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Skispringen : Vierschanzentournee für Frauen

  • -Aktualisiert am

Breites Grinsen im Gesicht: Katharina Althaus (rechts) wird Dritte in Klingenthal. Bild: dpa

Die Skispringerinnen machen in Klingenthal mit den Männern gemeinsame Sache und haben einen Traum. Der neue Modus sorgt für eine ungewohnte Kulisse – und trägt erste Früchte.

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          Katharina Althaus hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Das lag natürlich zum einen am Ergebnis, das die Oberstdorferin beim Weltcup-Skispringen in Klingenthal erzielt hatte. Platz drei – das erste Podium in dieser noch jungen Saison. Ein anderen Grund aber war die ungewohnt stattliche Kulisse in der Vogtland-Arena mit etwa 5000 Zuschauern. „Man hört die tolle Stimmung oben, das ist mega cool“, sagte die 23-Jährige, „da springt es sich gleich viel einfacher.“

          Leicht waren die Bedingungen wahrlich nicht. Wegen heftiger Windböen war das Springen der Frauen immer wieder verschoben worden. Eigentlich hätten die mutigen Frauen auch deutlich bessere Bedingungen verdient gehabt. Denn in Klingenthal fand historisches statt: Zum ersten Mal sind Männer und Frauen am selben Tag in einem eigenen Wettbewerb angetreten. Ein nächster Schritt auf dem Weg zur Gleichbehandlung. „Das ist der richtige Weg“, sagte Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer. Ihm schwebt ein gemeinsames Miteinander wie beim Biathlon oder beim Skilanglauf vor. Auch da gehen Männer und Frauen nacheinander auf die Strecke.

          „Die Breite muss größer werden“

          Doch bis gemeinsame Wettbewerbe im Skispringen zur Normalität gehören, wird noch einige Zeit vergehen. „Die Breite muss größer werden, nur wenige Frauen können problemlos weit springen“, sagt Sandro Pertile. Der Italiener hat als Technischer Delegierter das erste Frauenspringen im Februar 2016 am Holmenkollen bei Oslo begleitet und verfolgt seitdem deren Entwicklung mit Interesse. In diesem Punkt können ihm auch die Springerinnen nicht wirklich widersprechen. „Die jenseits der 15 Besten sind schon noch weit weg“, gibt Althaus zu, „für die ist es schwierig, auf der Großschanze die entsprechende Leistung zu bringen.“ Coach Bauer erkennt trotzdem eine Entwicklung. „Um unter die besten 30 zu springen“, sagt der Coach, „muss man heute zehn Meter weiter springen als noch vor zwei Jahren.“

          Nach wie vor aber gibt es noch einen großen Leistungsunterschied zwischen den Männern und Frauen. Auch wenn die 141 Meter von Klingenthal-Siegerin Chiara Hölzl mit dem Flug von 144,5 Metern ihres österreichischen Landsmanns Philipp Aschenwald auf den ersten Blick keinen großen Unterschied erkennen lassen. Die Männer fuhren aus Luke neun los, der Anlauf der Frauen war sieben Meter länger. Beim Absprung waren sie deswegen etwa drei Kilometer pro Stunde schneller als ihre männlichen Kollegen.

          Obwohl die Skispringerinnen in den vergangenen zehn Jahren viel erreicht haben – seit den Titelkämpfen 2009 gehören sie zum WM-Programm, seit der Saison 2011/12 gibt es einen Weltcup, 2014 war die olympische Premiere – , haben sie einen Traum. Allzu gerne würden sie am Skisprung-Highlight schlechthin teilnehmen: der Vierschanzentournee. „Für uns wäre es ein Riesen-Highlight, wenn es eine Vierschanzentournee für Frauen geben würde“, sagt Althaus, „dies würde die Aufmerksamkeit deutlich verbessern, wir würden wieder ein bisschen mehr ins Rampenlicht rücken.“

          Doch allzu große Hoffnung will ihnen Sandro Pertile, der vom kommenden Winter an als Nachfolger von Walter Hofer die Position des Rennleiters bei den Männern übernehmen wird, nicht machen. Dem allzu ungestümen Drängen der Frauen begegnet er mit dem Hinweis: „Wenn man nur einige wenige Athletinnen hat, die um den Sieg springen können, dann präsentiert man ein schwaches Produkt.“ Trotzig kontert Althaus: „Das Feld vorne ist schon zusammengerückt.“ Pertile lässt eine Tür offen: „Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir das richtige Produkt entwickeln.“

          Hilfreich dabei sind gemeinsame Veranstaltungen wie die in Klingenthal. Auch wenn die zwei Wettbewerbe eine Herausforderung darstellen. Allein die freiwilligen Helfer mussten von morgens zehn Uhr bis abends 18 Uhr Dienst tun. Deshalb sagte Bundestrainer Bauer: Ein Lob an den Veranstalter, dass er sich so für die Frauen eingesetzt hat.“ Das nächste Treffen von Männern und Frauen auf einer Schanze wird Anfang März am Holmenkollen im Rahmen der Raw Air sein. Beim Gedanken daran hat Katharina Althaus sofort wieder ein Grinsen in Gesicht.

          Kobayashi siegt in Klingenthal – Geiger Fünfter

          Karl Geiger hat seinen Status als derzeit bester deutscher Skispringer auch beim Heim-Weltcup in Klingenthal untermauert. Der 26 Jahre alte Oberstdorfer belegte am Sonntag in Sachsen nach Sprüngen auf 132 und 132 Meter den fünften Platz und war mit Abstand der beste Sportler im Team von Bundestrainer Stefan Horngacher. Den Sieg sicherte sich vor 4238 Zuschauern in der Vogtland-Arena der Japaner Ryoyu Kobayashi vor Stefan Kraft aus Österreich und dem Norweger Marius Lindvik. Als zweitbester Deutscher belegte der dreifache Seefeld-Weltmeister Markus Eisenbichler den 15. Rang.

          Überschattet wurde der Wettkampf von einem schweren Sturz. Der Norweger Thomas Aasen Markeng fiel nach der Landung zu Boden und musste mit einer Trage aus dem Auslauf gebracht werden. Eine Diagnose stand zunächst aus. (dpa)

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