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Skifahrer Thomas Dreßen : Vom Verlust des Vaters geprägt

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Thomas Dreßen bei der Abfahrt in Kvitfjell: Schon wieder einer der Schnellsten Bild: dpa

Abfahrer Thomas Dreßen ist auf dem Weg in die Weltspitze. Dabei nimmt das Schicksal ihm seine wichtigste Bezugsperson. Heute fährt er deswegen auch für seinen Vater.

          Das Beste kam dieses Mal nicht zum Schluss, aber damit kann Thomas Dreßen ganz gut leben. Der deutsche Abfahrer kehrt trotz des 38. Platzes am Sonntag im Super G, den Peter Fill aus Italien gewann, mit einem Lächeln vom Ski-Weltcup in Kvitfjell zurück. Seine kleine Sternstunde hatte er zwei Tage zuvor erlebt, in der ersten von zwei Abfahrten auf der Olympia-Piste von 1994. Die beendete er als Sechster.

          Am Samstag kam ein ebenfalls glänzender elfter Platz dazu, mit dem er sich obendrein für das Weltcup-Finale Mitte März in Aspen qualifizierte. Die Auftritte des erst 23 Jahre alten Mittenwalders in dieser Saison nähren die Hoffnungen von Wolfgang Maier, Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, „einen absoluten Weltspitzenfahrer zu entwickeln“. Top-Ten-Ergebnisse der deutschen Abfahrer sind mittlerweile keine Überraschung mehr, aber bisher standen vor allem Andreas Sander und Josef Ferstl für den Aufschwung der Speed-Mannschaft.

          In deren Schatten, so die Hoffnung der Verantwortlichen vor der Saison, sollte Dreßen reifen. In den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super G sind Streckenkenntnis und Erfahrung so wichtig wie Talent - und nur wenige Athleten schaffen es, bereits in jungen Jahren in die Weltelite vorzustoßen. Aber schon bei der WM in St. Moritz sorgte Dreßen - neben Sander - für die positive Überraschung der ersten Woche. Die Kombinations-Abfahrt beendete er als Dritter und ließ dabei nicht nur Sander und Ferstl hinter sich, sondern auch prominente Athleten wie Kitzbühel-Sieger Dominik Paris oder Olympiasieger Matthias Mayer.

          Dass Dreßen, der einst erste Meriten im Riesenslalom sammelte und 2012 Silber bei der Junioren-WM in dieser Disziplin gewann, schon jetzt zu den Frühreifen gehört, hat zum einen mit seiner besonnenen Herangehensweise zu tun. Bei der Abfahrt, sagte er einmal, müsse man erst die Strecke im Griff haben, „dann kannst du darüber nachdenken, wo du Gas gibst“. Dreßen überdreht nicht, er macht einfach das, was er kann, auf der Piste.

          Jubel über eine gelungene Abfahrt: Thomas Dreßen schreit’s heraus. In St. Moritz gelang dem Silbermedaillen-Gewinner der Junioren-WM ein ausgezeichnetes Rennen. In der Spezialabfahrt gelang ihm mit Rang zwölf das bis dato beste Ergebnis seiner Karriere. In der Kombinationsabfahrt überraschte er mit Rang drei und durfte für ein paar Stunden von einer WM-Medaille träumen. Nach dem Slalom belegte er schließlich Platz 14. Bilderstrecke

          Zum anderen hat ihn ein tragischer Verlust geprägt - und der treibt ihn bis heute an. „Ich fahre ja nicht nur für mich“, sagt er, „sondern auch für meinen Vater.“ Dirk Dreßen, ein ehemaliger Biathlet, hat die Karriere seines Sohnes von Kindesbeinen an unterstützt. Er war sein Trainer und ging mit ihm sogar nach Österreich ans Ski-Internat von Neustift. Später wechselten beide zum TSV Gilching-Argelsried, weil der Verein Dirk Dreßen eine Trainerstelle anbot. Im September 2005 war er mit einer Schülergruppe beim Training in Sölden. Er saß in einer Gondel auf dem Gletscher, als ein Lastenhubschrauber über der Seilbahn einen 750 Kilogramm schweren Beton-Eimer verlor. Neun Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben - einer davon war Dirk Dreßen.

          Wenn Thomas Dreßen heute von diesem Unfall spricht, ist keine Wehmut mehr dabei. Die Geschichte, sagt er, „ist Teil von mir“. Er könne sie ja nicht rückgängig machen, also lebt er mit ihr - und mit der Erinnerung an den Vater. Sie ist Ansporn. „Wenn etwas mal nicht so funktioniert“, sagt er. Aber auch in Momenten des Erfolgs wie am Freitag in Kvitfjell. Als er dann abends endlich im Bett lag, „habe ich schon an meinen Vater gedacht und gehofft, dass er das mitbekommen hat“.

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