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Snowboard : Mit ungleichen Waffen

  • -Aktualisiert am

Halfpipe: die Königsdisziplin des Snowboardens Bild: REUTERS

Die Deutschen sind in der Königsdisziplin des Snowboardens arm dran: Sie haben keine Halfpipe. Christophe Schmidt und Ethan Morgan sind deshalb das ganze Jahr über auf Reisen. Zum Beispiel nach Neuseeland.

          4 Min.

          Für Kenner des Wintersports hier die Hunderttausend-Euro-Frage: In welcher Disziplin, die im Februar in Vancouver zum vierten Mal olympisch ist, gibt es in Deutschland weder eine Trainingsstätte noch eine deutsche Meisterschaft noch auch nur einen einzigen Wettkampf? Richtige Antwort: Halfpipe, die Königsdisziplin des Snowboardens. Wenn man diese Bedingungen sieht, so ist es fast ein Wunder, dass es zwei deutsche Halfpipe-Fahrer gibt, die in diesem Winter um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Vancouver kämpfen. Sie tun es im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz mit ungleichen Waffen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Vergangene Woche standen Christophe Schmidt und Ethan Morgan auf dem Gletscher in Saas-Fee und kämpften im Weltcup um ihre Chance. Morgan, ein 18 Jahre alter Deutschamerikaner aus Mittenwald, scheiterte in der Qualifikation; der 26 Jahre alte Schmidt, der am Spitzingsee zu Hause ist, landete auf Rang zehn und hat damit, trotz einer langen Verletzungspause Anfang des Jahres, die halbe Qualifikation für Vancouver geschafft. Ein weiterer Platz unter den besten zwölf beim nächsten Weltcup in Kreischberg würde ihm für Vancouver reichen. Auch Morgan hofft noch auf Olympia, dafür müsste er in Kreischberg aber einen ganz besonderen Tag erwischen.

          Wie Don Quijote kämpft Timm Stade für eine Halfpipe

          Schmidt und Morgan sind alles, was der Deutsche Snowboardverband in der Disziplin Halfpipe aufzubieten hat. Eine Mini-Nationalmannschaft mit eigenem Trainer - und mangels Trainingsmöglichkeit im eigenen Land ständig unterwegs. 500.000 Meilen hat Schmidt auf seinem Miles & More-Konto, auf mehr als 100.000 Flugmeilen hat es Morgan in diesem Jahr schon gebracht. Den deutschen Verband, der über einen Etat von 1,1 Millionen Euro verfügt, kommt das alles teuer zu stehen. Aber er hat keine Wahl.

          Christophe Schmidt: die halbe Qualifikation für Vancouver geschafft

          Wie Don Quijote kämpft Sportdirektor Timm Stade seit fünf Jahren um eine Trainingsanlage im Lande - ohne Erfolg. „Es ist eine traurige Situation“, sagt er. „Bei Olympia in Turin hatten wir noch vier Starter, Christophe Schmidt war Achter, Vinzenz Lüps Neunter, danach sind uns die Fahrer wie Sand in den Händen zerronnen. Nur in einem Fall ist es uns mit Ethan Morgan gelungen, einen jungen Fahrer zu entwickeln, aber er hat auch selbst viel dazu beigetragen, auch finanziell.“ Morgan musste angesichts der ständigen Reisen das Sportgymnasium in Garmisch verlassen, er lernt jetzt unterwegs auf Anleitung einer amerikanischen Internetschule auf dem Niveau der zehnten Klasse und hofft, auf diesem Weg einen Abschluss zu schaffen, der dem Abitur entspricht.

          Die führenden Nationen haben „Bagjumps“

          Vor zwei Wochen sind Schmidt, Morgan und Verbandstrainer David Selbach für eine Woche nach Cardrona in Neuseeland geflogen, um dort auf einer Anlage zu trainiere, wie es sie in Europa noch nicht gibt - oder nur im internen Zirkel etwa der Schweizer Nationalmannschaft. „Eine Woche Neuseeland“, sagt Stade, „das ist eine verrückte Sache, aber wir mussten das machen, um die Defizite daheim auszugleichen.“

          Mit dem Kurztrip nach Cardrona reagierten die deutschen Halfpipefahrer auf eine Entwicklung, die Olympiasieger Shaun White ausgelöst hat. Der amerikanische Superstar hatte in seiner Privatpipe, die ihm Sponsoren in den Rocky Mountains auf 3700 Meter Höhe gebaut hatten, während des Frühjahrs im Geheimen neue Tricks kreiert: sogenannte Double Corks, spektakuläre Sprünge, bei denen sich die Rotationen in der Achse verschieben, wodurch eine neue Dynamik und Ästhetik entsteht. Diese Sprünge, die auf großen Schanzen wie beim Air & Style in München schon einmal zu sehen waren, galten bislang in der Halfpipe als unfahrbar. Um sie zu trainieren, hatte sich White in seiner Pipe eine Schnitzelgrube anlegen lassen, wie man sie vom Training der Kunstturner kennt. Über den Sommer schaffte er es, die Double Corks in der Pipe zu beherrschen - eine Sensation in der Szene, die alle Konkurrenten vor Olympia in Zugzwang brachte.

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