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Nächster Coup von Dreßen : Die Spezl’n sind auch da

  • -Aktualisiert am

Der Beste im Speed: Thomas Dreßen gewinnt in Saalbach-Hinterglemm die Abfahrt. Bild: AP

Thomas Dreßen ist der derzeit beste Abfahrer der Welt: Nach seinem Sieg in Garmisch-Partenkirchen ist er nun auch in Saalbach-Hinterglemm schneller als alle anderen. Zuvor kommt es zu einem Schreckmoment.

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          Als Thomas Dreßen fast alle Gratulationen entgegengenommen hatte, kam auch noch der Präsident um die Ecke, der des Österreichischen Skiverbandes wohlgemerkt. Ob er wisse, warum er sich so freue, fragte Peter Schröcksnadel den Sieger der Weltcup-Abfahrt von Saalbach-Hinterglemm – und schickte die Antwort gleich hinterher: „Es ist gut für den Tourismus.“ Er musste allerdings selbst ein bisschen lachen über den von österreichischen Verbands-Granden gern bemühten Gag bei einem deutschen Alpin-Sieg.

          Vermutlich war aber Schröcksnadel nicht wirklich zum Scherzen zu Mute, denn dieser Dreßen hat in der Königsdisziplin seine eigenen Cracks deutlich abgehängt. Der Triumph am Donnerstag war nach dem in Lake Louise im vergangenen November und in Garmisch-Partenkirchen vor zwölf Tagen bereits der dritte der Saison – und der zweite nacheinander, was noch nie einem deutschen Abfahrer gelungen ist. Kein anderer Abfahrer in diesem Weltcup-Winter hat mehr Siege. „Ich genieße es im Moment und habe brutal viel Spaß“, sagte Dreßen.

          Allerdings musste Dreßen am Zwölferkogel eine Schrecksekunde überstehen. Kurz nach der ersten Zwischenzeit wurde es gefährlich, er verlor kurz die Kontrolle über den Außenski und konnte mit Mühe einen Sturz verhindern. „Da war ich froh, dass der Ski noch dran war.“ Er habe sich zum Glück „eine gute Stelle“ für das Manöver ausgesucht, sagte er. Dreßen ließ sich nicht beirren. „Ich habe mir vorgenommen, ich fahre wie geplant weiter. An der Mittelstation habe ich mir gedacht, jetzt fängt das Rennen noch einmal neu an.“ Als er im Ziel mit Bestzeit abschwang, schlug er die Hände über den Kopf zusammen. „So ganz damit gerechnet habe ich nimmer.“

          Reise in die Vergangenheit

          Fehlerfrei hat die Strecke, mit der sich Saalbach-Hinterglemm als Konkurrent von Garmisch-Partenkirchen für die Austragung der Ski-Weltmeisterschaften 2025 bewirbt, keiner der Starter bezwungen. „Aber er hat den Speed am besten mitgenommen. Vom Instinkt her ist er einer der Besten“, lobte der Schweizer Beat Feuz den Konkurrenten, der nur sieben Hundertstelsekunden schneller war und ihn damit auf den zweiten Platz verdrängte.

          Der Schweizer führt vor den letzten beiden Abfahrten im Disziplin-Weltcup mit 194 Punkten Vorsprung – und damit fast uneinholbar – vor Dreßen, für den Platz zwei im ersten Jahr nach dem Kreuzbandriss ein großartiger Erfolg wäre. Hinter Feuz reihten sich am Donnerstag drei weitere Schweizer ein, erst auf dem sechsten Platz landete in Vincent Kriechmayr der beste Österreicher. Vor fünf Jahren, bei der letzten Weltcup-Abfahrt am Zwölferkogel, hatten noch die Lokalmatadoren dominiert, die Positionen eins, zwei und drei belegt. Matthias Mayer, der damalige Sieger und einzige rot-weiß-rote Abfahrtssieger in diesem Winter, wurde dieses Mal Elfter.

          Konnte es kaum glauben: Thomas Dreßen im Zieleinlauf von Saalbach-Hinterglemm

          An jenem Februartag 2015 hatte unbeachtet von der damaligen Weltelite mit der Startnummer 53 ein junger Deutscher sein Weltcup-Debüt gegeben: Dreßen. Er landete auf dem 39. Platz. „Das war eh gar nicht so schlecht“, findet er heute. Allerdings waren nur insgesamt 52 Läufer im Ziel klassiert. Schon damals, so erinnerte er sich, musste er ein Interview im Zielraum geben. Aber nicht, weil die Österreicher geahnt hätten, dass dieser junge Abfahrer den eigenen Athleten einmal gefährlich würde. Es hatte vielmehr regionale Gründe, denn Dreßen hatte als Junge fünf Jahre lang das Ski-Internat im rund 30 Kilometer entfernten Saalfelden besucht.

          Auch dieses Mal war es für den Bayern eine Reise in die Vergangenheit. Vor dem Rennen traf er einen ehemaligen Trainer aus dem Internat, einige Klassenkameraden von einst sind im Gemmtal zu Hause und standen auf der Tribüne. „Ich bin mir vorgekommen wie damals in der Schule“, sagte Dreßen und kündigte an, nach dem Super-G an diesem Freitag mit den alten Freunden „ein bisserl feiern“ zu wollen. Wie vor knapp zwei Wochen in Garmisch-Partenkirchen mit den Spezl‘n aus Kindertagen. Wer kann schon von sich behaupten, zwei Heimsiege in zwei unterschiedlichen Ländern geschafft zu haben?

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