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Vierschanzentournee : Nur Eisenbichler macht Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Skispringer Markus Eisenbichler hübschte die deutsche Bilanz auf. Bild: dpa

Markus Eisenbichler hübscht die Leistung der deutschen „Adler“ in Oberstdorf auf. Der Österreicher Stefan Kraft hängt alle ab – und Severin Freund spielt eine Nebenrolle.

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          Für gewöhnlich bescheren die Tage nach Weihnachten den deutschen Skispringern die größte Beachtung. Wenn Silvester näher rückt und die Vierschanzentournee beginnt, erfahren die Athleten, die seit ihren spektakulären Höhenflügen vor mehr als zehn Jahren von den eigenen Fans nach wie vor gerne als „Adler“ gehuldigt werden, einen öffentlichen Zuspruch, der für sie auf ihrer Winterreise durch die Berge ansonsten alles andere als üblich ist – und einhergeht mit einer Erwartungshaltung, die für sie zwei ungleiche Seiten besitzt: Sie kann zusätzlichen Druck erzeugen, der das unbeschwerte Abheben erschwert, oder aber beflügeln. So wie es am Freitag in Oberstdorf in Person von Markus Eisenbichler zu beobachten war.

          Zumindest für den 26-Jährigen Siegsdorfer nahm der Abend vor 25.500 Zuschauern einen vorzeigbaren Verlauf, wie ihn Bundestrainer Werner Schuster mehrheitlich erhofft haben dürfte – aufgrund der vorherigen, schwankenden Leistungen aber nicht unbedingt erwarten konnte. Eisenbichler, der noch nie einen Weltcup für sich entschied und in dieser Saison ursprünglich nur für den B-Kader vorgesehen war, hübschte mit seinem Auftritt die verbesserungswürdige deutsche Bilanz auf und sprang auf den sechsten Platz (135, 133,5 Meter).

          Mit Blick auf die Gesamtwertung ein respektables Abschneiden, das zumindest ihm bis zum Finale am 6. Januar in Bischofshofen die theoretische Gelegenheit bietet, sich weiter in den Vordergrund zu schieben. Noch besser machte es Stefan Kraft aus Österreich, der mit Weiten von 139 und 134,5 Metern alle anderen abhängte. Zweiter wurde der Pole Kamil Stoch (137, 135 Meter) vor Michael Hayböck (135, 133), einem weiteren Österreicher.

          „Er soll es genießen.“

          Der Auftakt zur 65. Auflage der prestigeträchtigen Wettkampfserie ging für einen Favoriten, auch fast schon traditionell, mit einem desillusionierenden Resultat zu Ende – und so bewahrheitete sich auch für Domen Prevc, der nur 26. wurde, was Generationen von Teilnehmern vor dem Slowenen ebenfalls lernten: In Oberstdorf lässt sich die Tournee nicht gewinnen, aber bereits verlieren.

          Der souveräne Weltcup-Spitzenreiter, der nur 124,5 sowie 127 Meter erreichte, besitzt bereits 50 Punkten Rückstand auf Kraft und wird bei der Vergabe des Goldenen Adlers garantiert leer ausgehen. Sven Hannawald war 2001/2002 der bis heute letzte Deutsche, der die Tournee gewann. Lang ist es her. Im Hier und Jetzt besitzt für Schuster der wieder erstarkte Eisenbichler auch aufgrund seiner Routine immerhin das Potential, die Schwächen manch höher eingeschätzter Kollegen und Konkurrenten ausnutzen und so für eine Überraschung sorgen zu können: „Er soll es genießen.“

          Eisenbichler will es sich zu Herzen nehmen. „Wenn man etwas Besonderes aus der Tournee macht, sind schon viele gescheitert. Ich gehe das eher relaxed an“, sagte der Oberbayer. Sich zu früh „gedanklich mit der Gesamtwertung zu beschäftigen“, so hatte er in der Erläuterung seiner Marschroute angefügt, „wäre kontraproduktiv“.

          Geheimtraining an Weihnachten

          Wesentlich unerfreulicher verlief die Veranstaltung im Allgäu für Severin Freund (129, 127,5), der als Zwanzigster eine Nebenrolle spielte. Er wirkte darüber aber nicht sonderlich enttäuscht, sondern fühlte sich in seiner zurückhaltenden Selbsteinschätzung bestätigt. Der Team-Olympiasieger, der vor zwölf Monaten in Oberstdorf auf dem Podest ganz oben landete, sagte, es sei ihm „von Anfang an klar gewesen“, dass er sich gegenwärtig weiter hinten einzuordnen habe.

          Starkes Stück: Stefan Kraft gewinnt den Auftakt in Oberstdorf. Bilderstrecke

          Die Folgen seiner Hüftoperation seien noch nicht ausgestanden. Die Tournee komme für ihn nach einem Sommer, in dem er nur eingeschränkt trainieren konnte, zu früh: „Auch wenn es sich blöd anhört, jetzt heißt es: weitermachen“. Freund sieht die Deutschen ohne maßgebliche Beiträge seinerseits „mannschaftlich im Mittelfeld aufgestellt“; Andreas Wellinger (14. Platz.) und Stefan Leyhe (17.) reihten sich vor ihm ein.

          Nach nur einer kurzen Nacht, in der der Tournee-Tross weiterzog, geht es mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen weiter. Dass die Deutschen sich dafür einiges vorgenommen haben, wurde deutlich, als Schuster nach Heiligabend spontan in Garmisch-Partenkirchen ein „Geheimtraining“, wie er es bezeichnete, ansetzte. Was es seinen Leuten brachte, wird sich – in aller Offenheit – schon an diesem Samstag von 14 Uhr an zeigen.

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