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Langläuferin Therese Johaug : Die Loipe als Laufsteg

Wenn sie nicht in der Loipe ist, stellt sich Therese Johaug auch gerne vor die Kamera. Bild: Picture-Alliance

Durch die Babypause von Marit Björgen ist Therese Johaug die neue Schneekönigin. Doch die Norwegerin ist weit mehr als nur eine erfolgreiche Sportlerin – nicht immer geht es dabei um Langlauf.

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          In diesem Sommer ist sogar Therese Johaug offenbar mal das Lachen vergangen. Was sich in einigen erstaunlichen Lücken auf ihrem Instagram-Profil bemerkbar machte, das die norwegische Skilangläuferin ansonsten als öffentliches Fotoalbum führt. Beliebtestes Motiv: sie selbst. Mal mit Freundinnen und Teamkolleginnen. Meistens allein: Therese fröhlich im Schnee, Therese bauchfrei beim Joggen, Therese mit Medaillen, Therese als Model. Meist lachend, oft Grimassen schneidend. Nie schlecht gelaunt.

          In diesem Sommer fehlen ein paar Wochen lang die Updates, was auf erstaunliche Missgeschicke im Training zurückzuführen ist. Erst brach ihr nach einem Sturz der Zeigefinger der linken Hand, sechs Wochen später ein Finger der rechten. Beide Male musste die Ausdauersportlerin Pausen in ihrem üblichen Trainingspensum einlegen, denn sie konnte die Langlaufstöcke nicht richtig halten. Schlecht für eine Langläuferin, die nicht unbedingt durch ihre glänzende Technik, sondern vor allem mit ihrer unglaublichen Energie besticht, weshalb ihre Landsleute sie auch das „Duracell-Häschen“ nennen.

          Die 27-Jährige ist nur 1,62 Meter groß und gerade mal 46 Kilo leicht. In der Loipe legt sie einen Stakkato-Schritt vor, dem nur die wenigsten Konkurrentinnen folgen können. Lohn ihrer Laufleistungen sind erstaunliche Erfolge, die sie seit Jahren einsammelt: Schon mit 18 gewann sie als jüngste Langläuferin eine WM-Medaille über 30 Kilometer klassisch, mittlerweile ist sie siebenmal Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin mit der Staffel. 2014 gewann sie zum erstenmal den Gesamt-Weltcup.

          Die hübsche Bauerstochter kam 1988 in Roros zur Welt, einem Bergstädtchen in Mittelnorwegen, das für sein rauhes Klima bekannt ist. Mit 20 zog sie zum Studium nach Trondheim, ehe sie sich 2011 in Oslo niederließ. Dieser Schritt sparte ihr nicht nur viele Reisekilometer zum Holmenkollen, dem Zentrum des norwegischen Skisports, sondern brachte sie auch dem urbanen Leben näher, das sie sehr zu schätzen weiß: Die Meisterin der Selbstvermarktung liebt Mode und Fotoshootings.

          So kennt man die Norwegerin als erfolgreiche Langläuferin. Bilderstrecke

          Häufig schon schaffte sie es als Covergirl auf die Titelseiten norwegischer Magazine, nicht immer geht es dabei um Skilanglauf. Nebenbei brachte die Ökonomie-Studentin eine eigene Modelinie auf den Markt, ihr erstes Produkt waren himmelblaue Langlaufhandschuhe.

          Doch ihr wichtigster Laufsteg ist die Loipe, diese Bühne genießt sie ganz besonders: Mit strahlenden Augen, fröhlichem Lachen und wallendem blonden Haar verbreitet sie noch in den tristesten skandinavischen Wäldern Glanz und gute Laune. Schon bei der Heim-WM in Oslo 2011 hatte sie das Publikum bei der Siegerehrung nach ihrem ersten Weltmeistertitel mit einem goldenen Kleidchen betört. Die Lust am Glamour ließ sie sich auch von den Minustemperaturen nicht vermiesen.

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          Auch danach galt sie lange Zeit noch als norwegische Kronprinzessin hinter der Königin Marit Björgen, die mit 14 WM-Titeln und 75 Weltcupsiegen noch deutlich erfolgreicher ist als sie. Doch in diesem Winter ist die Bahn frei. Die 35-jährige Marit Björgen erwartet im Dezember ihr erstes Kind und setzt die ganze Saison aus. Zwar will sie schon im März ihr Comeback geben, doch bis dahin dürfte Johaug an der Spitze des Feldes laufen.

          Ihren verletzungsbedingten Trainingsrückstand vom Sommer hat sie zumindest längst wieder aufgeholt, der Saison-Auftakt im finnischen Kuusamo in der vergangenen Woche glückte ihr glänzend. Erst gewann sie über fünf Kilometer im freien Stil, dann klassisch über die doppelte Distanz. Beim Heim-Weltcup in Lillehammer standen nun am Samstag beide Techniken in einem Rennen auf dem Wettkampfplan. Im Skiathlon, dem Jagdrennen über zweimal 7,5 Kilometer klassisch und Freistil setzte sie ihren Siegeszug fort und gewann überlegen vor ihrer norwegischen Teamkollegin Heidi Weng.

          An diesem Sonntag (10.00 Uhr) möchte Johaug dann im idealen Fall noch die norwegische Staffel als Schlussläuferin zum Weltcup-Sieg ins Olympiastadion führen, wobei ihr unabhängig vom Heimvorteil der Jubel gewiss sein wird. Seit der Nordischen Ski-WM im vergangenen März in Falun kann sich die 27-Jährige getrost als gesamtskandinavische Schneekönigin ansehen. Denn dort schaffte sie es, als Norwegerin vom schwedischen Publikum gefeiert zu werden, als sie bei ihrem Sieg über 30 Kilometer den Zieleinlauf fröhlich winkend als Schaulauf zelebrierte.

          Die Sympathie, die ihr von den sonst so skeptischen Nachbarn entgegengebracht wurde, schien der letzte Beweis, dass sie es nicht nur nach ganz oben aufs Treppchen, sondern auch sehr tief in die Herzen der Zuschauer geschafft hatte. Dass ihr enormer Erfolg in einer Ausdauersportart aber auch kritische Fragen aufwirft, hat die selbstbewusste Sportlerin schon im Juni 2012 auf ihre Art gekontert: „Glauben Sie etwa, dass in einem so schönen Körper Doping-Gifte versteckt sind“, fragte sie treuherzig.

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