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Toni Söderholm : Ein Bundestrainer aus der Oberliga

Mutige Entscheidung: Toni Söderholm, der Nachfolger von Marco Sturm. Bild: dpa

Bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer setzte der Eishockey-Verband nicht auf einen gestandenen Vertreter seiner Zunft, sondern auf eine überraschende Lösung. Der Werdegang von Toni Söderholm ist erstaunlich.

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          Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat sein Auswahlverfahren beendet und ist bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer fündig geworden: Toni Söderholm soll künftig die Nationalmannschaft betreuen. Das bestätigte der DEB am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Der Finne wird die Nachfolge von Marco Sturm antreten, der Anfang November als Assistenzcoach zu den Los Angeles Kings in die NHL wechselte. „Er ist prädestiniert für Weltmeisterschaften, für internationales Eishockey“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl.

          Mit der Wahl Söderholms bleibt Reindl seiner mutigen Personalpolitik treu. Anders als von vielen Beobachtern zunächst erwartet, setzt der Verband abermals nicht auf einen gestandenen Vertreter seiner Zunft, sondern auf eine überraschende Lösung. Söderholm verfügt auf dem Posten hinter der Bande über keine langjährige Erfahrung, doch seine Kritiken bei seinen bisherigen Stationen fielen so vielversprechend aus, dass er von Anfang an zum engeren Kandidatenkreis zählte und sich letztlich gegen den ungleich prominenteren Mitbewerber Uwe Krupp (Sparta Prag) durchsetzte.

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          Anders als Sturm, der 2015 ohne große Vorbereitung den Job übernahm und ihn in der Folgezeit dann so gut machte, dass im Februar mit dem Silbermedaillengewinn bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ein kaum für möglich gehaltener Coup glückte, startet Söderholm nicht als Newcomer. Der gut Deutsch sprechende Skandinavier gehörte bis zuletzt als sogenannter „Entwicklungscoach“ zur Organisation des EHC Red Bull München und sollte dort eigentlich zum Nachfolger von Meistermacher Don Jackson aufgebaut werden. Der ehemalige Profi, der als Verteidiger mit der Auswahl seines Heimatlandes an drei Weltmeisterschaften teilnahm, kümmerte sich dabei vor allem um die Belange des Farmteams SC Riessersee, für das er abgestellt wurde. Mit dem Traditionsverein wurde er in der vergangenen Saison Hauptrunden-Meister und erreichte das Play-off-Finale.

          Parallel zum Tagesgeschäft mit den Bayern übernahm Söderholm, der als Sprachtalent gilt, bislang schon Aufgaben im U-20-Team des DEB, das am Wochenende bei der B-WM in Füssen dank fünf Siegen in fünf Spielen in die erste Klasse aufstieg. In der DEL2 wurde er zudem zum „Trainer des Jahres“ gewählt, ehe sich der Klub im Juli aus wirtschaftlichen Gründen in die drittklassige Oberliga zurückzog. Mehrere Nationalspieler äußerten sich angetan von Söderholm und seiner Eishockey-Philosophie.

          „Ich glaube, Toni Söderholm hat in München schon als Spieler sehr gut funktioniert und als Cheftrainer in Garmisch auch sehr gute Arbeit geleistet“, sagte Marcel Noebels von den Eisbären Berlin, während Torhüter Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG) meinte: „Das wird eine Riesenaufgabe, aber ich denke, er ist ein sehr qualifizierter Mann.“ So gut wie sicher ist ebenfalls die Einbindung von Christian Ehrhoff. Der 36-Jährige, der erst im Frühjahr seine aktive Karriere beendete, soll künftig als Gesicht des deutschen Eishockeys unter anderem repräsentative Aufgaben übernehmen. Neuer U-20-Nationaltrainer wird Sturms bisheriger Assistent bei der A-Auswahl, Tobias Abstreiter. Der 48 Jahre alte aktuelle Ko-Trainer der Düsseldorfer EG wechselt dafür zum 1. Mai zum DEB. Der bisherige U-20-Coach Christian Künast wird neuen Frauen-Bundestrainer.

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