https://www.faz.net/-gtl-xsxe

Slalom : Ein rabenschwarzer Tag für Familie Riesch

  • -Aktualisiert am

Völlig verpatzt: So schlecht wie in Lienz fuhr Maria Riesch im Slalom schon lange nicht mehr Bild: AP

Susanne ausgeschieden, Maria nur auf Platz 14: Die besten deutschen Slalom-Frauen patzen in Lienz. Die Österreicherin Marlies Schild gewinnt überlegen. Für Maria Riesch ist es das schlechteste Ergebnis in dieser Disziplin seit zwei Jahren.

          3 Min.

          Am Ende wussten die beiden nicht, wer nun wen trösten sollte. Maria Riesch die Gesamtweltcup-Führende aus den Vereinigten Staaten wegen deren Schmerzen in der verletzten Hand, oder Lindsey Vonn ihre Freundin und ärgste Konkurrentin wegen des verkorksten Auftritts beim Weltcup-Slalom in Lienz. Maria Riesch stand am Dienstag jedenfalls noch lange im Zielgelände und kämpfte mit den Tränen. Das Rennen war für sie gedanklich schon am letzten Tor vorbei gewesen. Die Weltmeisterin hatte es zwar wie die vorhergehenden 65 Tore im zweiten Durchgang korrekt passiert, das aber in einer Art und Weise getan, die sie von sich gar nicht mehr kannte, und die ihrer eigentlich nicht würdig war. „Am Ende“, gab sie zu, „habe ich resigniert“. Sie fuhr aufrecht ins Ziel und verschenkte dadurch womöglich noch ein paar Plätze.

          Es spielte keine große Rolle, dass sie vielleicht Zwölfte statt Vierzehnte geworden wäre, hätte sie nicht schon vor der Ziellinie aufgegeben. Schließlich war sie angetreten, um im Gesamtweltcup aufzuholen, um Lindsey Vonn womöglich sogar wieder zu überholen. Das Verletzungspech der Freundin war für die Fünfundzwanzigjährige aus Garmisch-Partenkirchen wie eine Steilvorlage gewesen.

          Lindsey Vonn quälte sich nach ihrem Sturz am Tag zuvor im Riesenslalom, bei dem sie sich das Gelenk der linken Hand geprellt und ein paar Haarrisse zugezogen hatte, mit einer Schiene und Schmerztabletten durch die Stangen. „Es tut bei jedem Tor so weh“, sagte sie. „Aber ich darf mich nicht auf die Hand zu konzentrieren, sondern muss ans Skifahren denken.“

          Ausgehebelt: Susanne Riesch stürzte in Lienz
          Ausgehebelt: Susanne Riesch stürzte in Lienz : Bild: AFP

          Sich zu überwinden, zu versuchen, die Schmerzen zu ignorieren, damit hat Lindsey Vonn Erfahrung. Bei der WM in Val d’Isère im vergangenen Februar hatte sie bereits bewiesen, dass sie hart im Nehmen ist. Die Gesamtweltcupsiegerin hatte sich damals beim Öffnen einer Champagnerflasche nach ihrer zweiten Goldmedaille die Sehne des Daumens durchtrennt. Sie reiste ab, um sich in Innsbruck operieren zu lassen, kehrte nach Val d’Isère zurück und verzichtete zwar auf den Riesenslalom, startete aber zwei Tage später im Slalom. In der vergangenen Saison war sie immerhin die Nummer zwei in dieser Disziplin gewesen. Und beinahe hätte sie trotz des lädierten Daumens noch ihr drittes Edelmetall in Frankreich gewonnen – sie schied als Zweite des ersten Durchgangs im Finale aus.

          Vonn büßt in Lienz nur fünf Punkte ein

          In Lienz landete Lindsey Vonn nach zwei defensiven Fahrten nur auf Rang 18, sie büßte aber an den beiden Tagen insgesamt lediglich fünf Punkte im Gesamtweltcup gegenüber Maria Riesch ein. „Ich weiß auch nicht, woran es lag, dass ich heute überhaupt nicht zum Fahren gekommen bin“, sagte die Deutsche nach ihrem 14. Rang, dem schlechtesten Ergebnis in dieser Disziplin seit gut zwei Jahren. Ein Grund mag die Piste gewesen sein, die von Läuferin zu Läuferin ruppiger wurde. Mit unruhigem Untergrund hatte Maria Riesch schon in Aspen Ende November Schwierigkeiten gehabt und dort das Podest verpasst. „Aber man muss auch mit Niederlagen fertig werden“, sagte sie.

          Fast zweieinhalb Sekunden war sie alleine im zweiten Durchgang langsamer als die Siegerin Marlies Schild, insgesamt waren es sogar vier Sekunden. Die Österreicherin war bis zu ihrer Verletzung im Oktober 2008 die dominierende Slalomläuferinnen im Weltcup. Während sie im vergangenen Winter ihren komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch auskurierte und kurzfristig sogar um die Fortsetzung ihrer Karriere bangen musste, übernahm Maria Riesch die Rolle der Torlaufbesten.

          Schild feiert ihren „größten Sieg“

          Als Marlies Schild schon im ersten Rennen dieser Saison einen erstaunlich starken Auftritt hatte, schien es nur eine Frage der Zeit, bis die alte Slalom-Königin zur großen Herausforderin der neuen werden würde. Noch darf Maria Riesch das rote Trikot der Führenden im Slalom-Weltcup tragen, aber der Vorsprung beträgt nur noch 23 Punkte. Die Vorstellung von Marlies Schild am Schlossberg war eine Demonstration alter Slalom-Stärke, sie fuhr zweimal Bestzeit und gewann mit 1,83 Sekunden Vorsprung vor der Französin Sandrine Aubert. Ihre Teamkollegin Kathrin Zettel wurde Dritte, mit mehr als zwei Sekunden Rückstand. „Das ist der größte Sieg in meiner Karriere“, sagte Marlies Schild.

          Das deutsche Slalomteam, das sich bisher in diesem Winter so glänzend präsentiert hatte, erlebte in Osttirol dagegen einen kleinen Dämpfer. Als Beste landete die 19 Jahre alte Christina Geiger aus Oberstdorf wie schon in Aspen auf Rang acht. Katharina Dürr wurde Zwölfte, immerhin mit zweitbester Laufzeit im Finale. Die zweite deutsche Sieghoffnung scheiterte im Zielhang. Maria Rieschs Schwester Susanne war mit Bestzeit unterwegs, als sie stürzte, sie wäre wohl auf dem Podest gelandet. „Es war eben ein rabenschwarzer Tag für die ganze Familie“, sagte Maria Riesch.

          Weitere Themen

          Italien bleibt makellos

          1:0 gegen Wales : Italien bleibt makellos

          Italiens erstaunliche Sieges- und zu-null-Serie hält auch gegen Wales. Nach dem 1:0 mit der B-Elf ziehen beide Mannschaften ins Achtelfinale ein.

          Topmeldungen

          DFB-Liebling Robin Gosens : „Zwick mich mal“

          Die Geschichte von Robin Gosens gibt es eigentlich nicht mehr: Von einem, der auf dem Dorfplatz entdeckt wurde und nun bei der EM für überwältigende Momente sorgt.
          Demonstranten protestierten am Samstag in São Paulo gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.

          Corona-Protest in Brasilien : Echo einer halben Million Toten

          In Brasilien wächst der Unmut über die Corona-Politik des Präsidenten Jair Bolsonaro. Der denkt aber nicht an einen Kurswechsel – und setzt sich lieber an die Spitze von Motorrad-Korsos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.