https://www.faz.net/-gtl-9wk4r

Sperre für Russe Ustjugow : Aus Silber könnte Gold werden

  • Aktualisiert am

Da war es noch Silber: Das deutsche Quartett Erik Lesser (links), Daniel Boehm, Arnd Peiffer und Simon Schempp könnte nachträglich Gold erhalten. Bild: dpa

Die Party im Garten von Erik Lesser rückt näher. Der russische Staffel-Läufer Jewgeni Ustjugow bestreitet zwar Doping, ist vom Biathlon-Verband aber verurteilt worden. Nachträgliches Olympia-Gold für die deutsche Männerstaffel ist möglich.

          2 Min.

          Der Gewinn von Olympia-Gold mit jahrelanger Verspätung rückt für die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp immer näher. Der russische Olympiasieger Jewgeni Ustjugow wurde vom Weltverband des Dopings für schuldig befunden, wie die IBU am Samstag am Rande der WM im italienischen Antholz mitteilte. Sämtliche Ergebnisse des 34-Jährigen vom 27. August 2013 bis zum Ende der Weltcupsaison 2013/14 wurden für ungültig erklärt.

          Weil Ustjugow zum Sieg-Quartett der Russen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gehörte, disqualifizierte ihn die IBU dafür nachträglich und verhängte zudem eine Zweijahressperre ab Urteilsverkündung. Damit könnte das deutsche Quartett sechs Jahre nach dem Gewinn von Silber noch zum Olympiasieger werden.

          Denn sollte das Internationale Olympische Komitee dieser Entscheidung folgen, würde den Russen das Sotschi-Gold aberkannt werden. Ustjugow kann nun innerhalb von 21 Tagen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegen. „Von daher heißt es jetzt nach wie vor: abwarten, bis es wirklich zu einer finalen Entscheidung kommt. Alles andere sind Spekulationen, die wir jetzt seit vier Jahren kommentieren“, sagte Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation im DSV, der dpa.

          Ustjugow werde sein Recht dazu nutzen, sagte der Chef der russischen Biathlonverbandes, Wladimir Dratschow, der Staatsagentur Tass zufolge. „Wir haben die offiziellen Dokumente zu diesen Fällen erhalten, sie sind etwa 80 Seiten lang.“ Diese würden nun geprüft. Der für Sport in der Duma zuständige Abgeordnete Dmitri Swintschjew sagte dem Radiosender Echo Moskwy, es sei noch zu früh davon zu sprechen, dass Ustjugow tatsächlich seine Medaillen aberkannt bekomme. Das IOC wird in der Causa erst tätig, wenn alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind.

          Siegerehrung im Garten nachspielen

          Neben Ustjugow wurde am Samstag auch Olympiasiegerin Swetlana Slepzowa wegen Dopings im Zeitraum zwischen dem 22. März 2013 bis Ende der Saison 2013/14 von sofort an für zwei Jahre gesperrt und ihre Ergebnisse annulliert. Beide haben Doping immer bestritten und ihre Karrieren bereits beendet.

          „Wenn es so kommen sollte, würden wir die Siegerehrung im Garten nachspielen. Ich würde mich sehr darüber freuen, irgendwann Olympiasieger zu sein“, hatte Lesser gesagt, als das Doping-Gerücht einmal mehr die Runde machte. Lesser, Böhm, Peiffer und Schempp hatten bei den Winterspielen 2014 das Duell mit den Gastgebern um Schlussläufer Anton Schipulin erst im Zielsprint verloren.

          „Besser späte Gerechtigkeit als keine. Wenn wir nachträglich Gold bekommen würden, wüssten wir, dass wir die Besten waren. Selbst wenn du das Ding in einem schmucklosen Paket bekommst. Aber du holst es raus und sagst, das ist meins“, sagte Peiffer, der dann zweimaliger Olympiasieger wäre. Der damalige Schlussläufer Schempp meinte: „Wir glauben es erst, wenn wir die Medaille haben.“

          Der Weltverband hatte bereits im November 2018 die Verfahren gegen Ustjugow, Slepzowa und zwei weitere russische Biathleten auf Grundlage der Moskauer LIMS-Daten eröffnet. Bereits damals hatte die IBU eng mit der Weltantidoping-Agentur Wada zusammengearbeitet.

          Die Russen, so urteilte der Biathlon-Verband, hätten die Daten von Ustjugow und auch von Slepzowa, der Staffel-Olympiasiegerin von 2010, im Moskauer Kontrolllabor manipuliert. In der jetzigen Urteilsbegründung hieß es, bei beiden seien verbotene Substanzen nachgewiesen worden. Der 34 Jahre alte Ustjugow hatte seine Karriere nach den Winterspielen in seiner Heimat beendet, Doping hat er ebenso wie Slepzowa stets bestritten.

          Erst am Donnerstag hatte die im Vorjahr neu gegründete und unabhängig vom Weltverband agierende Biathlon Integrity Unit (BIU) mitgeteilt, dass sie Ustjugow wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln aufgrund von Anomalien in seinem biologischen Blutpass im Zeitraum zwischen Januar 2010 bis Februar 2014 angeklagt hat.

          Ustjugow kündigte daraufhin an, juristisch dagegen vorzugehen. Er habe vor einem staatlichen Gericht Klage gegen den Biathlon-Weltverband IBU eingereicht, teilte der russische Verband am Donnerstag mit. Zum ersten Mal sei ein staatliches Gericht in einem solchen Fall eingeschaltet worden und nicht ein Sportschiedsgericht.

          Weitere Themen

          Sennas Schatten ist noch da

          Formel 1 in Imola : Sennas Schatten ist noch da

          Formel-1-Rennen an geschichtsträchtiger Stätte: Das Duell 2021 heißt Lewis Hamilton gegen Max Verstappen, ein Generationswechsel an der Spitze liegt in der Luft.

          Topmeldungen

          Mobbing: 95 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone. 
Leider nutzen Kinder die Geräte auch, um Angst und Hass zu verbreiten, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Studie „Cyberlife III“ zufolge können die Folgen fatal sein: Jedes vierte digitale Mobbingopfer hatte Suizidgedanken, jedes fünfte trank Alkohol, jedes dritte Opfer fühlte sich dauerhaft belastet.

          Cybermobbing : Wenn das eigene Kind per Whatsapp bedroht wird

          „Du kleine Schlampe“: Wenn das eigene Kind per Whatsapp übel beleidigt und mit Gewalt bedroht wird, ist eine Grenze überschritten. Was passiert, wenn man dagegen juristisch vorgeht? Ein Erfahrungsbericht.
          Szenenbild aus dem Teaser: Steffen Menneke spielt den Attentäter.

          Attentat von Hanau : Dürfen Filme wirklich alles?

          Der Regisseur Uwe Boll, eher berüchtigt als berühmt, hat einen Film über den Massenmörder von Hanau inszeniert. Angehörige sind empört, die Obrigkeit protestiert. Aber keiner hat das Werk gesehen.
          Geschieht immer häufiger auf digitalen Wegen: die besten Köpfe finden und die eigenen Talente pflegen.

          HR-Tech-Start-ups : Die jungen Wilden

          Digitale Start-ups wirbeln Personalabteilungen durcheinander – ob Mitarbeitersuche mit KI oder Online-Burnout-Prävention. Wir stellen einige von ihnen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.