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Ski-WM : Österreich erlebt ein Desaster

Mit dem Kopf durch die Wand: Österreichs Michael Walchhofer Bild: REUTERS

Aksel Lund Svindal aus Norwegen hat bei der Ski-WM die Goldmedaille in der Abfahrt gewonnen. Betreten schauten die Favoriten rein: Auf den weiteren Medaillenrängen feierten zwei absolute Außenseiter.

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          Schon wieder ein Elch! Gerade schien es, als wären die anderen Nationen die lästige Konkurrenz aus Norwegen endlich los. Lasse Kjus und Kjetil-Andre Aamodt, die mehr als ein Jahrzehnt lang ein Albtraum für alle Gegner gewesen waren, haben ihre Karrieren beendet. Immer wieder hatten diese beiden sich bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen wie selbstverständlich Medaillen geschnappt, auch wenn man überhaupt nicht mit ihnen rechnete. Zusammen kamen sie auf unglaubliche 36 Plaketten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nun haben sie ihren Abschied genommen - und konnten bei der ersten Weltmeisterschaft, bei der sie fehlten, gleich ihren Nachfolger bejubeln. Aksel Lund Svindal erweiterte seine Medaillensammlung nach dem Kombinationssilber von 2005 gleich um das wichtigste Stück - der Führende in der Weltcup-Gesamtwertung setzte sich als überlegener Abfahrts-Weltmeister die Krone in der Königsdisziplin auf.

          Patrik Jaerbyn ältester Medaillengewinner

          „Das ist ein guter Tag für Aksel und Norwegen“, sagte der Sieger, dessen Triumph so manchem Erfolg seiner berühmten Vorgänger ähnelte. Keineswegs überraschend, trotzdem ein bisschen unerwartet, aber ein paar Hinweise hatte es dennoch gegeben. Denn Svindal, wie Kjus und Aamodt ein Allrounder, hatte im vergangenen Jahr beim Weltcupfinale sein bislang einziges Weltcup-Abfahrtsrennen gewonnen - auf der WM-Strecke in Are. Auch im Training hatte er nun stets zu den Besten gehört, und spätestens mit Platz zwei bei der Kombinationsabfahrt hatte sich dieser Coup angekündigt.

          Der Österreicher Michael Walchhofer konnte einen Sturz nur knapp verhindern

          Sensationelles tat sich bei der wegen Nebels von Samstag auf Sonntag verschobenen Abfahrt hinter Svindal: Der Kanadier Jan Hudec - im Weltcup einer von denen, die erst starten dürfen, wenn die Besten schon im Ziel sind - nutzte bei wiederum wechselnder Sicht die Gunst des frühen Starts und sicherte sich mit Startnummer zwei Platz zwei mit 0,72 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Auch Rang drei mündete in einer besonderen Geschichte: Der 37 Jahre alte Schwede Patrik Jaerbyn, der vor elf Jahren in der Sierra Nevada mit Platz zwei im Superriesenslalom die letzte schwedische WM-Medaille in einer Männerdisziplin gewonnen hatte, war vor dieser Saison zwischenzeitlich aus dem Kader gestrichen worden. Er sicherte sich nun als bislang ältester Medaillengewinner einen Platz in den alpinen Rekordbüchern.

          Bode Miller im Pech

          Betreten schauten die Favoriten rein, die teils mit der Sicht, teils mit dem Material, teils mit ihrer Fahrt haderten. Zu einem Desaster besonderer Art entwickelte sich der Tag für Österreich. Erstmals seit 1997 blieb die Alpin-Großmacht in der Schussfahrt nicht nur ohne Medaille. Der achte Rang von Mario Scheiber war die beste Platzierung - so schlecht hatte Österreich zuletzt 1987 in Crans Montana bei einer WM-Abfahrt abgeschnitten. Das Fazit von Hermann Maier (Rang 13) galt nicht nur für ihn: „Das war nicht so optimal.“

          Besonderes Pech hatte der Amerikaner Bode Miller. Ausgerechnet der Titelverteidiger, im ersten Training und in der Kombinationsabfahrt der Schnellste, musste im Mittelteil der Strecke eine Nebelbank durchqueren und belegte Rang sieben. Dem Schweizer Didier Cuche, Führender im Abfahrts-Weltcup, blieb das Pech ebenso treu wie dem Kanadier Eric Guay: Cuche hatte im Superriesenslalom die Bronzemedaille um eine Hundertstelsekunde verpasst, diesmal fehlten ihm vier; Guay hatte Rang drei am Dienstag um drei Hundertselsekunden verfehlt, diesmal waren es zwei.

          Mario Büchel wiederum konnte seine überragende Bestzeit aus dem zweiten Training zwar bestätigen und war wieder schneller als anderen unterwegs, aber der 35 Jahre Liechtensteiner schied nach einem Fahrfehler aus. Medaille verschenkt, aber trotzdem mit Blick auf den 37jährigen Jaerbyn ein Tag, der ihm Mut machte: „Das gibt mir doch noch Hoffnung für die WM 2009 in Val d'Isere.“ Darauf müssen auch die deutschen Erwartungen zielen: Der 23 Jahre alte Stephan Keppler schied nach einem Sturz aus, der 25 Jahre alte Johannes Stehle belegte Rang 27. Aber bis sie so alt sind wie Jaerbyn, vergehen ja noch ein paar Tage.

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