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Biathlet Fourcade hört auf : Die Maschine

Letztes Rennen, letzter Sieg: Martin Fourcade tritt als König der Skijäger ab. Bild: AFP

An Martin Fourcade hat sich die Biathlon-Konkurrenz jahrelang die Zähne ausgebissen. Seine herausragende Stellung hat er stets auch dazu genutzt, um Missstände anzuprangern. Jetzt macht der Franzose Schluss.

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          Zu guter Letzt krachte Martin Fourcade noch einmal ziemlich unsanft auf den Rücken. Das hatte der 31 Jahre alte Biathlet dem Enthusiasmus seiner Teamkollegen zu verdanken, die ihren Maître nach dem letztem Sieg seiner Karriere so vehement in die eisige finnische Luft schleuderten, dass er abseits der fangbereiten Arme landete. „Ich wusste, dass die das nicht können, aber ist ja nichts passiert“, sagte der Franzose schmunzelnd, nachdem alles vorbei war.

          Martin Fourcade sagt Adieu. Ein Abschied wie dieser hätte normalerweise einen würdigeren Rahmen verdient gehabt. Kein Zuschauer im verwaisten Biathlonzentrum von Kontiolahti, keine Stimmung, manche Teams schon auf dem Weg nach Hause. Es mutete andererseits aber auch merkwürdig an, dass die Biathleten in Nordkarelien immer noch ihre Kreise ziehen, während fast der gesamte Sport wegen des Coronavirus längst zum Erliegen gekommen ist. Aber vermutlich wäre Fourcade in diesen unsicheren Zeiten auch lieber schon zu Hause bei seiner Frau Helene und den beiden Töchtern gewesen.

          Horrorsaison war ein Ausrutscher

          Schon bei der WM in Antholz hatte es Gerüchte über einen Rücktritt gegeben. Zumal Martin Fourcade dort neben dem Sieg im Einzel, seiner Spezialdisziplin, auch noch die letzte Lücke in seiner eindrucksvollen sportlichen Vita geschlossen hat: Gold mit der Staffel. Darauf hat er zehn Jahre gewartet. Das war der letzte Fingerzeig: „Time to say good-bye.“ Er hat der Biathlon-Welt noch einmal bewiesen, dass die Horrorsaison 2018/19 ein Ausrutscher war, dass er immer noch auf höchsten Niveau konkurrenzfähig ist.

          Er weiß aber auch, dass die biologische Uhr tickt, dass Johannes Thingnes Bö, der ihm den Gesamt-Weltcup trotz Babypause noch um zwei Punkte entrissen hat, fünf Jahre jünger ist und ihm längst den Rang abgelaufen hat. Und so endet die Reise eines Biathleten, der einst aus einem kleinen Ort in den Pyrenäen ausgezogen ist, um seinem älteren Bruder Simon nachzueifern, und der dann die Biathlonwelt aus den Angeln hob, an dem Ort, an dem er 2010 seine Siegesserie begonnen hatte: in Kontiolahti. Dazwischen liegen fünf olympische Goldmedaillen, 13 WM-Titel, 79 Weltcupsiege und – ein Rekord – sieben Gesamt-Weltcuperfolge in Folge. Nur Ole Einar Björndalen hat eine noch größere Sammlung zu bieten.

          Meinungsstark, auch vor der Kamera

          Was Fourcade dem Norweger allerdings voraus hat, sind seine entschiedenen, meinungsstarken Auftritte vor der Kamera. Der Franzose hat seine herausragende Stellung auch stets dazu genutzt, um Missstände anzuprangern – und sei es die im eigenen Verband. Fourcade war jahrelang das Sprachrohr der Anti-Doping-Front im Athletenlager, ein Anhänger der Nulltoleranz-Politik, die er auch als Athletensprecher sehr emotional verteidigte. Da bleibt vor allem sein angespanntes Verhältnis zum 2015 des Epo-Dopings überführten Russen Alexander Loginow in Erinnerung, das bei der WM 2017 in Hochfilzen zu einem Eklat geführt hatte und bis zuletzt belastet blieb. „Er war ein starker Verfechter des sauberen Sports“, sagte Weltverbands-Präsident Olle Dahlin.

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