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Reiseverbot für Iran-Trainerin : „Das grenzt an Sklaverei“

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Forough Abbasi musste am Donnerstag beim Riesenslalom bei der Ski-WM ohne ihre Trainerin fahren. Bild: dpa

In Iran dürfen Männer ihren Frauen verbieten, das Land zu verlassen. Daher konnte die Skitrainerin Samira Sargari nicht zur WM reisen. Die Kritik daran wird immer lauter.

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          Das Reiseverbot gegen Irans Cheftrainerin Samira Sargari zur Ski-WM nach Cortina d’Ampezzo durch ihren Ehemann sorgt weiter für Aufsehen. In der islamischen Republik wurde das Gesetz von Menschenrechtlern als rückständig kritisiert und mit Sklaverei verglichen. Bei den Weltmeisterschaften sagte die iranische Rennfahrerin Forough Abbasi am Donnerstag nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms: „Es ist eine Regel in Iran. Wir versuchen, sie zu ändern.“ Die 27-Jährige und drei ihrer Teamkolleginnen mussten auf Sargari verzichten, deren Mann ihr die Ausreise nicht erlaubt hatte.

          „Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich wünschte, wir könnten es verändern – alle Frauen im Iran zusammen“, sagte Abbasi und zeigte sich zuversichtlich. „Sie werden das sicher ändern. Wir haben so viele starke Frauen, die diese Regel ändern wollen.“ Vom Weltverband Fis gab es am Donnerstag keine weitere Reaktion zu dem Fall – tags zuvor hatte es auf dpa-Anfrage noch geheißen, dass man zunächst Kontakt zum iranischen Skiverband aufnehmen wolle.

          „Es gibt ein paar Regeln wie diese“

          Grundsätzlich sei das Leben für eine Frau in Iran nicht so hart, betonte Abbasi zudem. „Wir können machen, was immer wir wollen. Es gibt ein paar Regeln wie diese, aber nicht für jeden. Vielleicht eine von tausend Frauen hat diese Probleme.“ Auch ihre Trainerin Sargari sei „wirklich eine freie Frau, wenn du siehst, wo sie überall auf der Welt war und wie viel sie gereist ist. Manchmal passiert das eben.“

          In Iran war die Kritik teils deutlich schärfer. Dass Männer ihren Frauen die Ausreise verbieten können, sei „ein Gesetz, das im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat“, sagte die renommierte Anwältin Farideh Ghejrat der Nachrichtenagentur Ilna. Im Ausland werde die Regel nicht akzeptiert, ein Imageverlust insbesondere bei internationalen Großveranstaltungen sei die Folge. Ähnlich wie Rennfahrerin Abbasi fordert sie eine Abschaffung des Gesetzes.

          Der Menschenrechtsaktivist Hassan Assadi-Sejabadi warf der iranischen Justiz gar Sklaverei vor. „Wir haben es mit einem Rechtssystem zu tun, in dem eine Person über das Schicksal einer anderen Person entscheiden darf (...) dies grenzt an Sklaverei“, schrieb der Aktivist bei Twitter. In den sozialen Medien erklärten viele ihre Solidarität mit Sargari und riefen zu einem Shitstorm gegen den Ehemann auf.

          In den vergangenen Jahren wurde mehreren iranischen Topsportlerinnen in ähnlichen Situationen wie bei Sargari die Ausreise verboten – etwa Nilufar Ardalan, Kapitänin des Frauen-Hallenfußball-Nationalteams, kurz vor dem Abflug zur Asienmeisterschaft 2015.

          Trainerin Samira Sargari meldete sich am Freitag erstmals selbst zum Thema öffentlich. „Ich liebe mein Land und habe seit Jahren hart für die Flagge meines Landes gearbeitet“, sagte sie nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. „Nun brauche ich die Hilfe und Unterstützung der Behörden“. Sie sollen das Ausreiseverbot aufheben und sie zu ihrer Mannschaft in Cortina d'Ampezzo lassen. Die WM in Italien endet allerdings am Sonntag.

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