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Ski-WM : Frühstarter Staudacher schockt alle Favoriten

Patrick Staudacher auf dem Weg zum Super-G-Gold Bild: AP

Der Italiener Patrick Staudacher hat völlig überraschend den ersten Titel bei den alpinen Ski-WM gewonnen. Im Super-G konnte keiner der Favoriten in die Medaillenränge fahren. Stephan Keppler aus Ebingen kam nur auf Platz 37.

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          Ihre Rennställe lassen sich die Skifirmen einiges kosten. Schließlich lassen sich Ski am besten verkaufen, wenn die Stars die Marke als Sieger hochhalten. Vor dieser Saison hatte Head beispielsweise auf dem Markt noch einmal richtig zugeschlagen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Schweizer Didier Cuche, ein Spezialist für die schnellen Disziplinen, war dazugekommen, und vor allem der Superstar der Szene - Bode Miller. Das Salär des Amerikaners, der bei allen Head-Veranstaltungen gern präsentiert wird, soll im siebenstelligen Bereich liegen, und wenn Miller auftritt, dann stehen die Markenkollegen oft im Hintergrund. Doch einer von denen, die bislang so gut wie nie beachtet wurden, räumte beim ersten Rennen der Weltmeisterschaft in Are gleich den Hauptgewinn ab. Der Südtiroler Patrick Staudacher nutzte beim Superriesenslalom die Gunst der frühen Startnummer, legte eine fehlerfreie Fahrt hin und staunte danach am meisten: Keiner kam mehr an diese Zeit heran. Staudacher siegte mit 32 Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem Österreicher Fritz Strobl, Platz drei sicherte sich der Schweizer Bruno Kernen.

          Immer mehr Rillen in der Piste

          „Das kann ich kaum fassen“, sagte Staudacher, was wenig verwunderte, weil es ja auch kaum zu fassen war. Dies war sein WM-Debüt gewesen, und auf ein Sieger-Podium im Weltcup hatte es der 26 Jahre alte Südtiroler bislang in seiner Karriere auch noch nicht geschafft. Platz fünf bei der Abfahrt in Bormio in diesem Winter war sein bislang bestes Resultat gewesen - ein Fingerzeig immerhin, der nicht von allen übersehen worden war.

          Stephan Keppler wurde 37.

          „Er war mein Geheimfavorit“, sagte Head-Rennleiter Rainer Salzgeber, dem nach dem WM-Sieg mit Blick auf die bisherigen eher übersichtlichen Bezüge seines neuen Weltmeisters eines sofort klar war: „Da werden wir was nachlegen müssen.“ Auf der wegen der starken Schneeverwehungen der vergangenen Tage um 352 Meter verkürzten Strecke war Staudacher mit Startnummer 12 ein fehlerfreier Lauf gelungen. „Ich dachte, das würde vielleicht für Rang fünf oder sechs reichen“, sagte der Überraschungssieger. Es reichte zu mehr, weil im Verlauf des Rennens immer mehr Rillen in der Piste weiter oben am Berg für eine unruhige Fahrt sorgten.

          „Normalerweise habe ich den immer im Sack“

          Gemäß der umstrittenen Regel starten die besten 30 Fahrer in umgekehrter Reihenfolge ihrer Weltranglistenplazierung - und wer spät losfahren durfte, kam auch verspätet an. Nur Platz drei geriet noch in Gefahr, als die Stars ins Rennen eingriffen, aber Kernen hatte das Glück auf seiner Seite: Der Österreicher Christoph Gruber lag wie Cuche nur eine Hundertstelsekunde zurück, dem Kanadier Eric Guay fehlten drei, dem Österreicher Hermann Maier vier, dem Liechtensteiner Marco Büchel auf dem zehnten Rang acht Hundertstelsekunden. Titelverteidiger Bode Miller fehlte dagegen viel mehr - der Amerikaner setzte wie üblich auf Risiko und fand sich nach einer interessanten Rodeofahrt auf Rang 24 wieder.

          Ein Startnummernrennen also, daran gab es keinen Zweifel - und nicht jeder hatte Staudacher so auf der Rechnung wie sein Rennleiter. „Normalerweise habe ich den immer im Sack“, wunderte sich der Deutsche Stephan Keppler und hätte vielleicht besser „manchmal“ gesagt. Diesmal fehlte ihm eine ganze Menge, was bei seinem ersten Rennen nach seinem Kahnbeinbruch vor knapp drei Wochen zu erklären war. Keppler fuhr zu brav, handelte sich 1,94 Sekunden Rückstand ein und fand sich auf Rang 37 ein, zwei Plätze vor dem Teamkollegen Johannes Stehle. Dabei hatte er hatte sich viel mehr vorgenommen, „schließlich ist ein WM-Rennen nur ein schlecht besetztes Weltcuprennen“. Dass jedes Land nur vier Starter stellen darf, wird dem Weltmeister Staudacher allerdings völlig egal sein.

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