https://www.faz.net/-gtl-a45nt

Eishockey-Draft : Stützle in der NHL auf Draisaitls Spuren

  • Aktualisiert am

Tim Stützle startet seine NHL-Karriere bei den Ottawa Senators. Bild: AP

An dritter Stelle beim NHL-Draft ausgewählt zu werden hat vor Tim Stützle nur Leon Draisaitl geschafft – und der ist nun der wertvollste Spieler der besten Eishockey-Liga. Das will Stützle auch schaffen. Nun hat er erst einmal ein anderes Ziel.

          2 Min.

          Als er beim NHL-Draft so früh ausgewählt worden war wie einst Eishockey-Topstar Leon Draisaitl, war für Tim Stützle an Schlaf erst einmal nicht zu denken. Schon an dritter Stelle entschieden sich die Ottawa Senators für den jungen deutschen Stürmer. Stützle hält damit gemeinsam mit Draisaitl den Bestwert bei den Männern für die früheste Auswahl eines deutschen Sportlers in einer der nordamerikanischen Profiligen.

          „Natürlich ist es eine große Ehre für mich. Was Leon letztes Jahr in der NHL gemacht hat, ist etwas Außergewöhnliches. Deswegen muss ich sagen, dass es für mich ein zusätzlicher Ansporn ist“, sagte der 18-Jährige, als er am Mittwochmittag zum wiederholten Male zur für ihn aufregenden Nacht Rede und Antwort stand.

          Der NHL-Draft war für ihn einige Minuten lang spannend wie eine Quizshow gewesen – bis Moderator Alex Trebek der legendären Sendung „Jeopardy!“ seinen Namen nannte und er wusste: Die Senators aus Kanadas Hauptstadt sind sein neues Team. „Wer ist Tim Stützle?“ war die als Frage formulierte Antwort auf die Quizfrage, wen Ottawa im Draft ausgewählt hatte.

          Draisaitl ruft an

          „Das war toll, er hat nette Worte gesagt“, sagte Stützle. In Mannheim hatte er mit Familie und Teamkollegen der Adler die Rechtevergabe an den Talenten in der stärksten Eishockey-Liga der Welt verfolgt. Über das schicke weiße Hemd mit schwarzer Fliege hatte er sich Sekunden nach der Entscheidung ein Senators-Trikot mit seinem Namen und der Nummer 88 auf dem Rücken gestreift. Zeit, all die Glückwünsche zu lesen oder mit seinen Eltern zu reden, hatte er kaum. Das Handy stand nicht still. Erst um sechs Uhr morgens sei er zu Hause gewesen.

          Draisaitl hatte seinen Nachfolger am Dienstag noch angerufen und nach eigener Aussage „viel Glück“ gewünscht. Der 24 Jahre alte Kölner zeigte sich nach einer privaten Trainingseinheit in seiner Heimatstadt begeistert vom Abschneiden der deutschen Talente. „Das ist für das deutsche Eishockey natürlich riesig“, sagte Draisaitl nach der Einheit – wohlwissend, dass es in Deutschland zuletzt eher schlechte Nachrichten gegeben hatte. Zum Hickhack um den abermals verschobenen Saisonstart der Deutschen Eishockey Liga aufgrund der Corona-Krise wollte sich Draisaitl aber nicht mehr äußern.

          In der NHL soll die neue Saison am 1. Januar beginnen. Da möchte es Stützle in den Kader des Teams geschafft haben, das die vergangene Saison als Vorletzter in der Eastern Conference beendete und die Playoffs klar verpasste. „Mein Ziel ist, so schnell wie möglich nach Ottawa zu gehen und dort meinen Traum zu verwirklichen“, sagte Stützle. „Ich glaube, dass es klappen kann in Ottawa, vor allem weil sie auch so eine junge Mannschaft haben und alles am Umwerfen sind.“

          Dem 18-Jährigen aus Tönisvorst am Niederrhein schwebt eine ähnliche Karriere wie die von Draisaitl vor. Draisaitl ist nach seinem Draft 2014 kontinuierlich zum aktuell vielleicht besten Spieler der Welt aufgestiegen. In der abgelaufenen Saison wurde der Stürmer der Edmonton Oilers Top-Scorer der NHL und sogar zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. „Das ist auch mein Ziel, so zu sein“, sagte Stützle. Die Basketballerin Satou Sabally war von den Dallas Wings vor dieser Saison beim Draft an zweiter Stelle ausgewählt worden und hatte damit den Rekord aufgestellt.

          Lukas Reichel dagegen gibt sich etwas mehr Zeit für den Sprung in die beste Liga der Welt. Auch der Angreifer von den Eisbären Berlin wurde in der ersten Runde ausgewählt – an 17. Stelle von den Chicago Blackhawks. Er hofft, in zwei Jahren in der NHL auf dem Eis zu stehen. Entgegen der Hoffnungen wurde dagegen John Jason Peterka (derzeit von Red Bull München an Red Bull Salzburg verliehen), nicht in der ersten Runde gezogen. Er wurde in der zweiten Runde und insgesamt an 34. Stelle von den Buffalo Sabres gedraftet. Das Team aus dem Bundesstaat New York hat in Dominik Kahun bereits einen Deutschen im Kader und nutzte extra einen Trade, um in der Draft-Reihenfolge nach vorne zu kommen und den Stürmer wählen zu dürfen.

          Der Deutsche Eishockey-Bund hofft, dass die deutschen Top-Talente in den kommenden Jahren das Nationalteam prägen. „Für unsere Spieler ist ein Traum in Erfüllung gegangen, der Basis für eine große Zukunft sein kann“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl.

          Weitere Themen

          Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

          Fußball : Gladbach empfängt Real

          Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

          Topmeldungen

          Sorgt mit seinen heftigen Anwürfen in Richtung CDU-Spitze für empörte Reaktionen in der Union: Friedrich Merz

          Merz’ Attacke auf CDU-Spitze : Kaum Verständnis und viel Empörung

          Die scharfe Kritik von Friedrich Merz an der CDU-Spitze stößt in der Union auf Unverständnis, teils sogar auf Empörung. Und mancher glaubt, das Bewerberfeld für den Parteivorsitz sei nun kleiner geworden.
          Wie viel Geld gibt es in welchem Beruf? Ein neuer Rechner will aufklären.

          Online-Rechner : Verdiene ich genug?

          Wie viel Geld verdient man in welchem Beruf? Was würde ein Branchen- oder Ortswechsel bringen? Diese Fragen stellen sich viele Menschen. Das Statistische Bundesamt versucht jetzt, mit einem Online-Rechner schnelle Antworten zu liefern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.