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Skifahrer Fritz Dopfer : „Ich komme eher von der Gefühlsseite“

  • -Aktualisiert am

Saisonstart in Sölden: Fritz Dopfer ist neben Felix Neureuther der beste deutsche Skifahrer Bild: AFP

Fritz Dopfer ist neben Felix Neureuther der Star im deutschen Ski-Team. Vor dem Weltcup-Start in Sölden am Wochenende spricht er über die Konkurrenz zum prominenten Teamkollegen, Neutralisation beim freien Fahren und amerikanischen Schnee.

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          Fritz Dopfers Eltern waren Skilehrer in Österreich, der Slalomspezialist besuchte ein Skigymnasium in Innbsruck. Dann wechselte er zum deutschen Skiverband und gewinnt seine Medaillen nun für Deutschland. Der 28 Jahre alte Slalom- und Riesenslalom-Spezialist gilt als Spätzünder. Bei der Ski-Weltmeisterschaft gewann er gar vor dem Dritten Felix Neureuther im Slalom Silber.

          Gehen Sie morgens noch mit Lust raus auf die Piste, oder ist Skifahren für Sie hauptsächlich ein Job?

          Beides. Auf der einen Seite ist Skifahren schon mein Beruf, aber in gewisser Weise auch Berufung. Skifahren ist bisher mein Leben gewesen, und ich mache es mit extrem viel Hingabe und Spaß. Und die Erfolge haben mir auch gezeigt, dass es für mich der richtige Weg war und nach wie vor ist.

          Kommt es noch vor, dass Sie schon vor dem Frühstück Ski fahren, wenn die Bedingungen besonders gut sind?

          Nein, ich brauche schon ein ausgiebiges Frühstück. Es ist meistens so, dass wir eine Stunde, bevor wir rausfahren, aufstehen und ein sehr reichhaltiges Frühstück zu uns nehmen. Weil doch die Kälte sehr zehrt und wir Leistung bringen müssen.

          Wie viele Tage im Jahr fahren Sie Ski?

          Ich schätze mal, wir sind insgesamt so zwischen 180 und 200 Tage auf den Skipisten der Welt unterwegs.

          Also auch im Sommer, dann aber auf der anderen Erdhalbkugel?

          Genau, wir waren im August dreieinhalb Wochen im Trainingslager in Argentinien. Das war sehr intensiv. Und insgesamt haben wir alleine vor Sölden schon 65 Trainingstage in den Beinen.

          Können Sie noch frei fahren, oder denken Sie ständig über jeden Schwung nach, ob der gut oder schlecht war?

          Also, auch wenn ich frei fahre, probiere ich, das sehr bewusst zu machen. Wenn man nur Tore fährt, dann schleifen sich oft auch Fehler ein. Und deshalb ist freies Fahren wichtig zur Neutralisation, damit du wieder spürst, was du genau machen musst. Wir fahren ja auch beim Training relativ viel frei. Wir machen meistens acht bis zehn Trainingsläufe, und davor fahren wir uns zweimal ein und danach zweimal aus.

          Aber letztlich ist es Arbeit?

          Ja, schon. Ich bin jemand, der auch beim Genussskifahren nur schwer abschalten kann. Ich schaue viel: Wie stehe ich drauf? Wie ist die Belastung? Mir wäre auch die Zeit zu schade, wenn ich da nur so rumrutschen würde. Es ist schon sehr bewusst, das Ganze.

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          Ihre Freundin Lena Dürr ist auch Skifahrerin. Gehen Sie noch gemeinsam Ski fahren?

          Wir waren vergangenes Jahr einmal zusammen Ski fahren, das war am Ende der Saison. Ansonsten ist es so, dass wir uns bei den Rennen treffen. Dass wir sagen, wir gehen jetzt gemeinsam Ski fahren, kommt selten vor. Wenn, dann zum Tourengehen.

          Haben Sie einen bestimmten Lieblingsschnee. Bedingungen, auf denen Sie am besten zurechtkommen? Oder bei denen Sie am liebsten fahren?

          Ich bin eigentlich jemand, der sich über die Jahre hinweg auf viele Schneebedingungen gut eingestellt hat. Aber am liebsten mag ich einen Schnee, wie er drüben in Amerika liegt, ein aggressiverer Schnee, bei dem ich sofort ein Feedback kriege, wie der Ski reagiert.

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          Was heißt das?

          Ich bin eher ein Gefühlsskifahrer, keiner, der mit enorm viel Kraft im Eis seine Spuren zieht. Das habe ich inzwischen zwar auch gelernt, aber eher komme ich von der Gefühlsseite. Ich will mit den Kräften auch spielen können.

          Sie brauchen also Pulverschnee

          Pulverschnee nicht gerade, das ist übertrieben, aber kompakten Schnee, der dir das Gefühl gibt, dass du weißt, wie der Schnee funktioniert. Auf eisigen Bedingungen geht dir ja oft der Ski weg. Bei grobkörnigerem Schnee hast du Kontrolle - das ist eher meins.

          Durch den Klimawandel schneit es in den Mittellagen nicht mehr so viel, deshalb wird in vielen Skigebieten auf Kunstschnee gefahren, auch im Weltcup. Ist das ein Problem für Sie?

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