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Slalom der Damen : Der Feiertag fällt aus

  • -Aktualisiert am

Im Familiensessel: Maria und Susanne Riesch Bild: AFP

Gold gewollt, Vierte geworden: Maria Riesch geht im Slalom leer aus. Die Österreicherin Marlies Schild siegt. Und die junge deutsche Garde liefert nur zum Teil peinliche Irrfahrten ab.

          3 Min.

          Platz vier - das ist nicht schlecht bei einem Weltcuprennen, bei einer Weltmeisterschaft aber nichts als ein Stimmungskiller. Und so stand Maria Riesch am Samstag im Garmischer Skistadion vor den Fernsehkameras und kommentierte ihren vierten Rang im Slalom tapfer, aber auch mit Enttäuschung in der Stimme. Sie war als Titelverteidigerin und Olympiasiegerin ins Rennen gegangen, da hatte - trotz ihrer gerade überstandenen Virusinfektion - alle Welt (oder doch ganz Deutschland) Gold von ihr erwartet, aber das war von vornherein ein bisschen viel verlangt. „Ich habe in dieser Saison ja nur einen einzigen Slalom gewonnen“, sagte Maria Riesch, „und Marlies Schild gleich fünf.“

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          So war der Sieg der Österreicherin, die vor ihrer Teamkollegin Kathrin Zettel und Maria Pietilä-Holmner (Schweden) gewann, die logische Folge der Weltcupsaison, allerdings war Marlies Schild in der Vergangenheit immer dann zuverlässig vom Kurs abgekommen, wenn es um große Titel ging. Diesmal aber behielt die weltbeste Slalomläuferin die Nerven und brachte nach Bestzeit im ersten Lauf auch ihren zweiten Versuch sicher ins Ziel. Danach dachte sie unter Tränen an ihren Freund Benjamin Raich, der sich im Teamwettbewerb der WM das Kreuzband gerissen hatte und bereits operiert worden ist. „Was da in den vergangenen Tagen passiert ist mit der Verletzung von Benni und heute mit meinem Sieg, das passt gar nicht zusammen“, sagte die neue Weltmeisterin. „Ich hoffe, es geht Benni jetzt wieder besser.“

          Für Maria Riesch bleibt es in der Garmischer WM-Bilanz bei zwei Bronzemedaillen, die sie im Super-G und in der Abfahrt gewann. Platz vier im Slalom, sagte sie, sei undankbar, natürlich, aber der Abstand zu der drittplazierten Schwedin sei „ja nicht gerade knapp“ gewesen, es waren 69 Hundertstelsekunden und damit eine kleine Ewigkeit. „Mir haben heute ein bisschen die Routine und das Training gefehlt“, sagte Maria Riesch. „Alle drei vor mir sind ja Slalom-Spezialistinnen.“ Sie wollte das nicht als Entschuldigung verstanden wissen, aber doch als sachdienlichen Hinweis, dass sie als Vielstarterin während der WM nur ein einziges Mal dazu gekommen sei, Slalom zu trainieren. Am Samstag hatte sie im ersten Durchgang zu wenig gewagt, war zwar noch Fünfte geworden, aber der Zeitabstand auf die Besten war zu groß. Als sie im zweiten Durchgang dann alles riskierte, unterliefen ihr zwei Fehler - und damit war die erhoffte Aufholjagd auch schon beendet.

          Mit Fan-Unterstützung unterwegs: Maria Riesch auf dem Gudiberg

          Keine totale Pleite? Für die Kolleginnen schon

          Zweimal Bronze - das ist nicht die Ausbeute, die sich die Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver in Garmisch erhofft hatte. Angesichts der Umstände könne sie damit aber doch zufrieden sein, sagt sie. „Ich habe das Beste für mich herausgeholt.“ Ihr Traum allerdings, bei der Heim-WM Weltmeisterin zu werden, habe sich nicht erfüllt. „Aber eine totale Pleite war es auch nicht.“

          Nicht für sie, aber für ihre Kolleginnen im deutschen Slalomteam. Fanny Chmelar wurde Fünfzehnte, für Katharina Dürr reichte es nur zu Platz 23, Susanne Riesch und Christina Geiger schieden nach peinlichen Irrfahrten aus. Es war ein Debakel für die junge deutsche Garde. Zu Beginn der Saison gemeinsam mit Maria Riesch noch als weltbestes Slalom-Team gerühmt, verfuhren sich die vier deutschen Damen im Stangengewirr des Gudibergs schon im ersten Durchgang und verspielten ihre Chancen. Sie alle sind Slalomspezialistinnen, ihnen allen wird außerordentliches skifahrerisches Talent bescheinigt, aber sie alle ließen Maria Riesch wieder einmal ganz allein gegen den Rest des Feldes antreten.

          „Sie sind einfach nur schwach gefahren“

          Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, hatte seine Slalomdamen schon nach ihrem schwachen Abschneiden beim letzten Weltcup in Zwiesel scharf kritisiert und gedroht, das deutsche WM-Kontingent von fünf Starterinnen nicht auszuschöpfen. Angesichts des Heimspiels in Garmisch und besserer Leistungen im Training schickte er schließlich doch fünf Damen ins WM-Rennen. Alles schien gerichtet an diesem Samstag für einen schönen deutschen Ski-Feiertag: Die Piste auf dem vertrauten Gudiberg, ein volles Stadion, 15.000 Zuschauer, ein erwartungsfrohes Publikum, der erste Lauf auch noch vom eigenen Trainer gesteckt - und dann diese enttäuschende Vorstellung. Maier war bedient. „Es lag nicht an der weichen Piste“, sagte er an die Adresse des Quartetts hinter Maria Riesch. „Sie sind einfach nur schwach gefahren. Es hat sich fortgesetzt, was sich in den letzten Rennen schon gezeigt hat. In Zwiesel wollte ich noch einen Warnschuss geben, aber die wenigsten kapieren das.“ Maier wirft seinen Slalomdamen vor, es sich im Schatten von Maria Riesch allzu bequem zu machen. Klar, sagt er, seien alle von der großen WM-Kulisse im Garmischer Skistadion beeindruckt gewesen, „das sind sehr hohe Erwartungen, und das ist ja das, was sie wollen“. Aber so oft nicht können.

          „Ich konnte mich nicht richtig überwinden, als es ins Steile ging“, sagte Susanne Riesch, die im zweiten Durchgang von einer Panne zur nächsten fuhr, ehe sie stürzte. Maier mag solche Sätze nicht. Auch seiner Laune hat dieser WM-Slalom nicht wirklich gutgetan. Die deutschen Damen, da darf man sicher sein, werden das zu spüren bekommen.

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