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Skispringen : Eisenbichler und der Kampf mit dem System

  • -Aktualisiert am

Harte Landung: Markus Eisenbichler ist auf der Suche nach der Form des vergangenen Winters. Bild: EPA

Ob es nicht besser wäre, den deutschen Vorzeige-Skispringer der vergangenen Saison erst einmal aus dem Weltcup zu nehmen? Davon hält der Bundestrainer nichts. Doch Markus Eisenbichler kommt einfach nicht in Schwung.

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          Eines ist sicher. Das Wochenende wird Markus Eisenbichler am Sonntag in Baden-Baden ausklingen lassen. Bei der Proklamation des „Sportlers des Jahres“ ist der Skispringer auf alle Fälle mit dabei. Er und seine Kollegen Karl Geiger und Richard Freitag haben als Team-Weltmeister große Chancen auf eine vordere Plazierung in der Kategorie Mannschaft. Auch Eisenbichler selbst wird gern an die Titelkämpfe in Seefeld zurückdenken. Immerhin hat er noch zwei weitere Titel gewonnen – im Einzel von der Großschanze sowie im Mixed-Team. Und mit seinem ersten Weltcupsieg beim Skifliegen in Planica verabschiedete er sich aus der Saison 2018/2019.

          Noch vor einem Monat war der neue Bundestrainer Stefan Horngacher von der Entwicklung seines Vorspringers begeistert: „Eisei hat in einigen Lehrgängen gezeigt, dass er noch besser springen kann.“ Doch unmerklich hat sich ins Sprungsystem von Markus Eisenbichler ein Fehler eingeschlichen. Und der 28 Jahre alte Bayer kämpft aktuell um den Anschluss. Mit mageren acht Punkten rangiert er nach vier Springen gerade auf Position 37 in der Weltcupwertung. Nur einmal konnte sich Eisenbichler für den zweiten Durchgang der 30 Besten qualifizieren.

          Neuer Anlauf mit aller Gewalt

          An diesem Wochenende wird Eisenbichler einen neuen Anlauf unternehmen. Auf der Schanze in der Vogtlandarena in Klingenthal versucht er, wieder in die Spur zu kommen. Es wird schwer werden. Denn mit jedem Springen, bei dem der Knoten nicht platzt, wird es schwerer. Markus Eisenbichler ist ein ungemein ehrgeiziger Typ, der die Sprünge mit aller Gewalt einleiten will und dabei meist verkrampft. „Eisei hat in manchen Situationen vielleicht noch nicht die nötige Ruhe und das Vertrauen“, hat Martin Schmitt als Eurosport-Experte vor einem Jahr analysiert, „man hat den Eindruck, er lässt die Sprünge dann nicht laufen und will die Dinge zu sehr kontrollieren. Das ist aber kontraproduktiv.“ Denn mit Gewalt geht im Skispringen nichts. Ganz im Gegenteil. Lockerheit ist das Erfolgsrezept.

          Deshalb haben Experten laut darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, Eisenbichler erst einmal aus dem Weltcup herauszunehmen. „Es gibt kein Rezept, wie man mit ihm verfahren soll“, sagt Schmitt. Der ehemalige Spitzenspringer, der mittlerweile auch die Ausbildung zum Trainer erfolgreich abgeschlossen hat, hat solche Situationen mehrfach erlebt. Deshalb lautet sein vorsichtiger Vorschlag: „Ich will niemandem vorgreifen, aber ich würde mit Eisei nach Lillehammer gehen und mit ihm trainieren.“ Ko-Trainer Bernhard Metzler wäre der richtige Mann, weil er Eisenbichler schon seit vielen Jahren gut kennt. Davon hält allerdings Horngacher nichts: „Ihn aus den Wettkämpfen zu nehmen macht wenig Sinn. Sein Fehler ist nicht so riesig.“ Das ist der Grund, warum er ihn auch fürs Heimspringen in Klingenthal im Team gelassen hat.

          Trotzdem wird die Zeit knapp. Schon in zwei Wochen beginnt die Vierschanzentournee. „Wir müssen mit ihm in Ruhe weiterarbeiten, ohne Stress“, sagte Horngacher. Eisenbichler selbst sprach am vergangenen Wochenende nicht viel, aber seine Gesten im Auslauf sagten genug. Auch von Seiten des Deutschen Skiverbandes gönnte man ihm in dieser Woche Ruhe. Alle Anfragen nach einem Gespräch wurden abgelehnt. Wobei der Bayer eh nicht der Typ ist, der in Krisenzeiten viel redet. Er selbst hat sich einmal so beschrieben: „Ich bin eher wortkarg. Wenn meine Mutter nach einem schlechten Wettkampf fragt, woran’s denn gelegen hat, sag ich schon mal: ,Weil’s net funktioniert hat.‘“

          Dabei wäre es für Eisenbichler so einfach, sich Tipps zu holen, wie es funktioniert. Sein Zimmerkollege Karl Geiger springt momentan konstant sehr weit. Am vergangenen Wochenende wurde der Oberstdorfer in Nishny Tagil Zweiter hinter dem Japaner Yukiya Sato. Es war der erste Sprung eines deutschen Skispringers auf das Podest in dieser Saison. „Das passt soweit“, sagt Horngacher knapp. Position drei im Weltcup hinter Spitzenreiter Daniel-André Tande (Norwegen) und dem Österreicher Stefan Kraft sind der Beleg dafür.

          Trainingsphase oder weiter im Weltcup? Vielleicht kommt die Sportler-des-Jahres-Proklamation genau zum richtigen Zeitpunkt. Auf der Bühne sieht Eisenbichler noch einmal die ausgelassenen Bilder von der WM in Seefeld. Als langjähriger Begleiter kennt der frühere Bundestrainer Werner Schuster den Siegsdorfer gut. „Markus hat schon viel auf den Deckel gekriegt in seinem Leben, hat sich aber nie unterkriegen lassen“, lautet seine Analyse, „er ist ein Stehaufmännchen par excellence.“ Diese Eigenschaft muss er jetzt wieder hervorholen.

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