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Skisprung-Kommentar : Kein Fall für Diskussionen

  • -Aktualisiert am

Tom Hilde: Brutaler Sturz, aber kein Grund für Änderungen Bild: AFP

Der Sturz des Norwegers Tom Hilde taugt nicht für eine Grundsatzdiskussion übers Skispringen. Die Risiken sind bekannt. Und die Regularien streng genug.

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          Tom Hilde hat vieles richtig gemacht. Als der Norweger am vorletzten Tag des alten Jahres stürzte beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee, reagierte er instinktiv gut und milderte so sicher die Folgen der Havarie im nassen Neuschnee. Der linke Ski rutschte seitlich weg, er verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber nach vorne. Hilde schützte sich mit zusammengepressten Armen.

          Das ärztliche Bulletin las sich gleichwohl zunächst besorgniserregend: Bruch des achten Rückenwirbels, Prellungen am ganzen Körper, das Gesicht aufgeschürft. Dass er nach 24 Stunden, wenn auch mit schleppendem Gang, schon wieder auf den Beinen sein konnte, verführte Hilde nicht zu der Dummheit, den Sturz leichthin abzutun: Er wird diese Saison nicht mehr antreten und seine Verletzungen in Ruhe auskurieren, bevor er wieder mit dem Training beginnt.

          Zuversicht des Gestürzten: Tom Hilde kann schon wieder lachen

          Mannschaftsführer Clas Brede Bråthen sah „eine Mischung aus großem Risiko und den Bedingungen“ als Ursache für den Unfall. „Doch Tom hat beim Fallen alles richtig gemacht, er hat während des Sturzes gut reagiert, daraus kann er auch Selbstvertrauen ziehen.“ Bråthen nahm zugleich die Organisatoren des Auftaktspringens aus der Schusslinie: „Die Oberstdorfer haben die Schanze bestens präpariert.“ Auch Hilde, mit 24 Jahren ein erfahrener Springer, suchte nicht nach Ausreden: „Das war absolut mein Fehler, ich habe zu viel riskiert.“ Das Publikum und der besondere Anlass, der Beginn der 60. Vierschanzentournee, mögen ihn angestachelt haben, mehr zu wagen als bei diesem Schneefall angebracht war.

          Niemand verharmlost die Risiken

          Das vom Wetter beeinträchtigte Oberstdorfer Springen taugt jedoch nicht für eine neue Grundsatzdiskussion über die Gefahren der Freiluftsportart Skispringen. Niemand verharmlost die Risiken der Luftfahrt und der Landung mit Tempo hundert und mehr. Airbags oder ähnliche Schutzsysteme gibt es nicht. Doch über die Jahre haben Funktionäre, Trainer und Athleten viel dazugelernt, niemand will mehr einen Sprung um jeden Preis durchpeitschen, und das Reglement verhindert unverantwortliche Basteleien am Material wie an den Ski oder an den Anzügen.

          Ob der schlimm anzusehende Sturz für Hilde dennoch langfristige Folgen haben wird, kann derzeit keiner sagen. Er werde sich immer an den Crash erinnern, habe ihn aber verdaut. „Ich werde deshalb nicht schlechter springen“, behauptete er am Neujahrstag. Abwarten. Es geht ja nicht nur um die körperlichen Beschwerden, die bald abklingen werden. Der mentale Schaden könnte für den Sportler schwerer als gedacht sein. Und ein Skispringer mit Angst verliert nicht nur seine Leistungsfähigkeit, für ihn wächst auch die Gefahr, durch eigene Fehler wieder Stürze zu verursachen.

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