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Skistar in Kitzbühel : „Bomber“ Bode bastelt an seinem Comeback

  • -Aktualisiert am

Er ist wieder da, zumindest vor den Mikrofonen: Bode Miller in Kitzbühel. Bild: EPA

Skirennfahrer Bode Miller kehrt zurück. Also vielleicht. Nächste Saison. Auf jeden Fall könnte er wieder Abfahrten gewinnen. Er hat das beste Material, stellt die Skier selbst her. Und fahren kann er sowieso wie kein Zweiter.

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          Wer kennt das nicht im Winter? Der Matsch, der Schnee, die dreckigen Schuhe. Die Pfützen, die sie überall hinterlassen. Da bitten die Hausbesitzer schon mal auf Strümpfen in die gute Stube. Der kostbare Holzboden soll ja nicht leiden. Also werden die schweren Schneeschuhe im Foyer ausgezogen, so auch am Freitagabend im Eagles Nest, dem schicken Chalet, in das Skirennfahrer Bode Miller in Kitzbühel geladen hatte. Und so sitzen da 30, 40 Journalisten, fünf Kamerateams – und präsentieren ein buntes Sortiment an Skisocken. Alle Farben, alle Größen, keine Löcher. Immerhin. Ganz angenehm ist das auch nicht, abends um sechs Uhr, wenn man den ganzen Tag schon auf den Beinen war, also in den Winterstiefeln. Doch wenn Bode Miller ruft, folgt man eben. Und wartet erst mal.

          Eine Viertelstunde nach der anvisierten Zeit heißt es: „Noch zehn Minuten“. Als diese abgelaufen sind, wird er „jeden Moment erwartet“, und als die Luft schon bedrohlich stickig wird, erscheint der ewig jugendliche amerikanische Ski-Held tatsächlich. Mittlerweile ist er 39 Jahre alt, aber immer noch in Topform. Mit Baseballmütze und schelmischem Lächeln überm Dreitagebart. Und in Turnschuhen, natürlich.  Schuld an der Verspätung war die Lufthansa, mit der der amerikanische Skistar rechtzeitig zum Hahnenkammrennen an diesem Samstag (11.30 Uhr / Live im ZDF und bei Eurosport1) von Kalifornien eingeflogen ist, so viel Aufklärung muss sein, und dann beginnt der große Charismatiker des alpinen Skirennsports mit seiner Rede. Spricht eine Dreiviertelstunde über seine Liebe zum Skilaufen, über den einzig wahren Ski einer kleinen italienischen Haus-Marke, die er per Zufall entdeckt hat und nun praktisch selbst baut. Miller gibt wortreich Antworten, und lässt doch viele Frage offen.

          Kurz gefasst könnte er sich vorstellen, im kommenden Winter wieder Skirennen zu fahren. Allerdings nur Abfahrt. Und vielleicht Super-G. Den Stress mit den zweiten Durchgängen in den Technik-Disziplinen will er sich dagegen auf keinen Fall mehr antun. Und genau genommen hängt es aus noch „von einer Million anderer Dinge“ ab. Das Leben mit fast 40 ist eben nicht mehr so einfach wie mit 20. Immerhin hat er vier Kinder, das jüngste kam im November zur Welt. Und eine Frau, „sie ist der Chef“, sie habe ihn auch ziemlich komisch angeguckt, als er seine Pläne offenbarte. „Sie hat es nicht geglaubt.“

          Stilecht hält der amerikanische Skistar Hof in Österreich.

          Andererseits ist ihm alles zuzutrauen. Bode Miller ist eines der seltenen Exemplare von Skirennläufern, die in allen fünf alpinen Disziplinen Weltcup-Rennen gewonnen haben. Es gibt genau fünf, denen das in den vergangenen 50 Jahren gelungen ist. Und er ist auch noch der einzige, dem dies in jeder Sparte mindestens fünfmal gelang. Zudem war er vier Mal Weltmeister, gewann zweimal den Gesamtweltcup und sammelte ein halbes Dutzend Olympiamedaillen, eine davon in Gold.

          Warum er es als Olympiasieger und Meister aller Klassen noch einmal wissen will? Weil er Skifahren über alles liebt und weil er endlich den richtigen Ski gefunden hat. Nicht Massenware, wie der ganze Kaufhauskram, den die anderen Marken unters Volk werfen, Hauptsache billig. Sondern handgemacht, mit Liebe zum Detail und nur in höchster Qualität. „Bomber“ heißt das Wunder, ein Start-Up aus Italien mit gerade mal zehn Mitarbeitern. Miller ist nun Teilhaber, Chef, Star, Inspirator und einziger potentieller Rennfahrer der Marke. Jeder einzelne Bomber-Ski sei ein handwerkliches Kunstwerk, sagt Chefvermarkter Miller. Die Inspiration, die ihm das Fahrgefühl auf diesen Brettern gegeben habe, sei einzigartig. Die erste Revolution seit Mitte der 90er Jahre, als die Carving-Skier auf den Markt kamen.

          Wann Miller wieder auf der Piste zu sehen ist, ist ungewiss.

          „Bomber“ Bode könnte sich vorstellen, mit seiner Hausmarke sogar noch mal den Abfahrts-Weltcup anzugreifen. Den hat er noch nie gewonnen, der würde ihm noch mal was bedeuten. Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Schließlich endete sein bislang letztes großes Rennen bei der WM 2015 mit einem aufgeschlitzen Bein und einer durchtrennten Sehne. Sowieso darf er frühestens kommenden Winter wieder an Weltcuprennen mitwirken. Dann wird er 40 sein. Derzeit läuft noch eine Startsperre, die sein einstiger Ausrüster Head ihm auferlegt hat. Die Parteien haben sich, gelinde gesagt, im Streit getrennt. Vor einer rechtlichen Auseinandersetzung scheute Miller zurück, dafür fehlen ihm dann doch die Mittel, sich mit einem Player wie Head anzulegen. Obwohl er sich im Recht fühlt.

          Und noch eins ist ihm wichtig: Sollte es mit seinem Comeback eben doch nicht klappen, wird er auf keinen Fall seinen Rücktritt erklären. „Ich werde dann einfach nicht mehr kommen.“ Wer ihn vermissen sollte, könne ihm einen Brief schreiben. Den werde er dann mit „Ja“ beantworten. Sagt es und verabschiedet seine Zuhörer ins Kitzbüheler Wochenende: „Have fun tomorrow, have fun tonight“. Habt Spaß. Und nehmt eure Schuhe mit.

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