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Überraschung bei Ski-Weltcup : Rebensburgs famoser Heimsieg in Garmisch

  • Aktualisiert am

Nahezu perfekte Fahrt: Viktoria Rebensburg gelingt Heimsieg auf der Kandahar-Piste. Bild: dpa

Viktoria Rebensburg gewinnt nach schwierigen Wochen erstmals eine Weltcup-Abfahrt – ausgerechnet zu Hause in Garmisch-Partenkirchen. Als „Inspiration“ dient ihr Thomas Dreßen.

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          Viktoria Rebensburg genoss die lange Gratulationstour am Fuße der Kandahar-Piste in vollen Zügen. Den Applaus ihrer Familie unter den 5000 Fans auf der Tribüne, die Umarmung ihrer Vorgängerin Maria Höfl-Riesch bei der Siegerehrung, und wohl besonders die Verbeugung von Alpinchef Wolfgang Maier. „Das kann ich nicht beschrieben, das ist einfach mega geil“, sagte die beste deutsche Skirennläuferin nach ihrem Heimsieg bei der Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, „ich hätte es mir nicht besser erträumen können.“

          Nach schweren Wochen mit schwachen Ergebnissen und Maiers Kritik kam ihr erster Weltcup-Sieg in der Königsdisziplin für Rebensburg einer Erlösung gleich. „Das ist wirklich unglaublich“, sagte die 30-Jährige, „diesen Abfahrtssieg zu schaffen, in allen drei Disziplinen zu gewinnen, in denen ich fahre, bedeutet mir extrem viel. Es ist extrem cool, dass es funktioniert hat.“ Bereits 14 Weltcuprennen hat die Olympiasiegerinnen von 2010 im Riesenslalom gewonnen, immerhin vier im Super-G – und nun endlich auch in der Abfahrt. Wobei er sogar deutlich ausfiel. Rebensburg raste in 1:41,94 Minuten mit 0,61 Sekunden Vorsprung vor der Italienerin Federica Brignone und 0,83 Sekunden vor der drittplatzierten Tschechin Ester Ledecka durch das Ziel.

          Und das auch noch genau eine Woche nach dem Coup von Thomas Dreßen an gleicher Stelle - ein Novum für den Deutschen Skiverband. „Es war sicherlich eine sehr große Inspiration“, sagte Rebensburg über Dreßens Heimsieg, „ich habe nochmal gesehen, was es heißt, ein Heimrennen zu gewinnen, wie besonders das ist.“

          „Das kann ich nicht beschrieben, das ist einfach mega geil.“
          „Das kann ich nicht beschrieben, das ist einfach mega geil.“ : Bild: EPA

          In Zwiesel (2011) und Ofterschwang (zweimal 2012) hat sie das selbst schon erlebt, doch dieser Erfolg jetzt schmeckte besonders süß, das war ihr anzusehen. Artikulieren wollte Rebensburg ihre Genugtuung nicht. „Nein“, beteuerte sie, die Schlagzeilen rund um die Kritik von Alpinchef Maier hätten sie nicht besonders angespornt, „das hat mit dem überhaupt nichts zu tun gehabt.“

          Maier betonte: „Alles nicht so wild, da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht.“ Das angekündigte klärende Gespräch, sagte Rebensburg, werde es erst geben, „wenn ich ein bissl Pause habe“. Also wohl nach Saisonende. Maier verneigte sich schon in „GAP“ vor seiner besten Athletin, die bislang je drei zweite und dritte Plätze in der Abfahrt geholt hatte. „Beeindruckt“ war er von Rebensburgs mutiger Fahrt. Die ohnehin anspruchsvolle Kandahar sei diesmal „eine extreme Herausforderung“ gewesen, meinte Maier, ja „die schwierigste seit langem. Da zu gewinnen, ist aller Ehren wert, da kann man ihr nur gratulieren.“

          Das taten auch Höfl-Riesch, die 2010 als letzte deutsche Athletin auf der Kandahar triumphiert hatte, und ARD-Experte Felix Neureuther. „Das war eine starke Fahrt von ihr, und das tut nach den schweren Wochen einfach wahnsinnig gut“, sagte Höfl-Riesch. Neureuther ergänzte: „Sie ist in einer anderen Liga gefahren. Wenn du das alles mitmachst, das wurmt dich, es gibt keine Ruhe, dann lieferst du so ab - wirklich, Chapeau!“

          Entsprechend gelöst, aber doch ein wenig verhalten sang Rebensburg nach ihrem 19. Weltcupsieg im Zielraum die deutsche Nationalhymne mit. War es ihr schönster Sieg? „Das ist schwer zu sagen“, meinte sie, aber ja: „Das war Wahnsinn!“ Kira Weidle (Starnberg/2,11) fuhr, noch geschwächt von ihrer Grippe, auf den ordentlichen 13. Platz. „Es hat relativ viel gut zusammengepasst“, sagte Rebensburg. Dazu zählte sie auch das Material, mit dessen Abstimmung sie in diesem Winter immer mal Probleme gehabt hatte. „Mein Servicemann hat einen schnellen Ski gezaubert“, sagte sie, „ich habe am Start schon gemerkt, dass es eine Rakete ist.“

          Straßer scheitert in Chamonix

          Linus Straßer hat beim Weltcup-Slalom in Chamonix eine gute Chance auf eine Top-Ten-Platzierung verspielt. Der 27 Jahre alte Münchner fädelte als Zehnter des ersten Laufs im zweiten Durchgang nach wenigen Toren ein und schied wie zahlreiche Favoriten aus. Anton Tremmel kam als einziger Deutscher in den Punkterängen auf Platz 16. David Ketterer wurde im zweiten Lauf disqualifiziert.

          Den Heimsieg am Mont Blanc sicherte sich der Franzose Clement Noel in einer Gesamtzeit von 1:41,47 Minuten vor dem jungen Norweger Timon Haugan (+0,21 Sekunden) und dem Österreicher Adrian Pertl (+0,31). Beide nutzten ihre Chancen mit den hohen Startnummern 33 und 37.

          Straßers Enttäuschung über seine verpasste Chance fiel lautstark aus: „Oh Mann!“ rief er vernehmlich über die Piste. „Ich bin saugut reingekommen und hatte ein gutes, stabiles und vor allem schnelles Gefühl“, haderte Straßer später, „echt schade.“

          Auch zahlreiche Favoriten schieden aus. Der Schweizer Daniel Yule führte nach dem ersten Lauf, konnte den zweiten dann nicht nach unten bringen. Der Franzose Alexis Pinturault und der Italiener Stefano Gross, Vierter und Dritter nach dem ersten Durchgang, riskierten im Finale zu viel und schieden aus. Den Weltcup-Führende Hendrik Kristoffersen erwischte es bereits im ersten Durchgang.

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