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Abschied vom Skispringen : Ein Freund, ein guter Freund

Das war’s: Severin Freund beendet seine Karriere als Skispringer. Bild: Reuters

Severin Freund war Olympiasieger und Weltmeister, aber auch jahrelang Ruhepol und Spiritus Rector der deutschen Skisprung-Mannschaft. In Planica beendete der Niederbayer nun seine Karriere.

          2 Min.

          Die letzten Flüge. Die letzten Ovationen. Zweimal noch ging Severin Freund in die Anlaufspur, um möglichst weit zu fliegen. Dann war Schluss für den Skispringer, der sich aufgrund seiner Persönlichkeit besonderer Wertschätzung erfreut. Der Mensch Freund wird das Saisonfinale in Planica überdauern, doch der Sportler Freund geht in Rente.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Es ist das Ende einer großen, beeindruckenden Karriere. Mit der Deutschland-Fahne um den Hals winkte der 33 Jahre alte Niederbayer in die tobende Menge. Etliche Meter über ihm, auf dem Trainerturm an der riesigen Schanze, erwiesen ihm sämtliche Coaches stehend ihre Reverenz.

          Olympiasieger ist Freund geworden, Weltmeister auch. Nun das selbstbestimmte Karriere-Ende. „Es ist unheimlich schön, hier zu stehen und sagen zu können: Ich bin unglaublich zufrieden, es war eine wunderschöne Zeit“, sagte Freund am ARD-Mikrofon: „Ich bin wahnsinnig dankbar. Es waren Momente dabei, die wie im Traum gewesen sind, ein Stück weit unwirklich.“

          Freund ist jahrelang der Ruhepol, der Spiritus Rector der deutschen Skispringer gewesen. Einer, der zum Ausklang seiner großen Laufbahn gelassen mit anschauen konnte, wie sich Ryoyu Kobayashi erwartungsgemäß und verdient den Sieg im Gesamtweltcup vor Karl Geiger sicherte.

          „Einer war leider vor mir“

          Schon nach dem ersten Einzelwettkampf am Freitag war klar, dass der Oberstdorfer den Japaner nicht mehr einholen würde. Insofern war es versöhnlich, dass Geiger am Sonntag mit seinem zweiten Flug auf 242 Meter noch einmal sein großes Können bewies und in der Gesamtaddition Platz 16 belegte. Sieger des letzten Saisonspringens im slowenischen Tal der Schanzen wurde der norwegische Olympiasieger Marius Lindvik.

          Kobayashi reichte Platz acht, um mit 1621 Punkten das monatelange Kopf-an-Kopf-Rennen mit Geiger (1515) für sich zu entscheiden. Der Allgäuer schickte nach der knappen Niederlage prompt eine Kampfansage an Kobayashi: „Einer war leider vor mir. Ich werde schauen, was ich nächstes Jahr besser machen kann. Es wäre schön, wenn wir das irgendwann noch gewinnen.“

          Der letzte deutsche Gewinner der Gesamtwertung? Severin Freund. In der Saison 2014/2015 war keiner besser als der Mann, der vor allem das Skifliegen so liebt. Wettkämpfe auf der Raw-Air-Serie in Norwegen, das Heimspiel auf der Oberstdorfer Heini-Klopfer-Schanze sowie das traditionelle Finale in Planica liegen dem Familienvater besonders am Herzen. Dass es am Ende seiner wirklich letzten beiden Flüge „nur“ zu Platz 28 reichte – geschenkt.

          Freund war mit sich im Reinen, und schon vor einer Woche, sagte er jetzt in Planica, sei in ihm der Entschluss gereift, es genauso wie Teamkollege Richard Freitag zu machen. Der Sachse hatte seine Karriere in seiner Wahlheimat Oberstdorf beendet, Freund hat jetzt nachgezogen. „Ich habe mir überlegt, was das nächste Ziel ist“, sagte der 33 Jahre alte Mannschaftssenior. Die Antwort: „Mir ist kein klares eingefallen.“

          Nun also der Schlussstrich in Planica, an einem der schillerndsten Orte des Skispringens. „Severin war viele Jahre mein Vorbild“, sagte Geiger voller Re­spekt und Dankbarkeit. Und auch Markus Eisenbichler musste „ein paar Tränen verdrücken“, wie er gestand. „Ich war mit Severin schon im Internat. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

          Bundestrainer Stefan Horngacher sagte: „Er hat vorgelebt, wie man als Spitzensportler sein muss.“ Mag Freund mit 22 Weltcupsiegen hinter Jens Weißflog (33) und Martin Schmitt (28) nur die dritte deutsche Kraft in dieser Statistik gewesen sein: Für viele war er einer der größten Skispringer – und mehr noch: ein wahrer Freund.

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