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Skirennfahrer Aksel Lund Svindal : Mister Speed

Große Klasse: Aksel Lund Svindal ist einer der Favoriten bei der Ski-Weltmeisterschaft Bild: Imago Spor

Schnell, kompromisslos - aber kein Wichtigtuer: Aksel Lund Svindal ist einer der großen Favoriten bei der alpinen Ski-WM und einer der letzten Typen. Dabei hätte ein Sturz beinahe all seine Träume beendet.

          6 Min.

          Es war der 27. November 2007, und für Aksel Lund Svindal lief eigentlich alles nach Plan. Mehr als das. Der Norweger war im Winter davor Gesamtweltcupsieger geworden, zum ersten Mal, mit schlanken 13 Punkten Vorsprung vor dem Österreicher Benjamin Raich. Und nun, vor dem Abfahrtsrennen im amerikanischen Skiort Beaver Creek, führte er das Gesamt-Klassement schon wieder an. Svindal war ganz oben, er war, so sagten es damals nicht nur die Zahlen, der beste Skirennfahrer der Welt. Und das mit 24 Jahren.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Im Abfahrtstraining an diesem 27. November 2007 auf der „Raubvogel“-Piste in Beaver Creek schien die Karriere-Schussfahrt des Norwegers gerade so weiterzugehen. Die Bedingungen waren schwierig, selbst erfahrene Athleten wie der Schweizer Didier Cuche äußerten Bedenken, doch Svindal schien über alle Buckel und Schläge einfach hinwegzurasen wie auf Schienen. Svindal ist einer der körperlich stärksten Fahrer im Weltcup, 1,95 Meter groß, knapp 100 Kilo schwer. Er hat die Idealfigur eines Abfahrers, viel Masse bedeutet viel Geschwindigkeit, und Geschwindigkeit ist das, worum sich in der Königsdisziplin des alpinen Skirennsports, in der Abfahrt, vieles, wenn nicht gar alles dreht. Und Svindal war schnell an diesem Tag.

          Er flog mehr als 50 Meter weit

          Er habe die Schwünge perfekt getroffen, erinnerte er sich danach an die Fahrt, so lange jedenfalls, bis er zum berüchtigten Golden-Eagle-Sprung kam. Eine kleine Kompression brachte ihn kurz davor minimal aus dem Gleichgewicht, als er den Sprung erreichte, lehnte er ganz leicht nach hinten - doch das war fatal. Svindal hob ab, die Ski stiegen vorne immer höher, sein Körper fiel immer weiter nach hinten. Er ruderte wild mit den Armen, verzweifelt, vergeblich. „Sobald ich in der Luft war, wusste ich, es würde schlimm werden“, sagte er später. „Wenn du den Schnee nicht mehr sehen kannst, weißt du nicht mal mehr, wo du landen wirst.“ Svindal war rund 110 Kilometer in der Stunde schnell, er flog mehr als 50 Meter weit. Als er endlich gelandet war, in dem Streckenteil, den sie „The Abyss“ nennen, den Abgrund, da wäre die wundersame Ski-Karriere des Aksel Lund Svindal um ein Haar vorbei gewesen.

          Kein selbstverliebter Wichtigtuer: Svindal gilt als netter und ganz normaler Typ
          Kein selbstverliebter Wichtigtuer: Svindal gilt als netter und ganz normaler Typ : Bild: picture alliance / dpa

          Ende Januar 2013, Rennwochenende in Kitzbühel. Aksel Lund Svindal sitzt in der Lobby des Teamhotels der Norweger, mitten im Ortszentrum. Gerade hat er den Dreh für den TV-Sender Eurosport erledigt, er tritt dort regelmäßig auf. Der 30 Jahre alte Svindal ist einer der großen Namen, eines der wichtigsten Gesichter des internationalen Ski-Zirkus. Er kommt an, bei den Fans, bei den Medien, bei den Sponsoren, aus vielen Gründen. Da ist zum einen seine Klasse als Skirennfahrer. Svindal ist Super-G-Olympiasieger, er war viermal Weltmeister und zweimal Gesamtweltcupsieger. In dieser Saison ist er der beste Speedfahrer im Weltcup, er gewann drei der vier Super-G-Rennen und wurde im vierten Zweiter.

          Da ist zweitens seine Weltgewandtheit, Svindal ist eloquent, er spricht unter anderem gut Deutsch und perfekt Englisch. Dazu kommt sein imposanter Körperbau, Svindal ist ein Modellathlet, von seinem Oberkörper schwärmen die, die es wissen müssen, in höchsten Tönen. Und da ist vor allem seine angenehme persönliche Art. Svindal ist einer der besten Skifahrer der Welt, und trotzdem ist er kein selbstverliebter Wichtigtuer, sondern ein ganz normaler, einfach nur netter Typ - geht man mal davon aus, dass Höflichkeit und Freundlichkeit ganz normal sind. Sein entspanntes Lächeln jedenfalls verliert Svindal selbst im Medienwahnsinn von Kitzbühel nicht, und ein bisschen wirkt das dann immer so, als seien die ganzen Aufgeregtheiten, die den Ski-Zirkus und seine Hauptfiguren manchmal so umtreiben, für Svindal oft einfach nur ein ziemlich großer Spaß.

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