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Sanktionierte Eishockey-Macht : Russlands eisige Allianz mit islamischen Ländern

Sollen als Vorbilder für islamische Eishockey-Team dienen: Spieler vom zweimaligen russischen Meister Ak Bars. Bild: picture alliance/dpa/TASS

Die Sanktionen wegen des Ukrainekriegs haben Russland als Eishockey-Nation isoliert. Die Suche nach Schlupflöchern macht erfinderisch. Der Fokus auf islamische Länder hat nicht nur sportliche Gründe.

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          Die Sanktionen infolge des brutalen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben Russland als Eishockey-Nation weltweit weitgehend isoliert. Dort will man nun den verlorenen Einfluss auf der internationalen Bühne zumindest teilweise zurückgewinnen – und zwar mithilfe der neu gegründeten sogenannten „Vereinigung zur Förderung von Hockey in islamischen Ländern“. Dabei geht es nicht nur um sportliche Ziele.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          So haben sich russischen Medien zufolge die Eishockey-Verbände von insgesamt 13 muslimischen Ländern der Organisation angeschlossen. Eines der Ziele soll demnach sein, beispielsweise mit gemeinsamen Turnieren die Beziehungen zwischen Russland und islamischen Ländern zu stärken. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Kasachstan und die Türkei, die immerhin im Ranking der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) aktuell die Plätze 16 und 39 belegen.

          Qualitativ außerhalb dieser Wertung, aber dennoch Teil der Allianz sind auch Oman, Bahrain und Saudi-Arabien. Mächtige Ölnationen, die trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine und weltweiter Sanktionen die für den Kreml enorm wichtigen wirtschaftlichen Verbindungen aufrechterhalten. Als Ersatz für verlorene sportliche Widersacher aus dem Westen dürften diese Länder Russland aber wenig dienlich sein.

          Hauptquartier in Russland

          „Sie alle wissen, dass Hockey in diesen Ländern in der Anfangsphase der Entwicklung ist und es zehn Jahre dauert“, sagte Anwar Omorkanow, Vizepräsident der Vereinigung zur Förderung von Hockey in islamischen Ländern in Tatarstan. Die autonome russische Republik ist dabei nicht nur eines der Gründungsmitglieder. In deren Hauptstadt Kasan soll sich künftig auch das Hauptquartier befinden. „Wir können viel von dem Klub Ak Bars und Teams aus Tatarstan lernen, wo es eine große Geschichte der Entwicklung des Hockeys gibt“, sagte Omorkanow.

          Ak Bars, zuletzt 2006 russischer Meister und 2008 IIHF-Continental-Sieger, befindet sich im Besitz des russischen Ölunternehmens Tatneft. Teile des Konzerns stehen auf der Sanktionsliste der Europäischen Union seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Tatnefts Vorstandsvorsitzender Nail Maganow, der sowohl Präsident von Ak Bars als auch des Eishockeyverbandes von Tatarstan ist, wurde dennoch zum ersten Präsidenten der Vereinigung gewählt.

          Wie das Branchenportal „Inside the Games“ berichtete, lehnt die IIHF eine Anerkennung der neu gegründeten Sportorganisation unter russischer Führung ab. Maganow wurde laut dem amerikanischen Finanzministerium zudem als kremlnah eingestuft – obwohl dessen Bruder, der Oligarch und Putin-Kritiker Rawil Maganow, unter dubiosen Umständen bei einem Fenstersturz im vergangenen Jahr starb.

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