschanzentournee : Aus der Traum

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Erfolgreiche Landung für Peter Prevc, Auzs der Traum für Severin Freund Bild: dpa

Fertig machen zur Landung! Drei Springen sind vorbei, drei Tage bleiben noch, dann ist der Sieger der 64. Vierschanzentournee gefunden.

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          Fertig machen zur Landung! Drei Springen sind vorbei, drei Tage bleiben noch, dann ist der Sieger der 64. Vierschanzentournee gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Severin Freund die mit dem Auftakt in Oberstdorf geschürten Erwartungen erfüllt und sich zum ersten deutschen Gewinner nach 14 Jahren aufschwingt, ist durch das Resultat von Innsbruck arg geschrumpft: Alles deutet auf ein Happy End für Peter Prevc hin, der auch am Sonntag einen Tick besser war als sein Widersacher aus München.

          Die Gewissheit, dass die Form passt, setzt im Skispringen eine Zuversicht frei, die konstante Weiten und vordere Plazierungen garantiert. Zu beobachten ist das Phänomen in diesem Winter besonders bei Prevc: Sein Gefühl der Stärke trug den Slowenen auch am Bergisel auf den ersten Rang; sein Paket aus Material, Fitness, Absprung- und Flugstabilität ist das tragfähigste von allen, er setzt den Maßstab, an den auch die Deutschen nicht heranreichen.

          Schmerzhafte Lehre

          Das Warten geht für sie wohl weiter. 2001/02 triumphierte Sven Hannawald, als erster und bislang einziger Skispringer, an allen vier Standorten der Tournee. Seitdem ging der DSV stets leer aus - und es scheint auch bei der aktuellen Auflage nicht zu glücken, den Fluch zu besiegen.

          Erfolg ist besonders dann schnell vergänglich, wenn er als Normalzustand empfunden wird. Diese schmerzhafte Lehre haben die deutschen Skispringer hinter sich. Die Nachfolger, die unmittelbar auf die einstigen Ausnahmetalente Hannawald und Martin Schmitt folgten, kamen nicht in den Genuss einer bestmöglichen Förderung, weil sich der Verband zu lange auf den verwelkten Lorbeeren der Schanzen-Stars ausruhte. Erst seitdem der DSV die Zeichen der Zeit erkannte und sich zu einem radikalen Neubeginn durchrang, sind seine Skispringer wieder konkurrenzfähig. Die Verpflichtung von Werner Schuster als Bundestrainer war ein Glücksfall. Mit systematischer Entwicklungsarbeit hat der akribisch arbeitende Österreicher mit den Luft-Akrobaten einen Weg eingeschlagen, der so strategisch und planmäßig angelegt ist, dass er nachhaltigen Fortschritt verspricht.

          So haben die Deutschen zuletzt die Szene mit geprägt: Team-Gold bei Olympia, Titel im Skifliegen und Skispringen sowie die Krone des Gesamtweltcupsiegers für Freund. Solange der Tournee-Sieg, als i-Tüpfelchen auf Freunds Karrierebilanz noch fehlt, wird es dem Team-Leader am nötigen Ehrgeiz nicht mangeln, mit der er momentan seine Kollegen zu beflügeln versteht. In den vergangenen Tagen sprangen mit David Siegel und Pius Paschke zwei Talente aus seinem Schatten ins Rampenlicht und veranschaulichten die neue Tiefe des Kaders.

          Blick voraus: Severin Freund kann zuversichtlich sein, muss aber wohl mindestens ein weiteres Jahr auf den Tourneesieg warten

          Für den großen Glanzmoment kommen die Deutschen bei dieser Tournee vermutlich nicht mehr in Frage. Anders als früher kann Freund aber die Rolle des überzeugenden Konkurrenten, der dem Klassenbesten alles abverlangt, bis zum Ende mit Bravour spielen. Die Hoffnung aufs Meisterstück lässt sich am Mittwoch nur realisieren, wenn er zu einem überragenden Finish ansetzt und sein Hauptgegner sich (nervliche) Schwächen erlaubt. Dafür gibt es gegenwärtig nicht den Hauch eines Anzeichens. Der Traum scheint aus - ein Trauma ist das Abschneiden ganz und gar nicht.

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