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Abfahrer Thomas Dreßen : Keine Angst vor der „Raubvogel“-Piste

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Thomas Dreßen bei seiner Rückkehr nach Beaver Creek: „Dass es mich geschmissen hat, war einfach mein Fehler. Warum sollte ich dann Angst haben?“ Bild: dpa

Ein Jahr nach seinem folgenschweren Sturz in Beaver Creek kehrt Abfahrer Thomas Dreßen auf auf die schwierige Raubvogel-Piste zurück. Doch von Angst ist bei ihm nichts zu spüren.

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          „Birds of prey“ heißt die Abfahrtsstrecke, auf der es am Wochenende für die alpinen Abfahrer zur Sache geht: „Raubvogel-Piste“. Doch obwohl sie als äußerst schwierig gilt und Thomas Dreßen hier im vergangenen Winter schwer stürzte, verspürt der 26-Jährige keine Angst; im Gegenteil: „Beaver Creek ist eigentlich eine meiner Lieblingsstrecken“, erzählte er. 2017 fuhr er als Dritter erstmals auf das Podest und wusste, dass er die Weltelite herausfordern kann, was er dann mit seinem Sieg in Kitzbühel eindrucksvoll untermauerte. Und der Unfall im Jahr danach? „Für den Sturz an sich hat Beaver Creek nichts dafür gekonnt“, sagt Dreßen: „Deswegen freue ich mich jetzt brutal darauf, weil es für mich fast die geilste Abfahrt ist.“

          Am 30. November 2018 war er im amerikanischen Bundesstaat Colorado mit Tempo 125 ins Sicherheitsnetz gerauscht, sein rechtes Knie und die linke Schulter hielten den gewaltigen Kräften nicht stand. Kreuzband, Innen- und Außenmeniskus, Knorpel, Innenband, Schulter - „es war alles im Arsch“, sagte Dreßen. Die Bilder, wie der 100-Kilogramm-Hüne nach dem Unfall im Fangzaun liegt und vor Schmerzen laut schreit, haben Ski-Fans nicht vergessen.

          Doch längst hat er vor dem Super-G am Freitag (18.45 Uhr bei MEZ) und der Abfahrt am Samstag (19.00 Uhr MEZ jeweils bei Eurosport und sportschau.de) seinen Frieden mit der Unglückspiste gemacht. „Das war ein Spaß“, schrieb er nach dem ersten Training bei Facebook. „Das nenne ich ein großartige Abfahrtsstrecke!! Ich habe es so vermisst!!“

          Dreßen vor einem Jahr: „Es war alles im Arsch.“

          Das nennt man wohl emotional stabil. „Natürlich war ich bei der Besichtigung ein bisschen nervös“, berichtete Dreßen nach der ersten Testfahrt. Doch an der Stelle, an der er vor zwölf Monaten gestürzt war, habe er gedacht: „Eigentlich war's saublöd, dass es dich da zerlegt hat. Wenn du normal tust, ist es so easy zu fahren.“ Diese Erkenntnis hat ihm geholfen, zu vergessen: „Dass es mich geschmissen hat, war einfach mein Fehler. Warum sollte ich dann Angst haben?“

          Positiv verstärkt wird diese Einstellung durch seinen Comebacksieg am vergangenen Wochenende bei der Abfahrt in Lake Louise.  Seitdem ist der 26-Jährige mit drei Erfolgen der beste deutsche Abfahrer der Geschichte und trotz der langen Verletzungspause einer, der die Königsdisziplin in den nächsten Jahren „dominieren kann“, wie Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier meinte.

          „Der Sieg wird ihm sicher helfen“, hatte Herren-Cheftrainer Christian Schwaiger gesagt. „Er hat gemerkt, dass alles funktioniert und das Knie auf einem guten Weg ist. Das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen.“ Auch Sportvorstand Wolfgang Maier erkannte den mentalen Wert des Sieges: „Das ist extrem wertvoll für ihn als Sportler. Besser kannst du es nicht hinbekommen.“

          Dreßen selbst warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen. Noch fahre er „zu wenig konstant“, Siege wie jener in Kanada dürften erst mal die Ausnahme bleiben. Die Rahmenbedingungen verheißen allerdings Großes. Sein Material passt derzeit perfekt, im Training seien seine Ski auch in Beaver Creek „brutal marschiert. Ich weiß nicht, was mein Servicemann da schon wieder gemacht hat.“

          Und auch mit dem Speedteam harmoniert es - nicht nur, weil ihn die interne Konkurrenz antreibt. Zum neuen Abfahrtscoach Andi Evers habe er „ein super Verhältnis“, sagte Dreßen. Der Österreicher, der einst Ski-Helden wie Hermann Maier oder Stephan Eberharter betreute, sei ein eher ruhigerer Typ, „aber was er sagt, hat Hand und Fuß. Ich hänge ihm an den Lippen.“ Grundsätzlich, meinte Dreßen, müssten Topathleten aber „so selbstständig sein, dass dir der Trainer nicht immer alles vorgaukeln muss“. Bei ihm, das hat Dreßen längst bewiesen, ist das der Fall.

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