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Veronique Hronek : Wie die junge Martina Ertl

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Mutig, technisch stark und selbstbewusst: Veronique Hronek liebt die Hochgeschwindigkeit

Mutig, technisch stark und selbstbewusst: Veronique Hronek liebt die Hochgeschwindigkeit Bild: AFP

Teamkollegin Maria Höfl-Riesch attestiert ihr den nötigen „Killerinstinkt“: Die 20 Jahre junge Veronique Hronek gehört zu den deutschen Hoffnungen in den Speed-Disziplinen.

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          Veronique Hronek weiß, was sie kann. „Ich bin relativ mutig und stehe technisch ganz gut über dem Ski“, sagt die junge Skirennläuferin aus Unterwössen im Chiemgau, die gerade einmal elf Einsätze im alpinen Weltcup hinter sich hat. Diese sehr selbstbewusste Einschätzung der eigenen Fähigkeiten findet nicht einmal der sonst eher kritische Sportdirektor Wolfgang Maier überzogen. Hronek, sagt er, „fährt immer am Limit und hat sich eine relativ solide Basis erarbeitet.“ Auch Maria Höfl-Riesch hält viel von der jungen Teamkollegin. Sie attestiert Hronek jenen „Killerinstinkt“, der nötig sei, um sich ganz vorne in Weltelite zu etablieren. So etwas könne man sich nur bis zu einem gewissen Grad antrainieren, sagt die Doppel-Olympiasiegerin, die nach auskurierter Grippe an diesem Wochenende in Cortina d’Ampezzo in den Weltcup zurückkehrt.

          Die 20 Jahre alte Oberbayerin tauchte am vergangenen Wochenende in Bad Kleinkirchheim überraschend in der Weltspitze auf. Mit hoher Startnummer war sie zunächst in der Abfahrt auf einen respektablen 17. Rang gefahren, einen Tagen später im Super-G wurde sie Sechste. Sie ließ dabei sowohl die Weltmeisterin Elisabeth Görgl als auch Lindsey Vonn, im Weltcup seit ein paar Jahren die dominierende Skirennläuferin, hinter sich. Danach gönnte sie sich ein Gläschen Sekt, aber an eine Wiederholung des Erfolgs bei den Weltcuprennen in Cortina d’Ampezzo, wo ebenfalls Abfahrt und Super-G ausgetragen werden, glauben weder die Trainer noch die Athletin selbst. In Bad Kleinkirchheim hatte der Frauen-Weltcup das letzte Mal vor sechs Jahren Station gemacht, die meisten der aktuellen Skirennläuferinnen kannten deshalb die Piste nicht - im Gegensatz zu der „Olympia delle Tofana“ in Cortina. Da wiegt für Hronek wieder der Nachteil, beinahe jede Strecke zum ersten Mal zu befahren. Außerdem muss sie im Olympia-Ort von 1956 in einigen Abschnitten das machen, was sie noch am wenigsten kann: Gleiten.

          Sucht nach Nervenkitzel

          Maier erinnert Veronique Hronek an die junge Martina Ertl. Die beiden ähneln sich sowohl in Körperstatur und Fahrstil als auch in ihrer Risikobereitschaft. Die Kombinationsweltmeisterin von 2003 und frühere Weltcupsiegerin im Riesenslalom hätte es womöglich auch in der Abfahrt auf das Siegerpodest geschafft, wäre es ihr gelungen, eine gute Gleiterin zu werden. Damals hatten die Trainer bei Martina Ertl wohl nicht die Notwendigkeit gesehen, dieses Defizit zu beheben. Es gab ja genügend andere gute Abfahrerinnen in der Mannschaft. Das hat sich längst geändert. Seit ein paar Jahren gibt Maria Höfl-Riesch in den beiden schnellen Disziplinen meist eine Solovorstellung in der Weltelite. Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit sind dafür verantwortlich, aber noch mehr bremsten die vielen Verletzungen den Aufbau einer Abfahrtsgruppe. Vor dieser Saison zog sich Gina Stechert, immerhin der erweiterten Weltelite zugehörig, einen Kreuzbandriss zu - den zweiten innerhalb von gut zwei Jahren und den insgesamt dritten ihrer Karriere. Susanne Riesch hatte es beim Abfahrtstraining im September noch schlimmer erwischt, zum Kreuzbandriss kam noch ein Bruch des Schienbeinkopfes, und die Dritte, die das Team hinter Höfl-Riesch bilden sollte, Isabelle Stiepel, fällt wegen anhaltender Knie-und Schienbeinbeschwerden aus. Wegen der Angst sich zu verletzen, konzentrierten sich in den vergangenen Jahren viele Talente auf die technischen Disziplinen.

          Veronique Hronek weiß, was sie kann. Bisher blieb sie von schweren Blessuren verschont
          Veronique Hronek weiß, was sie kann. Bisher blieb sie von schweren Blessuren verschont : Bild: REUTERS

          Nicht Veronique Hronek. Sie blieb bisher von schweren Blessuren verschont und fährt wohl auch ziemlich unbekümmert. Zwar wurde die Polizeimeisteranwärterin als Riesenslalomfahrerin ausgebildet, beendete die vergangene Europacup-Saison als Zweite in dieser Disziplin, aber sie habe sich schon früh auch sehr wohl gefühlt in Abfahrt und Super-G, erzählt sie. Die Basis für ihre Risikobereitschaft wurde allerdings nicht erst in den Kadern des Deutschen Skiverbandes gelegt. Hronek gehörte einst dem Privatteam von Armin Bittner an. Der frühere Weltklasse-Slalomfahrer förderte zu Beginn dieses Jahrtausends außerhalb der traditionellen Vereins- und Verbandsstrukturen in Inzell Talente. Damals gingen Trainerin Maria Beil und Bittner mit den Kindern unter anderem auf Sprungschanzen. „Das war vielleicht der Knackpunkt“, sagt Hronek heute. In Berchtesgaden sprang sie als Zwölfjährige von der 90-Meter-Schanze. Eine Mutprobe, die natürlich auch zum Trainingsrepertoire im DSV gehört, allerdings erst, wenn die Athleten etwas älter sind.

          Mittlerweile sind Geschwindigkeitsrausch und Nervenkitzel fast schon zur Sucht geworden. Gemeinsam mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Tim hat sie sich eine Motocross-Maschine gekauft. Damit rast sie gerne über einen Parcours in der Nähe ihres Wohnortes. Veronique Hronek weiß eben, was sie kann. Nicht nur auf der Skipiste.

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