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Skispringen : Chance der Statisten

  • -Aktualisiert am

Bedenklich: Im deutschen Skispringen klemmt es überall - weiß auch Bundestrainer Rohwein Bild: dpa

Die Krise ist offensichtlicher denn je. Beim Finale der Vierschanzentournee hielt der DSV nur drei deutsche Springer überhaupt für konkurrenzfähig - eine erschütternde Bilanz. Immerhin: Es wird gehandelt. Ein Kommentar von Jörg Hahn.

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          Im Wettstreit der jungen Enthusiasten und der Erfahrenen um den Gesamtsieg der 55. Vierschanzentournee haben die deutschen Skispringer keine Rolle gespielt - sie waren, wieder einmal, nur Statisten. Die Krise ist offensichtlicher denn je: Nur mit drei Athleten bei der letzten Etappe in Bischofshofen anzutreten, also mit der Hälfte des üblichen Kontingents, das ist für den Deutschen Skiverband (DSV) erschütternd. Dennoch ist der Verzicht von Bundestrainer Peter Rohwein auf die aus seiner Sicht nicht konkurrenzfähigen Springer auch ein gutes Zeichen: Es wird gehandelt.

          Rohwein, der in der Öffentlichkeit lange als Mann des Ausgleichs und der moderaten Töne erschienen ist, scheut sich nicht mehr vor Klartext. Intern soll er es zwar nie an Deutlichkeit haben missen lassen. Doch nach außen stellte er sich immer wieder vor das Team und erweckte so den Eindruck, unentschlossen und nachgiebig zu sein. Die Athleten ließen den loyalen Rohwein mit mageren Resultaten im Regen stehen. In seiner dritten Saison als Bundestrainer wird er noch häufiger als früher in Frage gestellt.

          Rohwein: Nur Verwalter statt Gestalter?

          Hilft dem DSV eine Personaldiskussion? Der Vorwurf, im Skiverband seien jahrelang nur Personen hin und her geschoben und Innovationen verhindert worden, ist nicht ganz unzutreffend. In der erfolgreichen Ära von Reinhard Heß mit Titeln und Medaillen en masse konnte darüber hinweggesehen werden. 2003 war die Zeit von Heß abgelaufen, zwischen ihm und dem Team tat sich ein tiefer Riss auf. Nach zehn Jahren hatten sich seine Methoden verbraucht. Wolfgang Steiert hielt sich nur kurz, Rohwein übernahm im Herbst 2004 als Nothelfer eine undankbare Aufgabe. Verwalter statt Gestalter, so wirkte er oft. Nun scheint er seinen Stil zu ändern, konfrontativer zu werden.

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          Aus dem Freund der Athleten, der Angebote macht, auf Einsicht und Bereitschaft baut, wird der Chef, der fordert. Ein externer Trainer - die Finnen Mika Kojonkoski und Hannu Lepistö, als Wanderarbeiter schon in vielen Ländern erfolgreich, werden ebenso wie der Schweizer Berni Schödler immer wieder ins Spiel gebracht - hätte womöglich früher aufgeräumt und umgekrempelt, neue Reize gesetzt. Doch dazu konnte und kann der DSV sich nicht durchringen.

          Massive Nachwuchsprobleme

          Die Lage ist schwierig, haben die Deutschen doch nicht nur in der Nationalmannschaft ein massives Problem, sondern vor allem auch im Nachwuchs. Während andere Länder ständig neue Gesichter präsentieren, tut sich im Deutschen Skiverband ein Loch auf. In der Talentsuche herrschte der Irrglaube, durch das Angebot vieler hervorragender Schanzen und die Vorbildwirkung des Glamour-Duos Schmitt/Hannawald würde sich geeigneter Nachwuchs landesweit wie von allein einstellen. Heß ließ die Jugendarbeit schleifen, der Verband sah zu.

          Rudi Tusch, bis 1993 Vorgänger von Heß und seither als sportlicher Leiter mit wechselnden Aufgaben betraut, hat das Versäumnis erkannt, spät zwar, aber seit vergangenem Sommer geschieht strukturell etwas. Mit Trainern aus Österreich an den wichtigsten Stützpunkten und einem Sonderetat soll eine Erneuerung von unten eingeleitet werden - wenn alle mitspielen und nicht, wie schon zu hören ist, gegen die Neuen aus dem Nachbarland, gegen Tusch und damit auch gegen Rohwein arbeiten. Interne Machtkämpfe sind die nächste Herausforderung für den DSV. Das Talent-Konzept umzusetzen, kostet Kraft, braucht Zeit - und Kontinuität. Jetzt Köpfe rollen lassen? Das hätte man, wenn schon, denn schon, direkt nach den Olympischen Winterspielen im vergangenen Jahr tun müssen.

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