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Snowboard : Der Traum vom Gold platzte in einer Linkskurve

Da stand sie noch fest auf ihrem Brett: Amelie Kober im WM-Finallauf Bild: REUTERS

Amelie Kober stürzte als WM-Gold im Parallel-Riesenslalom schon zum Greifen nahe war. Sie war die stärkste, aber nicht die glücklichste Fahrerin des Tages. Die beste deutsche Snowboarderin freute sich dennoch tapfer.

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          Freuen oder nicht freuen, das ist in solchen Fällen die Frage. Amelie Kober entschied sich bei der Snowboard-Weltmeisterschaft in Arosa nach dem unglücklich verlorenen Finale im Parallel-Riesenslalom fürs Freuen - so gut es ging. Tapfer gab sie Auskunft und lächelte in die Kameras, während nebenan die Russin Ekaterina Tudigeschewa den Gewinn der Goldmedaille feierte, der ihr wie ein Geschenk der Deutschen vorkommen musste.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die Neunzehnjährige aus Fischbachau in Oberbayern, die sich mit Silber trösten musste, war mit der zweitbesten Qualifikationszeit in die Ausscheidungsrennen gegangen und hatte sich im Achtelfinale gegen die Japanerin Tomoka Takeuchi ebenso souverän durchgesetzt wie im Viertelfinale gegen Julie Pomogalski aus Frankreich. Auch im Halbfinale fuhr sie mit frappierender Sicherheit durch den Kurs und ließ die Österreicherin Marion Kreiner weit hinter sich. Während die Konkurrenz auf dem immer schwieriger zu fahrenden Kurs technische Schwierigkeiten offenbarte, sauste Amelie Kober mit traumhafter Sicherheit um die einmal roten, einmal schwarzen Tore.

          Sturz zerstörte Traum von Gold

          Und so sah es auch im ersten Durchgang des Finales aus. Die Russin Tudigeschewa, die in der Qualifikation die schnellste Zeit vorgelegt hatte, musste mit größtem Risiko fahren, um der Deutschen zu folgen - und stürzte. Dies bedeutete, dass sie im zweiten Durchgang erst 1,44 Sekunden (dies ist die Strafzeit für einen Sturz)) nach der Deutschen ins Rennen gehen durfte, und kaum einer zweifelte daran, dass Amelie Kober ihrer olympischen Silbermedaille von Turin nun den Weltmeistertitel folgen lassen würde. Zu sicher, zu souverän, zu überlegen war sie bis dahin gewesen.

          Amelie Kober (l.) neben der Siegerin Tudigeschewa aus Russland und der Schweizerin Kohli

          Und doch passierte es: Ausgerechnet im Flachstück der Piste verschnitt die Deutsche eine Linkskurve, stürzte und hatte damit nach den Regeln des Internationalen Skiverbandes das Rennen verloren. Amelie Kober, die stärkste, aber nicht die glücklichste Fahrerin des Tages, mußte sich mit WM-Silber begnügen. „Ich wollte im zweiten Durchgang nicht auf Zeit fahren“, sagte sie. „Und das war auch richtig. Was passiert ist, kann passieren.“

          „Vizeweltmeisterin - was will man mehr“

          Einen „kurzen Moment der Enttäuschung, das räumte sie ein, habe es gegeben, gleich nach dem Sturz, aber schon im Ziel habe die Freude überwogen. „Ich bin neunzehn“, sagte sie. „Und ich bin Vizeweltmeisterin, was will man mehr?“ Auch die Trainer und Betreuer hätten sie nicht trösten müssen, und dafür auch gar keinen Anlaß gesehen. „Die Leistung hat gestimmt“, sagte sie, und das war bei den wenigen Weltcuprennen in dieser Saison nicht immer so gewesen. Warum jetzt, ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt? „Ich hatte mich sehr, sehr gut gefühlt“, sagte sie. „Die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft ist sehr intensiv, mit einem größeren Betreuerstab, und überhaupt haben Großereignisse eine ganz besondere Aura. Wie es ausschaut, liegt mir das. Vielleicht bin ich auch ein Typ, der Publikum braucht, um richtig gute Leistungen bringen zu können.“

          In Arosa standen mehr als viertausend Zuschauer im Zielbereich, darunter viele herangeschaffte Schulklassen und es herrschte ein Höllenlärm. So etwas gibt es im Snowboard-Weltcup nirgendwo. Und vor leeren Rängen zu starten, das findet Amelie Kober wenig prickelnd. Zeit zum Feiern hatte sie nicht. Eine Massage, etwas essen gehen, „vielleicht ein Gläschen dazu trinken“ und dann früh ins Bett, denn am Dienstag schon steht der nächste Wettkampf auf dem Programm: der Parallel-Slalom. Ob sie die Silbermedaille beflügeln wird? „Das wird man sehen“, sagt sie - und macht den Eindruck, als freue sie sich auf ihre zweite Chance bei dieser WM, einem großen Publikum etwas ganz Besonderes zu zeigen.

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