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Super-Kombination : Auch der halbe Slalom noch zu lang für Miller

Immerhin im Ziel: Bode Miller Bild: REUTERS

Der Schweizer Daniel Albrecht hat die Super-Kombination bei der alpinen Ski-WM vor dem Österreicher Benjamin Raich und seinem Landsmann Marc Berthod gewonnen. Der nach der Abfahrt führende Amerikaner Bode Miller wurde Sechster.

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          Wie weit kommt er wohl diesmal? Wer darauf setzte, dass Bode Miller sich mal wieder zwischen den Slalomstangen verfahren würde, der irrte sich zwar - doch zu einer WM-Medaille hat es für den Amerikaner in der Super-Kombination von Åre auch nicht gereicht. Der Vorsprung, den Miller als Führender nach dem Abfahrtslauf mitgebracht hatte, war schnell aufgebraucht, am Ende wurde es nur der sechste Platz.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Krone des vielseitigsten Skifahrers sicherte sich überraschend der Schweizer Daniel Albrecht, der sich mit acht Hundertstelsekunden Vorsprung vor Titelverteidiger Benjamin Raich durchsetzte. Rang drei belegte mit Marc Berthod ein weiterer Schweizer.

          Selbst der halbe Slalom war zu lang

          Dabei war Miller doch die neue Kombinationsregel entgegengekommen. Statt wie früher üblich in zwei Slalomdurchgängen wird die Kombination nach der Abfahrt nun nur noch in einem Lauf durch den Stangenwald letztlich entschieden und mittlerweile Super-Kombination genannt. Theoretisch perfekt für Miller, der in Åre nach seiner Ankunft als Titelverteidiger in der Abfahrt und im Superriesenslalom alle mit seinem persönlichen Ziel für diese Titelkämpfe überrascht hatte.

          Der Schweizer Albrecht fand die richtige Linie im Slalomhang

          Denn als absolut „cool“ hatte er es da angesehen, wenn er in Åre den Slalom für sich entscheiden könnte und damit als erster Skirennfahrer überhaupt in der Geschichte der alpinen Titelkämpfe das ganze Quintett an WM-Titeln in den verschiedenen Disziplinen beisammenhätte. Cool vielleicht, aber eher unwahrscheinlich: „Wenn die Slalomdurchgänge nicht so lang wären, würde ich allen davonfahren. Aber so mache ich halt irgendwann einen Fehler“, sagte Miller. In der Kombination tat ihm der Internationale Ski-Verband den Gefallen und halbierte den Slalom-Einfluss auf die Entscheidung, aber auch der eine Lauf war schließlich schon lang genug.

          Zehn Sekunden Rückstand in Schladming

          Es ist nicht so lange her, da hätte ihm allerdings jeder bereitwillig den Titel im Slalom zugetraut. Schließlich war der jederzeit unberechenbare Miller, als er im Weltcup auftauchte, ein Slalomspezialist, und er gewann bislang auch fünf Weltcuprennen in der Zickzackfahrt. Die Sache hat allerdings einen Haken: Der letzte Sieg des inzwischen als Allrounder im Weltcup dauerbeschäftigten Amerikaners in der Disziplin, in der die meisten Spezialisten zu Hause sind, liegt schon zwei Jahre zurück.

          Vor allem in diesem Winter machten Miller diese vielen Tore, die bei der rasanten Talfahrt im Wege stehen, zu schaffen. Nur in Schladming, dem letzten Slalom vor dieser WM, hatte er es überhaupt ins Ziel geschafft, allerdings auch dort nach einem schweren Fahrfehler mit fast zehn Sekunden Rückstand. Kurz vor den Olympischen Spielen von Salt Lake City 2002 hatte er den spektakulärsten Slalom des Weltcups noch gewonnen.

          „Was ihr von mir denkt, ist mir völlig egal

          Nur einer mit einem derart großen Selbstvertrauen wie Miller hätte angesichts dieser Bilanz also überhaupt von einem Slalomtitel geredet. Dass dies möglicherweise ein wenig merkwürdig klang, war ihm wohl selbst bewusst, also verkündete er den Journalisten gleich eine weitere Einschätzung - die allerdings viel weniger überraschte: „Was ihr von mir denkt, ist mir völlig egal.“

          Und was geschrieben wird, erst recht, denn Millers vermutlich nicht immer grundsolides Leben zwischen den Rennen regt hier und da die Phantasie gewaltig an. „90 Prozent aller Geschichten über mich sind erfunden oder zumindest stark übertrieben“, sagt der lebenslustige Medienstar der Szene. Immerhin hat ihm das im vergangenen Jahr in der Heimat den Ruf des „meistgehassten Olympiasportlers“ eingebracht. Fünf Goldmedaillen seien bei den Olympischen Spielen in Turin möglich, hatte sein Manager ein Jahr zuvor angekündigt, aber herausgesprungen war letztlich nur ein sechster Platz im Riesenslalom und ein fünfter Rang in der Abfahrt. Angesichts der Berichte über sein Nachtleben war es allerdings verwunderlich, dass Miller es bei Olympia überhaupt pünktlich in irgendein Starthaus geschafft hatte.

          „Vielleicht bin ich dann ja schon tot

          Diese Extratouren hat der amerikanische Verband in diesem Jahr versucht zu unterbinden. Statt wie in der vergangenen Saison darf Miller nicht mehr in seinem Wohnmobil wohnen, sondern muss ein Zimmer im Mannschaftshotel beziehen. Als „eine bekloppte Reglementierung“ empfindet das Miller, weil es in diesen Hotels doch von grippekranken Menschen nur so wimmele und er deshalb schon viermal in dieser Saison erkältet gewesen sei. Also geht er lieber dorthin, wo sich Bazillen mit Hochprozentigem bekämpfen lassen, was derzeit vor allem die schwedischen Zeitungen erfreut. In der WM-Berichterstattung fehlt auch Millers nächtliche Getränkeliste nicht. Den Hinweis seines Verbandes, er möge doch bitte schön erst am Ende der Saison feiern, ignoriert er also so, gut es geht, und er hat dafür einen triftigen Grund gefunden: „Vielleicht bin ich dann ja schon tot.“

          Springlebendig aber hatte er sich in Åre am Kombinations-Vormittag präsentiert. Auch wenn nicht alle Abfahrts-Asse an dieser Schussfahrt teilnahmen, werden sie die Bestzeit Millers aufmerksam verfolgt haben. Denn egal, was der Amerikaner auch erzählt - und er erzählt viel: Den Abfahrtstitel wird er sich am Samstag nicht gerne nehmen lassen. Denn Miller feiert die Feste, wie sie fallen.

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