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Tournee-Legende Hannawald : „Stoch ist ein außergewöhnlicher Sportler. Und er hat es verdient“

„Nicht jeder kommt mit der Situation“: Sven Hannawald über die Vierschanzentournee Bild: dpa

Sven Hannawald war der erste Skispringer, der alle vier Wettbewerbe einer Vierschanzentournee gewonnen hat. Im Interview spricht er über Nachfolger Kamil Stoch, die neue Begeisterung für das Skispringen und seine Ratschläge an Führungskräfte.

          Alle vier Springen bei der Vierschanzentournee zu gewinnen, diese Kunststück ist nun auch Kamil Stoch geglückt – 16 Jahre nach Ihrem Grand Slam. Wie bewerten Sie seinen Erfolg?

          In der Vergangenheit hatte ich schon öfters gedacht, dass mir jemand nachfolgen würde. Da habe ich mich stets geirrt. Jetzt gehörte ich selbstverständlich noch in Bischofshofen zu den Ersten, die Kamil am Samstag gratuliert haben. Er ist ein außergewöhnlicher Sportler. Und er hat es verdient.

          Was ist der entscheidende Faktor, um bei der Tournee zu triumphieren?

          Bei mir war es so, als ob mit jedem Sieg die Wand vor mir noch einen Tick höher geworden wäre. Das Gefühl war nicht so vergnüglich, und ich wollte es schnell loswerden. So bin ich mit Entschlossenheit ran an die Sache. Grundsätzlich gibt es in meinen Augen keine Geheimnisse: Die Tournee muss man Schritt für Schritt in Angriff nehmen, alles andere hat keinen Sinn, weil doch vieles anders kommt, als man es sich vorgestellt hat. Nicht jeder kommt mit der Situation klar und hat deswegen einen Wackler drin, der alles auf einen Schlag zunichtemachen kann.

          Welche Relevanz hat ein Tournee-Sieg?

          Für mich hat er einen enormen Stellenwert. Es gibt glückliche Olympia-Sieger, weil es überraschend klappen kann, an einem Tag unter günstigen Umständen der Beste von allen zu werden. Aber es gibt keinen glücklichen Tournee-Sieger. Wer am Schluss in Bischofshofen den Goldenen Adler in Empfang nehmen darf, hat sich über zehn Tage durchgebissen und eine Leistung gezeigt, die wirklich herausragend ist.

          Ihr Fazit dieser Tournee?

          Sie hat mir sehr gut gefallen. Das Interesse war so hoch wie lange nicht mehr. Durch die vielen deutschen Topplazierungen in den Wochen zuvor sind gerade in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen die Zuschauer in Massen geströmt. Das ist positiv für die Sportart, die mir einfach am Herzen liegt. Mittlerweile bin ich froh, dass ich als Kommentator für Eurosport dabei bin. Früher war der Deutsche Skiverband eine Art Zweitfamilie für mich, jetzt sind es meine Kollegen beim Fernsehen. Wir haben eine tolle Truppe zusammen, es ist ein großer Spaß, wieder etwas gemeinsam mit Martin Schmitt zu machen. Wir sind offen für Ideen und gehen innovativ an unsere Aufgabe heran. Mir gefällt die Kreativität in diesem Job und dass man manches, was einem von früher vertraut ist, heute aus einer anderen Perspektive erlebt.

          Richard Freitag hat nach seinem Sturz in Innsbruck auf das letzte Springen in Bischofshofen verzichtet. Wie beurteilen Sie seinen Ausstieg?

          Mit einer Verletzung, bei der man merkt, dass der Körper oder der Bewegungsapparat nicht ganz frei ist, wäre die Gefahr groß, dass man seinen gewohnten, erfolgreichen Sprungablauf durcheinanderbringt und so Schwierigkeiten hat, den Ablauf neu zu lernen. Besonders im Hinblick auf die Skiflug-WM und Olympia ist es ein zu hohes Risiko. Zwar ist es bitter für Richard, aber es war die richtige Entscheidung, nicht weiter zu springen. Das Wichtigste ist, dass er so schnell wie möglich wieder frei ist von allem und den ganzen Frust, der sich anstaut, abbauen kann.

          Was bedeutet das Abschneiden bei der Tournee für den Saisonverlauf?

          Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Den Erfolg nimmt man natürlich gerne mit: Jeder steht lieber oben als in der Position, dass er aufholen muss. Richard Freitag war vor der Tournee das Maß aller Dinge im Weltcup, und die Konkurrenten, allen voran Kamil Stoch, haben die Situation genutzt, um durch viel Fleiß den Abstand zu verkleinern. Genauso wird es nun auch weitergehen. Als Tournee-Sieger steht man in den Wochen danach im Fokus, während die anderen darauf hinarbeiten, demnächst am Kulm, bei der Skiflug-WM in Oberstdorf oder bei Olympia zu glänzen. Es bleibt spannend, und das ist gut so.

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