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Skiläuferin Mikaela Shiffrin : Mit Rekorden inspirieren

Der Stangenwald ist ihr Revier: Mikaela Shiffrin fährt besser Slalom als jede andere jemals zuvor Bild: AFP

Sie hat schon in jungen Jahren ihre Vorbilder überholt und bricht alle Rekorde. Nun hofft Slalomkünstlerin Shiffrin, einst selbst übertroffen zu werden. Schon am Neujahrstag ist sie die Gejagte.

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          Fast schüchtern sitzt sie da, im schwarzen Shirt, schiebt ihre blonde Mähne zur Seite und lächelt in die Kamera: „Hallo, ich schon wieder“, sagt Mikaela Shiffrin und blickt zurück: „Es war ein spaßiger Tag.“ Aber auch ein Tag mit Geschichte. Und dann zieht die junge Skirennläuferin einen weiten geschwungenen Bogen, wie er nur ihr gelingt, von ihrem Rekordsieg am Zauberberg in Semmering zu ihren Anfängen im Weltcup.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Sieben Jahre ist es her, genau auf den Tag, da stand die Amerikanerin zum ersten Mal auf einem Siegerpodest. Beim Slalom in Lienz war sie an jenem 29. Dezember 2011 hinter Marlies Schild und Tina Maze Dritte geworden. Mikaela Shiffrin war erst 16 und konnte es kaum fassen, mit diesen Ikonen annähernd auf einer Ebene stehen zu dürfen. „Wenn du weiter so gut trainierst“, prophezeiten ihre Trainer, „dann wirst du vielleicht eines Tages mit Marlies mithalten können. Vielleicht.“ Schon diese Worte zu hören sei ein Traum gewesen, sagt Mikaela Shiffrin heute. „Marlies war mein Vorbild, die Beste.“

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          Nun, exakt sieben Jahre später, hat Mikaela Shiffrin, immer noch gerade mal 23 Jahre jung, den Rekord ihres Vorbilds gebrochen. 35 Weltcup-Slaloms hatte Marlies Schild gewonnen, Mikaela Shiffrin nun schon 36. „Ich habe diesen Rekord nicht angepeilt“, sagt sie, der es gelingt, trotz aller Erfolge weiterhin als „all American Girl“ zu erscheinen. „Aber nun habe ich die Fackel des Erfolgs übernommen und trage sie weiter.“

          Alleskönnerin: Die Slalom-Spezialistin hat auch schon Weltcuprennen in Super-G und Abfahrt gewonnen
          Alleskönnerin: Die Slalom-Spezialistin hat auch schon Weltcuprennen in Super-G und Abfahrt gewonnen : Bild: AFP

          Mikaela Pauline Shiffrin stammt aus Vail in Colorado, dem Hotspot des amerikanischen Skisports. Ihre Eltern waren Skilehrer, und sie hat praktisch ihr gesamtes bisheriges Leben auf den Brettern verbracht, die für sie die Welt bedeuten. Die Pulverschneehänge in den Weiten Colorados waren die erste Skischule für sie. Der zweite Karriereschritt erfolgte mit dem Wechsel an die Burke Mountain Academy in Vermont, an die eisige Ostküste, wo völlig andere Schnee-Bedingungen herrschen. Die dritte Ausbaustufe bestand schließlich im frühen und konsequenten Einstieg in die Weltcup-Szene.

          „Ich habe ein hübsches Talent“, sagte sie einmal im Gespräch mit dieser Zeitung, aber das eigentliche Geheimnis des Erfolgs sei ihr Arbeitsethos: „Ich fahre mehr Ski als alle anderen, ich trainiere mehr als alle anderen, ich verbringe mehr Zeit in den Bergen als alle anderen.“ Immer mit dabei: Eileen Shiffrin. Mutter, Trainerin, Vertraute und Freundin. Sie ist die Frau, die das Projekt „Mikaela“ vorantreibt. An Glanztagen fuhr Mikaela Shiffrin im Slalom Siege mit zwei, drei Sekunden Vorsprung ein. Das langweilte sie fast ein bisschen, deshalb wollte sie mehr und wagte den Sprung in die Speeddisziplinen. Sie wollte sich „zur kompletten Fahrerin“ entwickeln. Auch das ist ihr gelungen.

          Immer dabei: Mutter Eileen (r.)
          Immer dabei: Mutter Eileen (r.) : Bild: EPA

          Mikalea Shiffrin ist die einzige Skifahrerin in der Weltcupgeschichte, die in allen sechs Disziplinen Weltcuprennen gewonnen hat. Fast bei der Hälfte ihrer Starts, bei 71 von 144, kam sie aufs Siegerpodest: 51 hat sie gewonnen, allein 15 im Jahr 2018. Auch das ist natürlich Rekord.

          Doch noch längst nicht das Ende der Geschichte. Schon am Neujahrstag steht der nächste Wettkampf an. Beim City Event in Oslo, einem Parallel-Slalom, gilt Mikaela Shiffrin als Favoritin. Wer sonst? Doch sie selbst schaut längst weiter. Sie hofft, dass „irgendwo da draußen“ jemand ist, „der sich von meiner Geschichte inspirieren lässt“ und eines Tages ihre Rekorde brechen wird: „Es wäre für mich ein Traum.“

          Inspirierende Amerikanerin: Mikaela Shiffrin
          Inspirierende Amerikanerin: Mikaela Shiffrin : Bild: dpa

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