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Skispringen : Der ewige Träger des Schwarzen Peters

  • -Aktualisiert am

Es läuft nicht im deutschen Skispringen in diesem Winter: Bundestrainer Peter Rohwein Bild: dpa

Forderungen nach Ablösung des Bundestrainers der erfolglosen deutschen Skispringer Peter Rohwein halten sich schon den ganzen Winter lang. Fachlich ist er unumstritten, doch als Krisenmanager traut ihm selbst DSV-Generalsekretär Pfüller nicht viel zu.

          Es ist ja so lustig, dieses Spiel vom Schwarzen Peter: Einen Klecks Ruß auf die Nase, bis zur nächsten Runde - dann abwischen, und schon ist ein anderer der Dumme. In der deutschen Sport-Wirklichkeit allerdings hält sich dieser Fleck derzeit hartnäckig: Peter Rohwein hat den Schwarzen Peter gezogen. Schon durch den gesamten Winter, erst recht nach Enttäuschungen bei der Vierschanzentournee, klingen offene und versteckte Forderungen nach einer Ablösung des Allgäuers von seinem Posten als Verantwortlicher für die deutschen Skispringer.

          „Die Ergebnisse konnten sicher die Erwartungen nicht erfüllen“, sagt Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV). „Das muss man auch so zum Ausdruck bringen und kann nichts beschönigen.“ Auch Pfüller hat mit öffentlichen Äußerungen dazu beigetragen, dass sich Rohwein auf seinem Platz nicht sicher fühlen kann. „Ich habe gesagt, und dazu stehe ich auch: Für das Gesamtsystem hat Peter Rohwein die Hauptverantwortung“, erklärt er. Und stellt trotzdem klar: „So einfach darf man es sich nicht machen und sagen, wir wechseln den Cheftrainer aus.“

          Rohwein „nicht der Typ, der Athleten aus Loch holt“

          Freilich müsse man sich fragen, warum dieselben Athleten „in früheren Jahren bessere Leistungen gebracht haben als in diesem Winter“. Pfüller meint einen Knackpunkt zu kennen: „Es ist notwendig“, sagt er, „dass in diesem Skisprungteam die Verbissenheit durchbrochen wird.“ Rohwein sei ein Mensch, „der Leistung will und sich auch Gedanken macht. Er hat ein unwahrscheinlich hohes Wissen, er analysiert viel.“ Da er aber momentan nicht nicht nur einen Springer genauestens analysieren müsse, sondern mehrere, die schwache Leistungen ablieferten, komme er immer mehr ins Grübeln. „Und wenn man ins Grübeln kommt und sich eine Unzufriedenheit bemerkbar macht, dann ist er von seinem Charakter her nicht der Typ, der die Athleten besonders positiv anspricht und aus so einem Loch rausholen kann“, sagt Pfüller.

          „Die Verbissenheit muss durchbrochen werden”, sagt DSV-Generalsektretär Thomas Pfüller

          Seinen Ratschlag, „hol dir einen Mann an die Seite, mit dem du dich über methodische Probleme streiten kannst, der dir aber auch hilft, bei den Athleten vorwärtszukommen in der Frage der Lockerheit“, setzte Rohwein noch im alten Jahr um. Vor Beginn der Vierschanzentournee holte der Cheftrainer den 27-jährigen Österreicher Falko Krismayr ins Team, der als Stützpunkttrainer in Oberstdorf arbeitete. „Wir haben auch in anderen Disziplinen gesehen: Es ist einfacher, so etwas aus der zweiten Reihe als Kotrainer zu realisieren“, sagt Pfüller. Zudem sicherten sich die Skispringer den Rat des Psychologen Jan Mayer - der freilich auch in anderen Sportarten gefragt ist und nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht.

          Frühere Erfolge führten in Versuchung

          Hilfsangebote von außen erreichen auch Pfüller fast täglich. „Aber von heute auf morgen einen Motivationstrainer vor der WM einzufliegen, mit dem man noch nicht gearbeitet hat, das wäre nicht der richtige Weg.“ Schließlich entsteht Leistung nur in einem gut funktionierenden Team, von Athleten über Trainer, Techniker, Physiotherapeuten bis hin zum Mentalcoach. „Man muss versuchen, die Bausteine so zusammenzusetzen, dass Positives in der Mannschaft erzeugt werden kann“, sagt Pfüller. „Da sind wir momentan mit vorsichtigen Schritten dabei.“

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