https://www.faz.net/-gtl-8p29e

Finale der Vierschanzentournee : Das Duell der Besten beim Showdown

  • -Aktualisiert am

Nur fliegen ist schöner: Kamil Stoch auf dem Weg zum Gesamtsieg. Bild: Epa

Der Pole Kamil Stoch und der Norweger Daniel Andre Tande kämpfen in Bischofshofen um den Sieg bei der Vierschanzentournee. Dabei hat jeder von ihnen sein ganz eigenes Erfolgsrezept.

          3 Min.

          Sich treu zu bleiben und sich im Fall schneller Erfolge nicht zu verändern, hat sich auch Daniel Andre Tande vorgenommen. Und so betonte der Norweger, der nach seinen Siegen bei den Springen in Innsbruck und Garmisch-Partenkirchen nun die Gesamtwertung der Vierschanzentournee anführt, dass er an einer besonderen Angewohnheit auf jeden Fall festhalten werde. „Ich bin ein richtig schlechter Sänger“, sagte Tande. „Meine Teamkollegen sind davon vielleicht etwas genervt. Aber ich werde weiter bei der Musik mitsingen, die ich auf meinen Kopfhörern höre.“

          Da sich Tandes musikalische Vorlieben in der erstaunlichen Spanne von Metallica bis Andrea Bocelli bewegen, werden die anderen norwegischen Skispringer seine Gesangseinlagen tatsächlich noch eine Weile über sich ergehen lassen müssen. Schließlich kann Tande sich beim Musikhören am besten entspannen. Und da es in der entscheidenden Phase der Tournee auch vor allem darum geht, ausgeruht in das vierte und letzte Springen an diesem Freitag in Bischofshofen (16.45 Uhr / Live im ZDF, bei Eurosport1 und im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET) zu gehen, werden Tandes Teamkollegen den Teufel tun und ihn vom schiefen Trällern abhalten.

          Denn den Gesamtsieg bei der 65. Vierschanzentournee hat der 22-Jährige noch nicht sicher. Kamil Stoch kann ihm den Triumph noch streitig machen. Nur 1,7 Punkte liegt der Pole hinter Tande. Und so ist die Tournee bei ihrem Finale zu einem Duell geworden. Aus dem Kreis der Mitfavoriten sind manche Kandidaten wie der Slowene Domen Prevc und Severin Freund schon früh herausgefallen, zuletzt in Innsbruck dann auch der Österreicher Stefan Kraft. Übrig geblieben sind Tande und Stoch, die derzeit beiden besten Skispringer der Welt. Und es wird ein enger Zweikampf. Auch Stoch ist in einer grandiosen Form.

          In Innsbruck wurde der 29-Jährige Vierter, obwohl er im Probedurchgang gestürzt war und seinen linken Arm gar nicht mehr bewegen konnte. Noch am Mittwochabend ließ sich Stoch im Krankenhaus untersuchen und gab danach Entwarnung. Seine Schulter sei, abgesehen von einem kleinen Hämatom, okay, schrieb er auf seiner Facebookseite. Natürlich wolle er beim Wettkampf in Bischofshofen antreten. „Ich weiß genau, wofür ich kämpfe und was jetzt passieren muss“, sagt Stoch.

          Große Zuversicht verbreitet das gesamte polnische Team. Adam Malysz, der ehemalige Superstar der Polen und nun Sportdirektor der Skispringer, sieht Stoch im Duell mit Tande im Vorteil: „Eine seiner großen Stärken ist die perfekte Landung, die er setzen kann. Das bringt ihm immer extra hohe Punkte von der Jury.“ Der 39-Jährige, der noch immer seinen charakteristischen Schnauzbart trägt, betont außerdem: „Er hat schon so viel erreicht und weiß, wie er mit dieser Situation umgehen muss. Kamil ist deutlich stabiler.“

          Den Faktor Erfahrung schätzt auch Bundestrainer Werner Schuster in diesem Tournee-Zweikampf hoch ein. „Stoch weiß einfach, wie man die großen Dinger gewinnt“, sagt der Österreicher. „Außerdem hat er extrem viel Kraft und Energie daraus gezogen, dass er aus seinem Tief wieder herausgekommen ist.“ Stoch, der 2014 Doppel-Olympiasieger wurde und dann noch den Gesamtweltcup gewann, kam in den zwei Jahren danach nicht mehr auf sein hohes Leistungsniveau. Im vergangenen Winter landete er bei der Tournee lediglich auf Platz 23.

          Kann der Pole nach dem vierten Springen auch jubeln?

          Doch mit dem neuen Nationaltrainer der Polen, Stefan Horngacher, kehrte bei ihm auch das Selbstvertrauen zurück. „Ich glaube wieder an mich und daran, dass ich einer der Besten sein kann. Das ist das ganze Geheimnis“, sagt Stoch und zeigt danach sein Dauerlächeln. Zusätzlichen Druck vor dem letzten Springen verspüre er gar nicht. „Ich kann damit umgehen. Ich habe einen Weg für mich gefunden, die Erwartungen von mir fernzuhalten und gut abzuschalten.“

          Das Abschalten hat jedoch auch Tande perfektioniert - nicht nur beim Musikhören. Als er am Mittwochabend in Innsbruck darauf wartete, dass die Pressekonferenz der besten drei Springer beginnt, legte er sich einfach auf den Boden. Tande streckte sich in voller Länge aus, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ruhte ein paar Minuten, bis er dann endlich auf das Podest gehen konnte. „Skisprung-Wettbewerbe sind sehr anstrengend“, sagte er danach. „Es fühlt sich an, als wäre man mehrere Stunden gelaufen. Da muss man jede Gelegenheit nutzen, um sich auszuruhen.“

          Oder holt Daniel Andre Tande den Titel bei der Tournee?

          Diese Lockerheit beeindruckt auch Tandes Nationaltrainer Alexander Stöckl. „Er schaut sich die Dinge bewusst an und versucht, aus allen Bereichen viel mitzunehmen“, sagt er. So glaubt Tande etwa, dass ihm auch eine Balletttänzerin etwas für das Skispringen beibringen kann. „Bei der Balance und der Koordination kann ich da sicher etwas lernen.“

          Weil Tande aber generell ein überragender Flieger ist, rechnet er sich in Bischofshofen einiges aus. Die Paul-Außerleitner-Schanze kommt diesen Fähigkeiten sehr entgegen. „Das ist die einzige der Tournee-Schanzen, auf der ich schon vorher gut war“, sagt Tande. Bundestrainer Schuster glaubt: „Tande hat dort einen Geschwindigkeitsvorteil.“ Allerdings liegt Bischofshofen auch Stoch besonders. „Ich werde meine Chance auf jeden Fall nutzen“, sagt der Pole. Es dürfte also ein Duell bis zum letzten Sprung werden.

          Der Norweger führt derzeit mit minimalem Vorsprung.

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.