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Skispringer Simon Ammann : Ein ganz anderer Wind

  • -Aktualisiert am

Vorlaute Nummer eins - Neujahrssieger Simon Ammann Bild: dpa

Simon Ammann macht sich als Gewinner des Neujahrsspringens unbeliebt. Die Favoritenstürze in dem irregulären Wettbewerb tut der Schweizer ab. Damit ist genug Zündstoff für die dritte Runde in Innsbruck am Montag vorhanden.

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          Man kennt das ja: Das Herz ist voll - und dann läuft bei jungen Sportlern schon mal der Mund über. Im Überschwang der Gefühle sprudelt das eine oder andere Wort heraus, das nicht für die Ewigkeit bestimmt ist - und wer wird so etwas denn schon auf die Goldwaage legen? Abhaken also, was Simon Ammann von sich gegeben hat nach dem Sieg beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, als er die Konkurrenz runtermachte? Nun ist der Schweizer nicht mehr ein Jungspund oder neu im Geschäft. Im Juni wird er dreißig, und die Erfahrung von zwei doppelten Olympiasiegen hat ihn im Umgang mit der Öffentlichkeit geschult. Druckreif spricht er, gleich ob Deutsch oder Englisch, und für seine Gedanken zum Skispringen hat er reichlich Lob eingeheimst.

          Was aber ist mit Simon Ammann geschehen bei dieser Vierschanzentournee, was lässt ihn plötzlich erscheinen wie einen abgehobenen Star, der die Psychospielchen mit der Konkurrenz auf die Spitze treibt? Seine wiederholte Aussage, er „werde“ - nicht er „wolle“ oder „würde gerne“ - die Tournee gewinnen, auch als er hinter dem Österreicher Thomas Morgenstern dreißig Punkte zurücklag, wurde noch mit Lächeln quittiert. Als - zweifellos verdienter - Sieger des von heftigem Wind beeinflussten, nach nur einem Durchgang beendeten Springens von Garmisch-Partenkirchen aber ließ er in einigen Bewertungen den gebotenen Respekt vor den Konkurrenten vermissen. Minutenlang dozierte er, als wisse nur er, wie Skispringen richtig geht.

          Umstrittene Veranstaltung

          Jahrelang lebte die deutsch-österreichische Vierschanzentournee auch von einer Rivalität der Veranstalterländer, ehe der Sturm abflaute. Vielleicht bedurfte es einer umstrittenen Veranstaltung wie am Neujahrstag 2011, um einen neuen Zweikampf anzufachen. Auf einmal sind die Rollen vertauscht, und die oft als über-patriotisch dargestellten Österreicher bekommen als Verlierer des Neujahrsspringens Applaus für ihre Fairness. Ihr Trainer Alexander Pointner spricht mit Stolz davon, wie sich seine Athleten verhalten hätten - abseits der Schanze, nach dem Springen.

          Martin Schmitt trug sein bester Sprung in diesem Winter auf Platz sieben

          Der Wind, in Garmisch-Partenkirchen oft störender Begleiter bei Skispringen, hatte das Feld mächtig durcheinander gewirbelt. Zwar war der Sturz von Ville Larinto bei 140,5 Metern nicht Folge der Witterungsbedingungen, und dass sich der Finne einen Kreuzbandriss zuzog, war sicher auf die fest eingestellte Bindung zurückzuführen, die sich nicht geöffnet hatte. Aber auch andere Favoriten strauchelten; langwierige Unterbrechungen und die neue Regel, je nach Wind Extrapunkte zu vergeben, halfen nicht, nur annähernd Chancengleichheit zu schaffen. Titelverteidiger Andreas Kofler aus Österreich konnte, vom Wind gepackt, gerade noch einen Sturz verhindern - von Platz fünf nach Oberstdorf fiel er durch seinen 50. Platz von Garmisch-Partenkirchen auf Rang 29 der Gesamtwertung aussichtslos zurück.

          Er begnügte sich in seinen Kommentaren mit feinen Stichen. „Die Jury hat meiner Meinung nach nicht immer ganz richtig reagiert“, sagte er nur, „ich hoffe, dass sie aus ihren Fehlern lernt.“ Morgenstern wurde nur 14., sein Vorsprung in der Tournee-Wertung vor Ammann schrumpfte auf 13,5 Punkte. Ihr Trainer bewahrte Fassung: „Ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen gesteckt haben.“ Allerdings, fand Pointner, sei es wohl unnötig gewesen, „so viele Spitzenathleten vorzuführen, die sicherlich sehr gut springen, wie zum Beispiel Matti Hautamäki“. Auch der Finne, Zweiter von Oberstdorf, wurde als 34. ein Windopfer.

          Deutliche Kritik

          Sicherlich sei das Springen nicht regulär gewesen, sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster. Einige seiner Athleten gehörten zu den Opfern des Windes. Severin Freund, in Oberstdorf bester Deutscher als Sechster, landete auf Platz 42. Er hielt sich mit Bewertungen der Jury-Arbeit zurück, stellte aber fest: „Ohne Wind-Regel hätten wir heute wahrscheinlich keinen Wettkampf gehabt.“

          In die Bresche sprang in Garmisch-Partenkirchen Martin Schmitt, den - bei guten Bedingungen - sein bester Sprung in diesem Winter auf Platz sieben trug. Schuster fand in Garmisch-Partenkirchen, wo oft gerade am Nachmittag turbulente Windverhältnisse herrschen, aber auch deutliche Worte der Kritik: „Wir hätten am Vormittag die Chance gehabt, eine phantastische Show abzuliefern.“ Man müsse „dem Veranstalter auf die Finger klopfen und gemeinsam eine Lösung suchen, um nicht ganz so wetterabhängig zu sein“, sagte er, „das ist nämlich eine ganz wichtige Veranstaltung“.

          Ammann dagegen sah die Probleme in erster Linie bei seinen Kollegen. Kofler, sagte der Schweizer, habe auch schon im vergangenen Jahr - in dem der Österreicher ja immerhin Sieger der Vierschanzentournee war - mit seinem Stil Schwierigkeiten gehabt und ebenso schon in der Qualifikation zum Neujahrsspringen. „Sich auf so ein Springen einzustellen, war vielleicht heute für einige zu schwierig“, sagte Ammann. Er habe gespürt, „mein Körper hat die Kraft, das Feuer ist innen drin“. Dieses leuchtende Feuer werde er gegen jeden Widerstand verteidigen. Spätestens an diesem Montag wird er den Widerstand spüren - noch geben sich die Österreicher nicht geschlagen. Am Bergisel weht nämlich ein ganz anderer Wind.

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