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Ski-WM in Sapporo : Filbrichs großes Finale

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Jens Filbrich - glücklich über Bronze Bild: AP

Mit einer großen Willensleistung hat sich der Langläufer Jens Filbrich am letzten Tag der Ski-WM die erste Einzelmedaille seiner Karriere erkämpft, „die größte meines Lebens“. Er gewann Bronze im 50-Kilometer-Lauf.

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          Jens Filbrich hatte am Ende das volle Verständnis seines Trainers: „Das war sein großer Traum, das war sein Kampfziel - da kann man als Mann auch mal heulen.“ Fünfzig Kilometer lang, beinahe zweieinhalb Stunden hatte sich „der Fibs“ zusammennehmen müssen, zwischendurch auf die Zähne gebissen - für dieses eine Ziel: im letzten Rennen der nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo nicht schon wieder Vierter zu werden, sondern eine Medaille zu gewinnen, nach sechs Staffelplaketten seit 2001 die erste Einzelmedaille seiner Karriere.

          Er hatte Krämpfe in den Armen und Beinen - „aber ich habe gedacht, die anderen haben sie bestimmt auch“. Er konnte an der Verpflegungsstelle nicht einmal mehr eine Banane greifen. „Die haben sie mir direkt in den Mund gestopft. Und am Ende wagte er nicht einmal mehr, sich umzuschauen. „Wenn man den Tobi hinter sich weiß“, sagte er, „der einer der endschnellsten Männer ist.“

          „Bin mir nicht sicher, ob der Tobi attackiert hätte“

          „Der Tobi“ Angerer, als einer der großen Favoriten nach Sapporo gekommen, geht mit einer Silbermedaille, einer Bronzemedaille und drei vierten Plätzen als schlechtesten Ergebnissen von diesen Titelkämpfen - und nicht nur die Resultate machen den Bayern zu einem der Großen im Langlauf. So wie er im Verfolgungsrennen für den jubelte, der ihn besiegt hatte - sein Freund Axel Teichmann -, so hätte dieser „endschnelle Mann“ wohl am Ende auch dem anderen Partner aus der Trainingsgruppe von Cuno Schreyl die Medaille nicht geneidet. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Tobi attackiert hätte, wenn es heute zwischen den beiden zum Spurt gekommen wäre“, sagte Bundestrainer Jochen Behle. Angerer war sechs Sekunden zurück, als Filbrich Bronze gewann.

          Ein hartes Rennen

          Die deutschen Langläufer verlassen Sapporo „erhobenen Hauptes“, so Schreyl. Von den neun Medaillen, die den Deutschen Skiverband (DSV) hinter Norwegen und Finnland auf Platz drei der erfolgreichen Teams hoben, steuerten sie sechs bei. Persönliche Genugtuung war im Spiel, wie vor allem bei Teichmanns Gold nach all den Rückschlägen in den vergangenen Jahren. Die Deutschen waren sich ihrer Stärke bewusst. Aber ausgerechnet in der Staffel, als Angerer und Franz Göhring einen schlechten Tag - und wohl auch schlechte Ski - erwischt hatten, ging der große Favorit leer aus.

          Wogen für den Augenblick geglättet

          Am Ende können deshalb die Frauen des DSV von sich behaupten, dass ihre Teamleistung besser klappt. Die beiden Silbermedaillen im Teamsprint und in der Staffel hatte nicht einmal der Bundestrainer auf seiner Rechnung. Evi Sachenbacher-Stehle, von Behle zuvor heftig kritisiert, absolvierte vier hervorragende Rennen, schlechtestes Resultat war Platz zehn. Das Lob des Trainers und von DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller half, die Wogen zumindest für den Augenblick zu glätten. Spätestens Ende März wird auch das Thema des eigenen Frauen-Bundestrainers offiziell diskutiert - bis Mitte April soll eine Entscheidung fallen.

          Mit seinen drei Cheftrainern, Behle, Hermann Weinbuch sowie Peter Rohwein, wird der DSV, so Pfüller, auf jeden Fall auch in die kommende Saison gehen. Auf die Kombinierer von Weinbuch war wie immer Verlass: Sie setzten ihren Höhenflug mit Gold für Ackermann, Silber für die Mannschaft und Bronze für Björn Kircheisen im Sprint fort.

          Hart gelandet sind dagegen die Skispringer, so schwach waren sie bei Weltmeisterschaften noch nie. Möglicherweise, ja sicherlich hätte die Bilanz ohne die Verletzungen von Michael Neumayer zu Beginn der Saison und von Michael Uhrmann am Trainingstag in Sapporo anders ausgesehen. Doch für die Zukunft kann Rohwein sich nicht auf solche Argumente stützen. Langfristig muss der DSV in der Nachwuchsarbeit kräftig zulegen - und das nicht nur im Skispringen. Auch bei den Langläuferinnen sind die Aussichten in den kommenden Jahren nicht rosig. Das Problem ist erkannt, ein Umdenken von Pfüller angekündigt.

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