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Tina Maze : Ein Winter voller Wunder

  • -Aktualisiert am

Das Gesicht des Weltcup-Winters: Tina Maze kann in dieser Saison alle Kristallkugeln gewinnen Bild: dpa

Tina Maze beherrscht die Skisaison wie keine Athletin vor ihr, gewinnt Rennen in allen Disziplinen. Lächeln und fordern - die Slowenin ist ein Star mit zwei Gesichtern.

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          Anna Fenninger war baff. Nicht so sehr, weil sie gerade den Weltcup-Riesenslalom in Ofterschwang gewonnen hatte. Sondern, weil hinter ihr und vor der drittplazierten Viktoria Rebensburg schon wieder Tina Maze auf dem Podium stand. Zum 21. Mal in dieser Saison. „Unglaublich“, sagte die 23 Jahre alte Österreicherin, „ich hätte mir nie vorstellen können, dass es möglich ist, so oft auf dem Podest zu stehen.“ Allein schon wegen der kraftraubenden Vielstarterei in allen Disziplinen. „Aber das geht bei ihr ja schon viele Jahre so“, sagte Anna Fenninger. „Sie erntet das, wofür sie ihr Leben lang gekämpft und gearbeitet hat.“

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die 29 Jahre alte Tina Maze ist die derzeit beste Skirennläuferin der Welt. Es ist ein Winter voller Wunder, den sie erlebt: Seit Wochen steht sie als Siegerin des Gesamtweltcups fest, sie hat in dieser Saison in allen Disziplinen gewonnen, als dritte Fahrerin in der Geschichte des Ski-Weltcups, und sie hat dabei schon jetzt mehr Punkte gesammelt als je ein Athlet zuvor in einer Saison.

          Tina Maze ist das Gesicht dieses Weltcup-Winters, und es ist ein zumeist strahlendes Gesicht. Sie beherrscht das Spiel mit den Medien, sie weiß sich zu vermarkten. In den Tagen der Ski-WM in Schladming trat Tina Maze schon mal in kurzen Lederhosen zur Bühnenshow an, und selbst den medialen Ausnahmezustand bei der WM bewältigte sie mit unerschütterlich freundlichem Lächeln.

          In Schladming filmte der ORF praktisch jede Minute mit, und als erste WM-Siegerin bekam Tina Maze die Verfolgungswut besonders zu spüren: Die Kamera folgte ihr, bis sie spätabends nach der Siegerehrung ins Auto gestiegen war und das erste Brötchen seit dem Morgen in die Finger bekam. Sie biss rein, lächelte, winkte freundlich und fuhr davon.

          Vielseitig: Tina singt ihre eigene WM-Hymne „My Way is my Decision“
          Vielseitig: Tina singt ihre eigene WM-Hymne „My Way is my Decision“ : Bild: dpa

          Das ist das eine Gesicht der Tina Maze. Das andere blitzt öffentlich meist nur kurz auf. Es spiegelt eher die vielen Geschichten, die in 14 Jahren Weltcup über sie zusammengekommen sind, Geschichten einer Ski-Diva. Viele, die mit ihr zu tun hatten, beschreiben sie als anstrengend, eigenwillig, launenhaft, als streitbaren Dickkopf, als komplizierten und kapriziösen Menschen.

          Ehrgeizig und perfektionistisch

          Tina Maze ist extrem ehrgeizig und perfektionistisch, sie weiß genau, was sie will, und sie hält damit nicht hinterm Berg. Läuft es nicht nach ihren Vorstellungen, beim Material etwa, lässt sie das ihre Umwelt wissen. Deutlich wissen. Die fordernde, zuweilen überfordernde Art ist nicht jedermanns Sache. In den vergangenen zwei Jahren verschliss Tina Maze drei Serviceleute, nun hat sie den Italiener Andrea Vianello zur Seite, der früher schon für Superstar Alberto Tomba die Ski präparierte.

          Eine Künstlerin: Nach jedem Erfolg zeigt sie ihr berühmtes Schnee-Rad
          Eine Künstlerin: Nach jedem Erfolg zeigt sie ihr berühmtes Schnee-Rad : Bild: AFP

          Einmal, vor gut einem Jahr, traten die beiden Gesichter der Tina Maze auf selten offene Weise zutage. Damals hatte der Internationale Skiverband nach ihrem zweiten Platz in Bad Kleinkirchheim ihre Skiunterwäsche als zu wenig luftdurchlässig beanstandet. Nach einer Überprüfung der Unterwäsche erging die Anordnung, künftig auf solche Modelle zu verzichten. Eine Woche später, beim Super-G in Cortina d’Ampezzo, folgte Mazes Antwort: Als Führende im Ziel, präsentierte sie den Fernsehkameras ihren Sport-BH, auf dem in großen Buchstaben stand: NOT YOUR BUSINESS. In die Mitte hatte sie noch ein kleines Herzchen gemalt. Und Tina Maze lächelte dazu.

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