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Ted Ligety : Der angriffslustige Rebell

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„Es scheint so, als würde die Fis den Skisport ruinieren wollen“: Ted Ligety legt sich mit dem Verband an Bild: dapd

Ted Ligety ist derzeit der beste Riesenslalom-Fahrer der Welt. Und er macht seinem Spitznamen „Schredder“ alle Ehre: Der Amerikaner legt sich gerne mit dem Skiverband an.

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          Im Zielraum zieht er seine gelbe Skibrille über den blauen Helm mit den weißen Bergspitzen und den grünen Wiesen, damit der Schriftzug gut zur Geltung kommt. „The Shred“ steht auf dem Brillenband, in viel zu kleinen Lettern, wie ihm erscheint, weil der böse Internationale Skiverband (Fis) keine größeren zulässt, doch das ist ein anderes Thema.

          Wenn Ted Ligety auf den Weltcup-Pisten siegt, tut er das auch für „The Shred“, seine eigene Firma, die grelle Helme und Brillen herstellt. Wenn er das Risiko bis zum Letzten ausreizt, dann ist er selbst „Ted, the Shred“. Der Schredder, der alles zerkleinert.

          Als solcher wurde er schon vor vielen Jahren bezeichnet, weil er schon als kleiner Junge alles kurz und klein schlug, wenn er in Park City auf seinen Skiern unterwegs war. Beim „Shredding“, so schreibt er auf der Website seiner Firma, „geht es um das Gefühl, wenn du deine Grenzen hinausschiebst, und den Spaß, den du dabei hast“.

          Besonders schön ist es, wenn sich der Spaß mit Erfolg verbinden lässt, wie das beim 27-jährigen Amerikaner ganz ausgeprägt der Fall ist. Er ist der beste Riesenslalom-Fahrer der Welt, wurde im vergangenen Februar in Garmisch-Partenkirchen Weltmeister und gewann dreimal die kleine Kristallkugel der Sparte.

          Obwohl er zuletzt zweimal von Marcel Hirscher, dem Schredder aus Österreich, geschlagen wurde und er gestern, beim schwierigen Riesenslalom am berühmten Chuenisbärgli von Adelboden, das Podest um vier Hundertstelsekunden verpasste, liegt er auch jetzt an der Spitze der Disziplinenwertung. Gekrönt hatte er sich allerdings schon zuvor, als er noch gar nicht zur Weltelite zählte: 2006, als sein Landsmann und Vorbild Bode Miller der große Favorit war, wurde er Olympiasieger in der Kombination.

          „Es gibt nichts Schwierigeres in unserem Sport“

          Am Ziel seiner Träume war er freilich weder damals, noch ist er es heute. Zufrieden wird er erst sein, wenn er auch den Gesamt-Weltcup gewonnen hat - wie Miller 2005 und 2008. „Es gibt nichts Schwierigeres in unserem Sport“, sagt er, „die Konkurrenz ist groß, und es ist unglaublich hart, wenn du ohne Pause von Rennen zu Rennen hetzen musst. Du darfst dich nicht verletzen und keine Schwächephasen haben.“

          Für ihn gilt aber auch: Er muss sich im Slalom und in der Abfahrt verbessern. Im Slalom ist er auf dem Weg dahin. Nach seinem Skiwechsel von Rossignol zu Head ist er zumindest konstant geworden, wenn auch noch nicht auf höchstem Niveau, sondern auf Rängen zwischen 10 und 20. Sein sechster Platz im ersten Slalomlauf von Zagreb deutete aber an, dass bald mit den ganz kurzen Skiern Spitzenplätze möglich sein können.

          Manchmal übertreibt es der angriffslustige Rebell aber auch

          Schwieriger fallen ihm die Fortschritte in der Abfahrt. Obwohl er auch schon mit den Österreichern trainierte und ihre Fahrten genau analysierte, kam er dem Geheimnis des Gleitens noch nicht auf die Spur. Besserung verspricht er sich von einem Tipp von Jan Olsson, dem schwedischen Supergleiter. „Drücke die Zehen nach unten“, hatte der ihm geraten.

          Möglich, dass Ligety das Gleiten nie erlernen wird, weil es das pure Gegenteil des Schredderns ist. Und das pflegt er auch auf einem ganz anderen Gebiet mit Hingabe: In seinem Kampf gegen den Internationalen Skiverband und dessen neuem Reglement, das die Taillierung der Skier (die auch länger sein müssen) für die nächste Saison begrenzt und so das Carven verhindern will. Ziel der Maßnahme: weniger Knieverletzungen.

          „Die Fis ist eine Diktatur!“

          Für Ted Ligety ist das Unsinn, und so hat er sich an die Spitze eines Rennfahrer-Aufstandes gestellt, der die Änderung bekämpft. In einem Blog, der so lang ist, dass er nur knapp auf eine Zeitungsseite passen würde, bezichtigt er die Fis der „Tyrannei“. Er schreibt: „Es scheint so, als würde die Fis den Skisport ruinieren wollen. Die Fis ist eine Diktatur! Die Fis will die absolute Kontrolle und versucht dabei, alles zu vertuschen.“ Dann zitiert er eine amerikanische Studie, die jene des Skiverbandes widerlegt und die von der Fis nicht ernst genommen würde, obwohl sie breiter abgestützt sei.

          Das war im November. Einen Monat später, nach dem vierten Rang im Riesenslalom von Alta Badia, legte Ligety nach. Diesmal schwärmte er vom „Alpinen Rockfest“, das in Paganello, einer Skistation im Trentino, stattfand. Ein Einladungsrennen nach K.o.-System, mit viel Musik, Party und 60.000 Euro Preisgeld für den Sieger. Und er wetterte gegen die Langeweile im Weltcup.

          Der Schredder, der alles zerkleinert: Ted Ligety hat einen eigenwilligen Spitznamen

          „Ich kenne keinen anderen Sport mit einer dreieinhalbstündigen Halbzeitpause und in dem die Fans ihren Liebling nur maximal vier Minuten sehen können“, schrieb er. Und schlug vor, den zweiten Lauf 15 Minuten nach dem ersten starten zu lassen. Oder nur 40 Fahrer über 30-Sekunden-Läufe zu schicken und nach jedem Lauf das Feld zu halbieren. Außerdem forderte er Nachtrennen. „Dadurch müssten sich die Touristen nicht entscheiden, ob sie selbst Ski fahren oder zum Rennen gehen wollen.“

          Manchmal übertreibt es der angriffslustige Rebell. In Adelboden, wo er in einem begeisternden Rennen auf schwierigem Hang und ebensolcher Piste hinter Marcel Hirscher, Benjamin Raich und Massimilano Blardone Vierter wurde, fuhr während des Rennens keiner Ski. Da kamen auch bei Tageslicht 29.000 Zuschauer. Und in der langen Pause veranstalteten sie eine riesige Winterparty.

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