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Geiger holt WM-Bronze : „Das ist schon ziemlich beeindruckend“

  • -Aktualisiert am

Trotzt den widrigen Bedingungen: Karl Geiger Bild: AP

Bei der Heim-WM in Oberstdorf zeigt Skispringer Karl Geiger, dass er sein Formtief überwunden hat. Der Coup ist auch der Vorarbeit von Trainer Stefan Horngacher zu verdanken.

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          Auf Karl Geiger kann sich das deutsche Skisprung-Team verlassen. Nach 132 Metern und Platz sechs im ersten Durchgang sprang der Oberstdorfer noch einmal so weit. Damit verbesserte er sich am Freitagabend auf Platz drei. Bronze auf der Großschanze, Silber auf dem kleinen Bakken und Gold im Mixed – der 28-Jährige hat bei seiner Heim-WM den kompletten Medaillensatz abgeräumt.

          „Das ist schon ziemlich beeindruckend“, sagte er ohne sichtbare Emotionen, „ich weiß selber noch nicht genau, ob ich das schon einordnen kann.“ Dies tat in Vertretung Bundestrainer Stefan Horngacher. „Unwahrscheinlich“, so das Urteil des Coaches, „Karl war ein Stück hinter den Medaillen zurück, hat dann einen Wahnsinnssprung bei schlechten Bedingungen rausgeholt.“ Der Coach war beeindruckt: „Er hat zurecht Bronze gewonnen.“ Weltmeister ist überraschend der Österreicher Stefan Kraft vor Robert Johansson (Norwegen) geworden.

          Als überraschend kann man auch die Vorstellungen Geigers bei diesen Titelkämpfen bezeichnen. Noch vor vier Wochen steckte der mittlerweile viermalige Weltmeister im Formtief, konnte sich in Klingenthal zweimal nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren. „Steff hat einen großen Anteil an meiner Entwicklung in den letzten Wochen“, sagt er.

          Nicht nur in diesem Zeitraum. Als der Österreicher Horngacher den Posten des Bundestrainer von seinem Landsmann Werner Schuster übernahm, der nach elf Jahren im Frühjahr 2019 seinen Posten quittierte, hatte das Team bei den Weltmeisterschaften in Seefeld drei Titel geholt – im Team, im Mixed und im Einzel. Markus Eisenbichler und Geiger war im Springen von der Großschanze sogar Platz eins und zwei geglückt. Mehr geht kaum.

          Mit Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft

          Doch Horngacher nahm die Herausforderung an. Der 51 Jahre alte Österreicher hat mit viel Fingerspitzengefühl, aber auch mit der nötigen Überzeugungskraft kleine, aber entscheidende Korrekturen im Trainingsprogramm des deutschen Teams vorgenommen. „Steff ist mutig genug, Dinge zu hinterfragen, und er hat nicht versucht, Werner Schuster zu kopieren“, hat der ehemalige Weltmeister und Eurosport-Experte Martin Schmitt beobachtet.

          Horngacher, der in Titisee-Neustadt im Schwarzwald mit seiner Familie lebt, weiß genau, was er will. Der Mann mit dem Blick für die Details mischt sich gerne direkt in die tägliche Trainingsarbeit ein. Das macht ihm großen Spaß. „Ich bin nicht der Typ, der sagt: Ich brauche einen Superstar, der gewinnt alles und das war es“, sagt Horngacher. Ihm wäre das als Trainer zu einfach. Einen Superstar zu trainieren, sei nach seiner Auffassung nicht so schwer. „Das Supertalent brauchst du nur führen und es geht“, behauptet er, „die große Traineraufgabe ist es, mehrere Leute heranzuführen oder jüngere Leute von unten hochzuführen.“

          Dass der zweimalige Team-Weltmeister diese Talente entwickeln kann, hat er an seinen verschiedenen Stationen bewiesen. Zuerst als Junioren-Trainer in Polen. Damals gehörte ein junger Springer namens Kamil Stoch zu seinen Schützlingen. Dann wechselte er als Stützpunkttrainer nach Hinterzarten. Um danach wieder nach Polen zu gehen, als Cheftrainer. Stoch gewann unter seiner Anleitung Olympia-Gold und alle vier Springen der Vierschanzentournee 2017/18, er formte Dawid Kubacki und Piotr Zyla zu Weltklasse-Athleten. Kubacki gewann 2019 WM-Gold von der kleinen Schanze, in Oberstdorf wurde Zyla sein Nachfolger.

          Horngacher muss sich anpassen

          In einigen Punkten musste sich Horngacher nach seinem Wechsel in die Dienste des Deutschen Skiverbandes (DSV) anpassen. Zum einen ist seine Präsenz in der DSV-Zentrale in Planegg bei München mehr gefragt, was den begeisterten Mountainbiker um viele Touren bringt. Auch die Arbeit mit den Medien ist aufwendiger als in Polen.

          So fordern ARD oder ZDF bei jedem Springen nach dem ersten und zweiten Durchgang ein Statement des Bundestrainers ein. Dabei wirkt Horngacher oft etwas spröde und kauzig. Ganz im Gegensatz zu seinem eloquenten Vorgänger Schuster oder Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl. Die wissen markige Worte als Werbung für ihre Sportart einzusetzen. Horngacher mag lieber die leisen Töne. Doch der Tiroler kann auch laut. Allerdings dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Zur Entspannung packt er die Gitarre aus und zupft rockig die Saiten – am liebsten spielt er Stücke von Metallica, Black Sabbath oder Guns n‘ Roses. Bewusst setzt er dieses Hobby nicht zur Imagebildung ein. Er will nur ein guter und erfolgreicher Trainer sein. „Ich weiß, dass ich nicht so lustig schau, wenn es nicht läuft und ich so richtig drin bin in einer Emotion“, sagt Horngacher. Das hat er mit einer anderen Trainer-Institution aus dem Südwestzipfel der Republik gemein: „Der Christian Streich kann das ja auch. Also, das mit dem grimmig schauen.“

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