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Ski-WM in Oslo : Der nächste Coup der deutschen Kombinierer

  • -Aktualisiert am

Doppelter Erfolg gleich gemeinsames Glück: Johannes Rydzek (rechts) und Eric Frenzel Bild: AFP

Deutschlands junge Kombinierer bleiben Medaillensammler: Nach dem Sprung von der Großschanze und dem Zehn-Kilometer-Lauf gewinnt Johannes Rydzek Silber, Dritter wird Eric Frenzel. Jason Lamy Chappuis aus Frankreich holt Gold.

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          Und da waren es wieder zwei: Die jungen deutschen Kombinierer sind bei den nordischen Skiweltmeisterschaften einfach nicht aufzuhalten. Fünf Medaillen haben sie in drei Wettbewerben am Holmenkollen über Oslo gewonnen. Am Mittwoch, im Einzel-Wettbewerb mit einem Sprung von der Großschanze und dem Zehn-Kilometer-Lauf, holten sich Johannes Rydzek und Eric Frenzel Silber und Bronze hinter dem Franzosen Jason Lamy Chappuis.

          Tino Edelmann wurde 15., Björn Kircheisen trat nach einem schwachen Sprung zum Lauf nicht an. Mit Gold und Silber von Frenzel und Edelmann von der Normalschanze und dem Silber im Team und den beiden Medaillen vom Mittwoch ist die Nordische Kombination schon jetzt der Gewinner innerhalb der Mannschaft des Deutschen Skiverbandes.

          Vor knapp drei Wochen hatte sich der neunzehnjährige Oberstdorfer Rydzek den Weltmeistertitel bei den Junioren gesichert, jetzt ist er endgültig in der Weltklasse angekommen. „Ich bin wahnsinnig froh und auch ein bisschen überrascht, dass so ein Rennen herausgekommen ist“, sagte er nach seinem Coup. Im Zielsprint hatte er seinen Mannschaftskollegen Frenzel überholt, nachdem sie gemeinsam auf den führenden Franzosen Jagd gemacht hatten. Dessen Vorsprung aus dem Springen war aber zu groß - und Jason Lamy Chappuis ist schließlich auch der beste Kombinierer im Weltcup.

          „Ich bin wahnsinnig froh und auch ein bisschen überrascht, dass so ein Rennen herausgekommen ist”
          „Ich bin wahnsinnig froh und auch ein bisschen überrascht, dass so ein Rennen herausgekommen ist” : Bild: dapd

          Thomas Müller, überredete Rydzek zu seinem Sport

          Seit mehr als zwei Jahren ist Rydzek eine feste Größe in den Planungen des Bundestrainers. Hermann Weinbuch, der die Mannschaft in den vergangenen Jahren systematisch verjüngt hat, ließ den Allgäuer aus einer sportbegeisterten Familie im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen in Vancouver starten - Rydzek dankte es mit Bronze im Team. Mit drei Jahren stand er zum ersten Mal auf Ski, kurz vor seinem fünften Geburtstag machte er seinen ersten Sprung von einer Schanze, einer Mattenschanze. Die Vierschanzentournee war sein Ziel als Kind - sein Vater war regelmäßig Helfer bei diesem Großereignis, und der Junge bewunderte die Springer.

          Doch in Oberstdorf wird man auch Langläufer, und der ehemalige Kombinierer und jetzige Stützpunkttrainer im Allgäu, Thomas Müller, überredete Rydzek zu seinem Sport - und zu seinem Glück. Nach dem Silber im Wettbewerb von der Normalschanze mit dem Team vor zwei Tagen, dem vierten Platz im Einzelwettbewerb am Samstag und Platz zwei am Mittwoch soll der Erfolgsweg noch nicht zu Ende sein: Auch für den Mannschaftswettkampf von der Großschanze sind die deutschen Kombinierer nun in der Favoritenrolle. Danach muss Rydzek die Ski erst einmal in die Ecke stellen: das Abitur steht an. Da er ins Elitegymnasium geht, hat er zwei Monate Aufschub bekommen und muss die Prüfungen erst im Mai schreiben.

          Einer bekam an diesem Mittwoch sein Gold, dem es die meisten Zuschauer von Herzen gönnten. Alex Harvey, der Kanadier, waren die Sympathien am vergangenen Sonntag in der Doppelverfolgung zugeflogen, als er lange das Feld alleine anführte, ehe ihn die Meute einholte und überholte - er wurde am Ende Zwölfter. Mit seinem Kollegen Devon Kershaw gewann er nun den Teamsprint der Männer in der klassischen Technik. Die beiden pfiffigen Kanadier verdarben Petter Northug, Norwegens Volksheld, das Fest. Mit Ola Vigen Hattestad, der die letzte der insgesamt sechs Schleifen über 1,5 Kilometer lief, wurde er Zweiter, zwei Zehntelsekunden fehlten auf Harvey im Ziel.

          „Für mich ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen“

          Vier Zehntelsekunden trennten Jens Filbrich und Tim Tscharnke von einer Medaille. „Für mich ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen, ich habe uns schon auf dem Podest gesehen“, sagte Filbrich, der nur warten und ansehen konnte, wie der zwanzigjährige Tscharnke - immerhin im vergangenen Jahr Olympia-Silbermedaillengewinner mit Axel Teichmann - auf den letzten Metern den Russen Nikita Krjukow vorbeiziehen lassen musste.

          Platz vier, damit ist man nicht zufrieden, wenn es eine Medaille hätte sein können. Die deutschen Frauen, Steffi Böhler und Nicole Fessel, wurden Siebte. Ohne Marit Björgen hatten auch die Norwegerinnen keine Chance; Maiken Caspersen Falla und Astrid Uhrenholdt Jacobsen wurden Dritte. Den Titel gewannen die Schwedinnen Ida Ingemarsdotter und Charlotte Kalla vor Aino Kaisa Saarinen und Krista Lahteenmaki.

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