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„The Art of Flight“ : Apocalypse Snow

  • -Aktualisiert am

Auf Abwegen in Alaska: Drei Snowboarder rasen ins Tal Bild: dapd

Sündhaft teuer und atemraubend: „The Art of Flight“ ist eine Hommage an das Snowboarden. Einen Film dieser Qualität und visuellen Kraft hatte man zuvor noch nie gesehen.

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          Was braucht man für einen perfekten Tag? Im Winter? Im Sport? Wer den neuen Snowboardfilm „The Art of Flight“ gesehen hat, dürfte zu der Antwort neigen: Für einen perfekten Tag braucht man vor allem einen Hubschrauber und ein Snowboard. Und dazu eine unberührte Wintertraumlandschaft, vielleicht in Patagonien oder in Alaska, ein schneeweißes Fleckchen irgendwo am Rand der Erde, einen Tiefschneehang, in den noch kein Mensch je eine Spur gezogen hat. Der amerikanische Regisseur und Produzent Curt Morgan hat solche majestätischen Orte für „The Art of Flight“ gesucht und in Chile, Alaska, Colorado, British Columbia und Wyoming gefunden.

          In dieser Woche wurde sein Film erstmals in einem deutschen Kino gezeigt, zweitausend Münchner kamen zur Premiere. Und die Snowboarder unter ihnen sind danach vermutlich nach Hause gegangen, um die Bretter aus dem Keller zu holen und schon einmal heiß zu wachsen. Der Winter kann kommen, und wenn er nur ein wenig, ein ganz klein wenig so würde wie in Morgans Film, was wollte man dann mehr?

          „The Art of Flight“ - einen Actionsport-Film dieser Qualität und visuellen Kraft hatte man zuvor noch nie gesehen. Das liegt nicht an den Stunts, die Morgan zeigt, nicht an den atemraubenden Abfahrten und Sprüngen von Snowboard-Superstars wie Morgans amerikanischem Co-Produzenten Travis Rice, es liegt auch nicht an den großartigen Landschaften, das alles hat man so oder ähnlich schon in anderen Snowboard- und Skiproduktionen gesehen, nein, das liegt, ganz profan, an der technischen und finanziellen Ausstattung des Projekts, das Morgan in die Lage versetzte, Bilder von monumentaler Schönheit zu drehen.

          Wie viele Millionen Dollar er zur Verfügung hatte, darüber schweigt des Produzenten Höflichkeit, es sollen etliche gewesen sein, die Großsponsoren wie Red Bull und Quiksilver beigesteuert haben. Morgan jedenfalls hat das Beste daraus gemacht. „The Art of Flight“ ist sein Meisterstück geworden.

          Vor zehn Jahren hatte Morgan, ein ehemaliger Snowboardprofi, seinen ersten Film mit Travis Rice gedreht. Problemlos gelang es ihm damals, das Budget so eindrucksvoll zu überziehen, dass sein Auftraggeber, die Snowboardfirma Grenade, das Projekt notgedrungen stoppen musste. Morgan hatte schon damals einen Hang zum Extremen offenbart, zur Perfektion, manche sagen auch: zum Größenwahn. Er wolle „das Spiel verändern“, sagte er, „und zwar nicht nur die Bilder vom Actionsport, sondern generell die Art, wie Leute Filme sehen“.

          Es dauerte vier Jahre bis zum zweiten Versuch, den Morgan und Rice gemeinsam wagten. Diesmal stimmte die Finanzierung und auch das Ergebnis. „The Community Project“ von 2005 war ein Erfolg in der Szene, ein guter Film, ein Anfang, eine Fingerübung für das nächste Projekt von Morgans Produktionsfirma Brain Farm, einen Film mit dem Titel „That’s it, That’s all“, zu dem die Dreharbeiten 2006 begannen.

          Noch mehr Geld, noch mehr Ambitionen - der Film ist ein Millionenprojekt
          Noch mehr Geld, noch mehr Ambitionen - der Film ist ein Millionenprojekt : Bild: dapd

          Travis Rice, der als weltbester Big-Mountain-Fahrer gilt, hatte für dieses Projekt erstmals Großsponsoren gewonnen und konnte Morgan ein Budget bieten, wie es Sportfilme bis dahin kaum je zur Verfügung hatten. Über die Höhe der Summe herrschte auch damals Stillschweigen, die Schätzungen reichen von zwei bis fünf Millionen Dollar. Nach zwei Jahren Drehzeit war „That’s it, That’s all“ 2008 im Kasten - und als der Film auf den Markt kam, war klar, dass Morgan und Rice ein großer Wurf gelungen war.

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