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Skisprung-Bundestrainer Schuster : „Mein Ziel ist es, wieder Gold zu gewinnen“

  • Aktualisiert am

Will seine Leute auf dem Podium sehen: DSV-Trainer Werner Schuster Bild: REUTERS

Unter der Regie des Österreichers geht es mit den deutschen Skispringern aufwärts. Zufrieden mit dem Status quo ist der 43-Jährige nicht. Im F.A.Z.-Interview spricht er über gewachsene Ansprüche bei der WM in Val di Femme - auch von der Großschanze (17 Uhr).

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          Die Hälfte der Skisprung-Wettbewerbe bei der WM ist vorbei. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

          Unser Glas ist definitiv halbvoll. Ich würde sogar sagen: zu Dreiviertel voll. In den letzten Jahren haben wir uns hauptsächlich nur auf Martin Schmitt und Michael Uhrmann stützen können. Jetzt ist die Basis breiter. Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wank sind von der kleinen Schanze Vierter, Sechster und Neunter geworden. Das war für alle drei Jungs ihre beste WM-Plazierung. Klar ist: Wir wollen natürlich Medaillen holen. Aber wir dürfen nicht die Geduld verlieren.

          Beim erstmals veranstaltenden Mixed-Wettbewerb reichte es zu Bronze. Ist das ein Wettkampf, der Zukunft hat?

          Ich denke schon, kann es als Trainer aber am wenigsten beurteilen. Ich bin anschließend oft darauf angesprochen worden, auch in unserem Quartier. Alle sagten, es sei eine tolle Geschichte gewesen. Entscheiden tut in letzter Konsequenz der Zuschauer, ob er das Format annimmt. Man sieht, wie schnell das im Biathlon gehen kann. Wenn es olympisch wird, bekommt es noch mehr Stellenwert. Fakt ist: Es hat Spaß gemacht.

          Nun geht es an diesem Donnerstag (17 Uhr) auf die Großschanze in Predazzo. Erhält Andreas Wellinger, der Aufsteiger der Saison, dann eine Chance?

          Er ist voraussichtlich nicht dabei. Wir haben momentan vier stärkere Springer. Aber grundsätzlich verhält der junge Mann sich toll. Er hat einen guten Start in den Winter hingelegt. Dass seine Leistungen schwanken, ist normal. Man darf nicht vergessen, dass er erst vor zwei Jahren von den Kombinierern umgestiegen ist. Wellinger kennt noch nicht diese Wettkampfhäufigkeit auf hohem Niveau. Er lebt von der Unbeschwertheit, und ihn unterscheidet ein Merkmal von einem Durchschnittsjungen: Er ist gut sortiert. Wenn er einen Fehler macht, ist er nicht eingeschnappt, sondern sehr klar im Kopf. Man kann gut mit ihm arbeiten. Für mich ist er ganz klar eine Hoffnung für die Zukunft.

          Wann sind Sie zufrieden?

          Im Moment bin ich es. Und ich will, dass wir uns sportlich weiterentwickeln. Im Einzel wollen wir nachlegen, dann den Drive mitnehmen in den Mannschaftswettbewerb und seriös um Gold mitkämpfen. Dass wir diesen Level verlässlich erreichen, das möchte ich erleben.

          Severin Freund sagt, die neuen Anzüge, die enger anliegen und die Möglichkeit einschränken, vom Aufwind zu profitieren, würden Fehler härter bestrafen. Wie gehen Sie damit um?

          Die Entwicklung beobachten wir schon die ganze Saison, da hat sich bei der WM nichts verändert. Man sieht auch, dass es nur einen einzigen Sportler gab, der die ganze Zeit beständig gut gesprungen ist, egal bei welchen Bedingungen, egal ob auf der Groß- oder Kleinschanze: Gregor Schlierenzauer. Er zieht sein Ding durch, das zeigt seine Ausnahmestellung.

          Was erwarten Sie von Freund, nachdem er im Mixed als Schlussspringer dem Druck standgehalten hat?

          Na ja, Druck hatte er ja nicht unbedingt. Wir hatten neun Meter Vorsprung auf Bardal. Das mussten wir durchbringen, es war nicht die große Bewährungsprobe. Severin wird weitere Prüfungen bekommen. Er hat für mich dafür eine andere Herausforderung gemeistert. Er war zur WM mit Vorleistungen angereist, die unbeständig waren, und auch die ersten Trainingseindrücke waren nicht so herausragend, dass man ihn definitiv in den Kreis der Medaillenkandidaten hätte einkalkulieren können. Aber er hat sich gesteigert, von Sprung zu Sprung. Wenn er sich im Training stabilisiert, wäre das die Basis für eine Medaille. Wenn du von zu weit hinten kommst, wird es extrem schwierig.

          Fähnchen im Wind: Schuster auf der Suche nach dem richtigen Timing für den Absprung Bilderstrecke
          Fähnchen im Wind: Schuster auf der Suche nach dem richtigen Timing für den Absprung :

          Hat das Auf und Ab bei den Resultaten, das auch bei Richard Freitag regelmäßig zu beobachten ist, etwas mit dessen Alter zu tun? Er ist erst 21.

          Nein. Das hängt mit seinem Saisonverlauf zusammen. Es zieht sich bei ihm wie ein roter Faden durch. Er hat fleißig trainiert, aber keine Konstanz drin. Es dauerte lange, bis er die Anzüge im Griff hatte. Er hat deswegen nie so eine tiefgründige Selbstsicherheit aufgebaut. Aber es ist besser geworden. Er arbeitet gut und setzt sich vom Kopf keine Grenzen. Er sucht das Limit, riskiert alles. Deswegen ist er in Klingenthal ausgeschieden und hat danach in Oberstdorf gewonnen. Bei ihm sehe ich an guten Tagen eine Qualität beim Fliegen, die außergewöhnlich ist.

          Als Sie 2008 zum DSV kamen, haben Sie einen langfristigen Aufbau zurück zu alter Stärke angekündigt. Welchen Stellenwert in der Entwicklung besitzt diese WM?

          Medaillen haben wir immer gemacht seit 2009. Bronze hier im Mixed-Wettbewerb ist nicht der Zwischenschritt, den ich mir auf die Fahnen schreibe. Mein Ziel ist, wieder Gold zu gewinnen. Unsere erste Chance hier in Val di Fiemme haben wir nicht genutzt. Aber in meiner Zeit waren wir noch nie mit so einer starken Mannschaft bei einer WM. Und sie ist auch die jüngste, die wir je hatten. Jetzt müssen wir sehen, wie reif sie schon ist.

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