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Felix Neureuther im Gespräch : „Am wichtigsten waren die Tiefschläge“

Siegertyp Felix Neureuther: „Kitzbühel ist vom Druck her mehr“ Bild: dpa

Felix Neureuther ist der derzeit erfolgreichste deutsche Skirennläufer. Im Interview spricht er vor seinem ersten Einsatz im Teamwettbewerb der WM in Vail (22.15 Uhr) über die Bewunderung für Fußballstar Messi und das Glück der Kinder im Dschungel von Vietnam.

          7 Min.

          Felix Neureuther ist der aussichtsreichste deutsche Teilnehmer bei der Ski-WM. Der Slalom-Spezialist gilt in seiner Lieblingsdisziplin am Sonntag neben dem Österreicher Marcel Hirscher als Favorit. An diesem Dienstag (22.15 Uhr/live in der ARD) geht Neureuther im Team-Wettbewerb erstmals auf die Piste.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Neureuther auf Ski, das ist wie Messi am Ball, beide haben perfekte Bewegungsmuster für ihre Sportart – sagt Wolfgang Maier, der Sportdirektor des DSV. Wie hört sich das an für Sie?

          Ziemlich nett, aber auch ziemlich übertrieben. Messi ist für mich der beste Fußballer der Welt. Er ist ein Genie. Was mich an ihm am meisten fasziniert: Man sieht, dass seine Bewegungen nicht antrainiert sind, sondern natürlich. Alles, was er macht, sieht leicht aus, geschmeidig. Bei Ronaldo ist das anders, finde ich. Bei ihm sieht man, dass wahnsinnig viel Arbeit hinter allem steckt, dass alles nicht so leicht, so selbstverständlich funktioniert wie bei Messi.

          Die Leichtigkeit im Komplizierten, die Schönheit – wie lässt sich die im Slalom erreichen? Wie bringt man die Skier zum Tanzen?

          Slalom hat von seinem Ursprung her viel mit Ästhetik zu tun, auch wenn sich durch das Material und die Carving-Technik in den letzten Jahren vieles verändert hat. Aber wenn ich mir Slalomrennen von früher anschaue: Was die für eine Eleganz hatten! Das war genial zum Zuschauen, unfassbar schön, und da kann man auch verstehen, warum der Skisport früher noch einen ganz anderen Stellenwert hatte als heute, er war ästhetischer. Es war einfach schön, wie sie sich durch die Tore geschlängelt haben. Heute ist mehr Kraft dabei, mehr Athletik.

          Mehr Ronaldo.

          Ja, aber für mich ist der Slalom vom Ästhetischen her immer noch die schönste Disziplin im alpinen Skisport.

          Gibt es den perfekten Lauf? Im Januar, bei Ihrem Sieg in Wengen, haben die Beobachter von Ihrem zweiten Durchgang geschwärmt wie selten. Man hat Sie mit Stenmark verglichen, mit Tomba, mit den Slalom-Legenden. Das muss guttun nach all den Jahren, in denen Sie mit dem Etikett „ewiges Talent“ gefahren sind.

          Es hat sich viel geändert seit drei, vier Jahren. Vor allem mit dem Materialwechsel von Atomic zu Nordica. Ich kann mich jetzt einfach ganz aufs Skifahren konzentrieren. Früher hatte ich immer probiert, das Material so hinzubekommen, dass ich damit einigermaßen schnell sein kann. Und jetzt weiß ich, dass das Material hundertprozentig passt. Ich kann mich völlig auf mich selbst konzentrieren und auf das Skifahren. Wenn du dieses Vertrauen hast, dann stehst du schon ganz anders am Start, mit sehr viel mehr Selbstbewusstsein, mit einer ganz anderen Körpersprache. Dann kommt der Erfolg dazu, der Kopf wird stärker, du gewinnst und kannst auch mit Rückschlägen besser umgehen.

          Welches waren die entscheidenden Momente auf dem langen Weg zum Siegfahrer?

          Kitzbühel 2010, mein erster Weltcupsieg, das war einer der Knackpunkte, ein unbeschreiblicher Moment. Dieser Tag hat vieles ausgelöst. Ich habe gemerkt, okay Junge, du kannst es! Kitzbühel war wichtig, aber die noch wichtigeren Knackpunkte, das waren die Tiefschläge. Garmisch vor allem, die Heim-WM 2011, das war für mich der größte Knackpunkt überhaupt.

          „Wahrscheinlich treibt uns alle die Suche nach dem perfekten Lauf“

          Sie sind dort sang- und klanglos ausgeschieden.

          Ich habe mir damals geschworen, dass ich nie wieder in meinem Leben, nie nie wieder, so in ein Rennen hineingehen werde. Ich hatte vor Garmisch nur trainiert, trainiert, trainiert. Ich war nicht einmal zu Hause, sondern nur im Mannschaftshotel, war immer unterwegs zwischen Training, Physiotherapeut und Kraftraum. Ich wollte einfach keine Fehler machen, mich zu hundert Prozent vorbereiten – und war am Ende völlig verkrampft. Ich war nicht mehr ich, und so bin ich dann auch gefahren. Ich habe keinen einzigen Schwung mehr zusammengebracht.

          Man müsse sich fünf Prozent Lockerheit bewahren, um am Leistungssport nicht kaputtzugehen, hat Ironman-Sieger Sebastian Kienle gesagt. Hundert Prozent könne man nicht aushalten auf die Dauer.

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