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Legendäre Ski-Abfahrt : Dreßen rast beim Klassiker in Wengen auf Platz drei

  • -Aktualisiert am

Starke Fahrt in Wengen: Thomas Dreßen landet auf dem Podest. Bild: AFP

Erstmals seit 29 Jahren landet ein Deutscher beim legendären Rennen in Wengen auf dem Podest. Skifahrer Thomas Dreßen wird Dritter – und beschreibt danach in derben Worten seine Lauberhorn-Abfahrt.

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          Als Thomas Dreßen abschwang, flog die zur Faust geballte Hand nach oben. Ein, zwei Streckenabschnitte war er zwar nicht perfekt gefahren, ahnte er im Ziel. „Da habe nicht die Eier gehabt, dass ich da voll durchziehe. Ansonsten aber könnte ich nicht sagen, was ich besser hätte fahren können“. Die Zuschauer auf der Tribüne klatschten artig Beifall, obwohl der Deutsche bei der Lauberhornabfahrt in Wengen gerade einen Schweizer von der Spitze verdrängt hatte.

          Aber lange konnte es sich Dreßen auf dem für den Führenden reservierten Sessel im Zielraum nicht bequem machen. Der zwei Positionen nach ihm gestartete Dominik Paris war zwei Hundertstelsekunden schneller. Aber auch der Südtiroler musste den Platz rasch wieder räumen – für seinen Kumpel Beat Feuz. Der Schweizer gewann am Samstag zum dritten Mal in seiner Karriere die Weltcup-Abfahrt im Berner Oberland. Am Ende lag er 29 Hundertstelsekunden vor Paris.

          Ein Mann für besondere Momente

          Dreßen wiegelte Gratulanten lange mit den Worten ab: „Ich bin auf dem Schleudersitz.“ Aber es kamen ihm nur noch zwei Läufer nahe, zumindest bei den ersten Zwischenzeiten: Einer davon war Dreßens Mannschaftskollege Manuel Schmid, dem mit dem 13.Platz sein bisher bestes Weltcup-Resultat gelang. Gut zwei Stunden nach seiner Fahrt durfte sich Dreßen im VIP-Zelt mit seiner Unterschrift auf der Sponsorenwand verewigen. Zum dritten Mal in dieser Saison stand er auf dem Siegerpodest, zum zweiten Mal nach seinem Überraschungssieg in Lake Louise in der Abfahrt, in einem Winter, in dem es nach der schweren Knieverletzung erst einmal „nur darum ging, sich eine gute Ausgangsposition für das nächste Jahr zu schaffen.“ So beschreibt er die Ziele, mit der in die Saison gestartet war. „Ich glaube, man kann sagen, dass das schon ganz gut gelangen ist.“

          Dass der 26 Jahre alte Mittenwalder der Mann für besondere Momente ist, hat er schon öfter bewiesen. In Kitzbühel bei seinem Premierensieg 2018 oder im vergangenen Dezember, als er in seinem ersten Rennen nach einjähriger Pause gleich gewann. Aber nun zeigt er immer mehr auch das, was Champions ausmacht. Er geht Trainingsläufe strategisch an, legt sich einen Plan zurecht, den er im Rennen dann umsetzt. Und „wenn Tom die Überzeugung hat, dass er es im Griff hat, kann er Gas geben“, sagt der deutsche Abfahrtstrainer Andreas Evers.

          In Wengen war sich Dreßen sicher, trotz zweier Testfahrten, die nicht ganz optimal verliefen. Im zweiten Training hatte er einen Stein erwischt, weshalb der Ski nicht mehr griff und als er im Ziel lässig abschwingen wollte, stürzte er. In der Kombination am Freitag hatte er im Ziel-S eine besonders freche Linie ausprobiert – und gerade noch einen Sturz verhindert. Zweifel gab es aber keine. „Ihr könnt mir glauben, ich habe es im Griff gehabt“, sagt er. Den Beweis trat er einen Tag später an. Statt nach dem Beinahe-Crash die Schlusspassage etwas konservativer zu fahren, wählte er wieder die Risiko-Linie, „nur habe ich da meinen fetten Arsch nach vorne bewegt. Ich bin gescheit über dem Ski gestanden.“

          Es ist eine Frage des Talents, aber auch der Routine. Am Samstag, verriet der Deutsche, habe er zum ersten Mal gemerkt, das die Erfahrung einen Unterschied macht. Er verfolgte am Start Bryce Bennett, der das Rennen eröffnete, und „die normale Linie“, wie Dreßen sagte, fuhr. Die, da war er sich aber sicher, war nach dem Schneefall über Nacht, nicht die schnellste. „Also bin ich direkter gefahren“ – und am Ende eine gute halbe Sekunde schneller als der Amerikaner.

          Rebensburg verpasst Podest

          Bei den Frauen geht die Durststrecke von Skirennfahrerin Viktoria Rebensburg in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom derweil weiter. Als Dritte des ersten Durchgangs fiel sie am Samstag beim Weltcup-Rennen in Sestriere im Finale noch zurück auf Rang sieben. Rebensburg wartet damit in diesem Winter auch nach fünf Wettkämpfen in dieser Disziplin auf einen Podestplatz und seit nun zwei Jahren auf einen Sieg. Den ersten Platz in Italien teilten sich am Ende Federica Brignone aus Italien und die zeitgleiche Weltmeisterin Petra Vlhova aus der Slowakei. Mikaela Shiffrin aus den Vereinigten Staaten kam mit 0,01 Sekunden Rückstand auf Platz drei. Rebensburg fehlten 1,08 Sekunden auf die Top Drei. (dpa)

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