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Sport-Kommentar : Weg mit Wind und Winter

Wieso denn eine Winterpause machen? St. Paulis Spieler im Kampf mit dem Schnee Bild: dpa

In diesem Winter weiß der Sport nicht mehr so genau, was er von Wind und Wetter halten soll. Die einen wollen eine längere Pause. Nicht vom Winter, vom Fußball! Die anderen würden am liebsten durchspielen. Und die Skispringer schaffen einfach den Wind ab.

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          Alle reden vom Wetter. Wir auch. Die Zeiten sind ja lange vorbei, als nur die Bahn es sich ganz cool leisten konnte, Wind und Wetter und Winter einfach zu ignorieren - und auf von Schnee und Eis befreiten Gleisen und Oberleitungen genau wie geplant dem Ziel entgegenrauschte. Aber in diesem Winter, der uns als Jahrhundert-, ach was, Jahrtausendwinter hereinschneit, weiß auch der Sport nicht mehr so genau, was er von Wind und Wetter halten soll.

          Aus Bayern kommt endlich der Ruf nach einer anständigen Winterpause. Das finden wir auch. Der Winter sollte mal Pause machen. Er hat für den Anfang ja auch schon mehr als genug getan. Aber Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, meint das gar nicht, wenn er von einer längeren Winterpause spricht.

          Rummenigge meint eigentlich eine Fußballpause. Aber der Grund ist derselbe: Auch die besten Fußballspieler tun mehr als genug, und das schon seit Jahren, im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter. Der Fußball - ein Ganzjahresphänomen. Der Winter - noch nicht ganz.

          740 Gänsebraten und danach Bier und Bratwurst

          Aus dem ebenfalls tiefverschneiten Norden dringt jedoch der gedämpfte, aber unbeirrte Ruf, es doch so zu halten wie einst die Bahn. Einfach weiter, egal, wie hoch der Schnee liegt. Der Trainer des FC St. Pauli, Holger Stanislawski, hält es für „unnütz“, den Kickern und dem Winter jetzt überhaupt ein Päuschen zu gönnen. Eine lange Fußballpause im Winter oder gar keine, fordert der Trainer vom Kiez.

          Das ist doch mal ein klares Wort. Durchzuspielen, so Stanislawski weiter, wäre auch sinnvoll für die zahlreichen Zuschauer, die jetzt Urlaub hätten. „Außerdem würden die sich nach dem 740. Gänsebraten doch auf Bier und Bratwurst im Stadion freuen.“ Besser wäre da nur noch, an Heiligabend und am zweiten Weihnachtsfeiertag gleich einen Doppelspieltag anzusetzen. Jedenfalls für die Gänse.

          Aber auch bei der Vierschanzentournee, dem anderen Winterphänomen, auf dessen Wiederkehr man sich nun schon seit knapp sechzig Jahren trotz Jahrtausendwinter und Klimawandel verlassen kann, mag man Wind und Wetter auch nicht mehr so einfach hinnehmen. Eine neue Regel schafft den Wind ab.

          Die Vierschanzentournee sollte in der Halle stattfinden

          Denn Wind ist ungerecht. Mal bläst er von vorn, mal von hinten. Früher war das egal. Da konnte man als Skispringer eben mit dem Wetter auch mal Pech haben, nicht nur die Zuschauer. Hat ein Springer aber jetzt mehr Aufwind und damit bessere Bedingungen, werden ihm Wertungspunkte abgezogen, für Rückenwind gibt es Pluspunkte.

          Beim Skispringen gewinnt nun nicht mehr unbedingt der Springer, der am weitesten springt. Unser Vorschlag: Die Vierschanzentournee sollte in der Halle stattfinden. Wenn das Deutschen und Österreichern zu abwegig vorkommt, sollten sie die Veranstaltung einfach nach Qatar vergeben. Die bekommen das bestimmt hin - sogar im Sommer, während der Fußball-WM.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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