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Ski-WM : Bedingt optimistisch

  • -Aktualisiert am

Guter Zeitpunkt zum Abheben: Andreas Sander geht im Super-G an den Start Bild: dpa

Der Auftakt mit Rang vier für Viktoria Rebensburg war bitter - weckt aber Hoffnungen. Am Mittwoch sind die deutschen Herren im Super-G an der Reihe.

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          St. Moritz. Der berühmte Ski-Ort im Engadin steht seit einem halben Jahrhundert für Reichtum und auch ein bisschen Dekadenz. Zunächst kamen die millionenschweren West-Europäer, um unter sich zu sein, später russische Oligarchen. Aber Pelz und Diamanten sind weniger geworden in den vergangenen Jahren, die Übernachtungszahlen sind seit 2005 um 20 Prozent zurückgegangen. Wer es sich leisten kann und leisten mag, schlürft zwar immer noch auf knapp 3000 Meter Höhe Champagner, das Glas für 30 Schweizer Franken, oder gönnt sich eine Bratwurst für 20 Franken, Bratkartoffeln inklusive.

          Aber St. Moritz ist gerade dabei, sich zu verändern, natürlich ganz weg vom versnobten Wintersportort, ein bisschen vielseitiger, auch bodenständiger, normaler will man werden. Da kommt eine Ski-WM ganz gelegen, zwei Wochen lang prägen nicht Pelzmäntel und sündteure Skiklamotten das Straßenbild, sondern legere Sportler und deren Entourage, die keinen oder nur wenig Wert auf Pomp und Protz legen.

          Alles anders als vor 14 Jahren

          Die deutsche Mannschaft hat sich schon früh entschieden, dorthin zu gehen, wo sich auch vor und nach der Ski-WM nicht die Hautevolee trifft, sondern eher die Skienthusiasten. Statt wie bei den Titelkämpfen 2003 sich am Hauptplatz von St. Moritz, mitten im Rummel, einzuquartieren, wohnt der Deutsche Skiverband nun in Celerina, nur ein paar Minuten entfernt von Trainingspisten. Dieses Mal soll alles anders werden als bei der WM vor 14 Jahren - damals waren die Deutschen in mindestens drei Wettbewerben mit Medaillenchancen nach St. Moritz gereist und mit leeren Händen nach Hause gefahren.

          Auch in dieser Saison hat der DSV „hochgesteckte Erwartungen“, wie Alpinchef Wolfgang Maier zugibt. Drei Medaillen sollen es werden, das hatte er bereits im Herbst verkündet, bevor Viktoria Rebensburg einen Bruch des Schienbeinkopfes erlitt, den Auftakt verpasste und im Weltcup bis zuletzt nach optimaler Abstimmung und Form suchte, vor allem im Riesenslalom. Schlimmer erwischte es Fritz Dopfer, der wegen eines Schien- und Wadenbeinbruches die Saison nach nur zwei Rennen schon beenden musste. Dazu kommt, dass Felix Neureuther mit nur drei Podestplazierungen eine so schwierige Saison erlebt wie seit sechs Jahren nicht mehr.

          In Schladming 2013 und Vail 2015 zählte er zu den großen Favoriten im Slalom, jetzt ist er bestenfalls noch Medaillenkandidat - wenn das lädierte Knie rechtzeitig bis zum angepeilten Teamevent in der zweiten Woche ausheilt und seine Skifirma doch noch Bretter zur Verfügung stellt, auf denen er wieder das perfekte Skigefühl findet.

          Für Viktoria Rebensburg ist die Situation nicht neu. Vor den vergangenen beiden Großereignissen war es noch viel schlechter gelaufen als in dieser Saison, und sowohl bei den Olympischen Winterspielen 2014 als auch bei der WM vor zwei Jahren klappte es doch mit Edelmetall. Auch dieses Mal ist sie überzeugt. dass sie „um eine Medaille mitfahren kann“, der bittere vierte Platz im Super-G am Dienstag dürfte sie sogar bestärkt haben für die weiteren Rennen in Abfahrt am Sonntag und Riesenslalom in der kommenden Woche.

          Die Trainingseinheiten in der vergangenen Woche hätten sie zuversichtlich gestimmt: „Ich sehe eine gute Entwicklung.“ Auch Frauen-Cheftrainer Markus Anwander traut seiner Frontfrau viel zu. „Es ist überall etwas drin“, sagt er mit dem Hinweis auf ihre vierten und fünften Plätze im Super-G und in der Abfahrt in dieser Saison. „Wir hatten oft kein Glück bei Kleinigkeiten. Jetzt sind wir mal dran.“

          Hoffen bei den Männern

          Die Männer, die den DSV traditionell in der ersten Woche in der Abfahrt und im Super-G vertreten, gehören seit zwei Jahrzehnten nicht zu den Medaillenkandidaten. Das gilt auch für Andreas Sander, Josef Ferstl und Thomas Dreßen, und doch sind die deutschen Schnellfahrer dieses Mal nicht nur dabei, um in erster Linie Erfahrung zu sammeln. Zumindest die Leistungen von Ferstl und Sander, die mit der Empfehlung von jeweils einem fünften Platz in den bisherigen Rennen am Mittwoch (12 Uhr/ live in Eurosport 1 und ZDF) im Super-G starten, nähren die Hoffnung, dass es zum ersten Mal seit 2005 wieder ein deutscher Schnellfahrer zu einer WM-Siegerehrung schaffen könnte.

          Damals war Florian Eckert Sechster geworden, zwei Jahre zuvor hatte er mit Bronze für die letzte Speed-Medaille gesorgt. Nach ein paar Trainingstagen in Garmisch-Partenkirchen mit den Österreichern, die nach drei Saisonsiegen zu den Topfavoriten gehören, weiß Ferstl: „Sie sind schlagbar. Wir sind ziemlich weit und gut drauf.“ Aber eben womöglich noch nicht so weit, um in den Medaillenkampf einzugreifen. „Wenn ein Hannes Reichelt im Training Dritter ist, geht es für ihn im Rennen um alles oder nichts, der will gewinnen“, sagt Männer-Cheftrainer Mathias Berthold. „Wir sind dann schon mal eher zufrieden damit. Das ist das, woran wir noch ein bisschen arbeiten müssen.“ Sollte das schon bei dieser WM klappen, wäre es keine Sensation, aber sicher eine kleine Überraschung.

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