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Skispringen : „Es wird kein Comeback geben“

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Eine Karriere „als Fotomodel wäre was”: Sven Hannawald neben Franziska van Almsick Bild: ddp

Sven Hannawald hat in der Diskussion um die Misere im deutschen Skispringen einschneidende Maßnahmen gefordert. „Um alles ins Laufen zu bringen, braucht es Härte. Da muß man all die eingeschliffenen Dinge abschaffen“, sagte er in einem Interview.

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          Sven Hannawald hat in der Diskussion um die Misere im deutschen Skispringen einschneidende Maßnahmen gefordert. „Um alles ins Laufen zu bringen, braucht es Härte. Da muß man all die eingeschliffenen Dinge abschaffen“, sagte er in einem Interview.

          Wie geht es Ihnen im neuen Leben als Vater?

          Gut. Ich kann zwar ganz am Anfang noch nicht so viel mit dem Kleinen tun, aber ich bringe mich ein. Ich helfe zum Beispiel auch beim Windelnwechseln, wenn Streß ist. Wenn er laufen kann, bin ich sowieso mehr gefordert.

          Mit fast fünf Kilo war der kleine Matteo ja schon bei der Geburt ein Riesenbrocken.

          Ich weiß auch nicht, von wem er das hat. Nadine und ich - wir sind beide groß und schlank. Aber da hat er wenigstens was zum Zusetzen.

          Und wie verändert sich durch so ein Baby die Perspektive aus Leben?

          Er zieht mich endlich komplett ins Leben zurück. Da gibt es keine Gedanken mehr ans Skispringen, wenn der Kleine brüllt. Es ist gut zu merken, daß es nicht nur das eine im Leben gibt. Weihnachten war umso schöner - erst bei Nadines Eltern und dann bei meinen.

          Ihre Eltern wohnen ja auch in der erweiterten Nähe der vier Tourneeschanzen.

          Vielleicht nehme ich das eine oder andere Springen mit. Ich weiß das noch nicht genau. Wenn, dann würde ich Nadine und den Kleinen mitnehmen. Dann bekommen Sie auch mit, was für eine tolle Stimmung bei der Tournee herrscht.

          Und wie würde es Ihnen an der Schanze gehen?

          Wenn man 20 Jahre dabei war, fällt es sehr schwer, loszulassen. Andere gehen damit vielleicht lockerer um, aber ich habe so meine Schwierigkeiten als passiver Zuschauer. Das ist ein Schwebezustand bei mir, ich muß es erst abschließen und eine neue Aufgabe finden.

          Wer sind diesmal die Favoriten für Sie?

          Eigentlich immer die ersten Drei des Gesamtweltcups plus zwei Überraschungen. Der Österreicher Schlierenzauer ist in einer tollen Form. Aber auch der Norweger Jacobsen hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Aber man kann vorher nie wissen, wer mit dem ganzen Rummel gut umgehen kann. Deshalb gibt es immer wieder erfahrene Leute, die das Feld von hinten aufrollen können. Adam Malysz ist so einer. Es wird spannend, weil es so viele neue Gesichter gibt.

          Allerdings nicht aus dem deutschen Lager.

          Ich bin überzeugt, daß Sie sich Stück für Stück ranarbeiten werden. Natürlich ist die Tournee spannender, wenn ein Deutscher vorne mitkämpft. Aber manchmal muß man nur Kleinigkeiten ändern und es geht von 0 auf 100. Martin Schmitt hat das Potential, das durchzuziehen. Michael Uhrmann hat schon im Training gezeigt, was er kann. Und bei Georg Späth hat es der Peter Rohwein bisher nicht geschafft, ihn richtig zu kitzeln. Er ist ein Riesentalent.

          Wie ist Ihre Meinung zur Diskussion um den Trainer?

          Wenn ich mit Peter rede, strahlt er immer eine große Ruhe aus. Aber das Ganze hängt nicht von einer Person ab. Es ist vor allem die Unsicherheit der Athleten, die ein Problem ist. Wenn die nicht da wäre, wären wahrscheinlich auch die Erfolge da. Dann würde jeder sagen, der Peter ist ein Supertrainer. Letzten Endes entscheidet das sowieso der Verband: Wenn die meinen, er ist der falsche Mann, ist er weg. Wenn sie denken, es ist der richtige, dann bleibt er.

          Haben Sie eine Idee, wie es im deutschen Skispringen wieder aufwärts gehen könnte?

          Wenn ich die Idee hätte, dann hätte ich wahrscheinlich schon einen neuen Job. Da haben jetzt plötzlich viele Leute viele gute Tips. Aber um alles ans Laufen zu bringen, braucht es Härte. Da muß man all die eingeschliffenen Dinge abschaffen.

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